Neue Serien, mehr Themenabende: So baut Programmchef Ralf Gerhardt Disney um

 

"Es geht stetig bergauf", sagt Ralf Gerhardt, Programm-Verantwortlicher des vor rund anderthalb Jahren gestarteten Free-TV-Senders, zur Entwicklung beim Disney Channel. Künftig möchte er mehr "redaktionelle" Schwerpunkte setzen - etwa durch mehr Themenabende. Eigenproduziertes für Kinder abseits der Fiktion wird es aber nicht geben. "Ein eigenes Magazin wie 'Pur plus' würde nicht zu uns passen", sagte er zu kress.de. "Wir sind in erster Linie Geschichtenerzähler." 

"Es geht stetig bergauf", sagt Ralf Gerhardt, Programm-Verantwortlicher des vor rund anderthalb Jahren gestarteten Free-TV-Senders, zur Entwicklung beim Disney Channel. Künftig möchte er mehr "redaktionelle" Schwerpunkte setzen - etwa durch mehr Themenabende. Eigenproduziertes für Kinder abseits der Fiktion wird es aber nicht geben. "Ein eigenes Magazin wie 'Pur plus' würde nicht zu uns passen", sagte er zu kress.de. "Wir sind in erster Linie Geschichtenerzähler." 

Bewährt hat sich laut Gerhardt, der im Münchner Mäusereich den beeindruckenden Titel "Executive Programming Director & Deputy General Manager Disney Channels" tragen darf und der damit alle Programm-Aktivitäten und Produktionen unter der Marke Disney in den deutschsprachigen Regionen zuständig ist, die Aufteilung des Programms in eine an Kinder und Jugendliche gerichtete Daytime und eine auf die klassische Zielgruppe der 14- bis 49-Jährigen ausgerichtete Primetime. Während Disney tagsüber Marktanteile von bis zu neun Prozent bei den 3- bis 13-Jährigen erzielt, kommt etwa mit den Filmen zur besten Sendezeit ein Schnitt von oft ein Prozent bei der klassischen Werbezielgruppe zusammen. 

"Filme mit Anne Hathaway funktionieren blendend"

Besonders stark nachgefragt ist die Primetime beim weiblichen Publikum, was an den vielen Romantic Comedies aus dem "Plötzlich Prinzessin"-Regal liegen dürfte. "Filme mit Ann Hathaway funktionieren bei uns blendend", so Gerhardt. Neben klassischer Disney-Ware bestückt er diese Sendeschiene auch mit Lizenz-Filmen - im November und Dezember etwa mit der "Jagdfieber"-Trilogie aus dem Hause Sony Pictures Animation. "Wir kaufen für die Primetime relativ viel zu", so Gerhardt. Zum Einsatz kommen dabei bislang und auch in Zukunft vor allem US-Produktionen, nur gelegentlich streut er Deutsches wie "Die Wilden Kerle" dazwischen.

Zu den ersten wesentlichen Learnings zählt - neben dem Misserfolg der zwar in der Presse viel beachteten, beim Publikum aber durchgefallenen Shows -, dass Gerhardt die ursprünglich fest für den Mittwoch eingeplante Schiene mit TV-Movies aus US-amerikanischer Produktion - und damit meist direkt aus dem Hause Disney - schon seit einiger Zeit nicht mehr fortsetzt. Stark mit Filmen trumpft er dagegen donnerstags, freitags und samstags auf, wobei sich rund um Highlights wie "Aladdin", "Cinderella", "Die Schöne und das Biest", aber auch "Findet Nemo" verstärkt Themen-Programmierungen bilden sollen. "Ich glaube fest dran, dass wir redaktionell etwas bieten werden", so Gerhardt.

"Arielle" - erstmalig mit Ute Lempers Stimme

Eine Kuriosität dabei ist eine eher ungewöhnliche Free-TV-Premiere im November. Erstmlaig zeigt er den Animationsklassiker "Arielle, die Meerjungfrau", zu dem es eine "feuchte" Sonderprogrammierung geben soll, in einer bislang in der originalen deutschen Synchronisation von Ute Lemper. Diese wird von echten "Arielle"-Fans geliebt, die zweite deutsche Synchronisation, mit der der Film schon öfter zu sehen war, weitaus weniger. 

Gerhardt, der erstmalig ab 2009 mit dem auf ProSieben ausgestrahlten "Disney Day" Quotenerfolge feiert, holt dieses Marathon-Programmierung erstmalig auch auf den "eigenen" Disney-Sender. Am 4. Advent ruft er den "Disney Lieblingsfilmtag" aus - mit Höhepunkten wie "Rapunzel - neu verföhnt", "Toy Story", "Duell der Magier", dem "High School Musical" bis hin zum Sci-Fi-Film "Tron". "Wir wollen die komplette Bandbreite von Disney-Filmen zeigen", lautet Gerhardts Devise.

Radikalumbau für den Serien-Dienstag angekündigt

Radikal eingreifen muss er am Dienstagabend, an der bislang am schlechtesten laufenden Primetime. Dort liefen bislang Serien wie die Drama-Produktion "Chasing Life". Von dieser Programmierung möchte sich Ralf Gerhardt so rasch wie möglich trennen. Greifen wird der Umbau allerdings erst ab Mitte Februar. "Wir werden eine Genre-Erweiterung für Disney vornehmen", sagte er. Auf kress.de-Nachfrage, ob damit erstmalig Dunkleres wie Krimiserien gemeint sein, wich er noch aus. "Disney ist eine der wertvollsten Marken der Welt", sagt Gerhardt. "Mit der geht man sorgfältig um."

Fest steht, dass er sich - in der Daytime - auch in Zukunft auf den Hype um die südamerikanisch inspirierte Telenovela "Violetta" verlassen kann. Der Disney-Programmchef hat noch 120 nicht ausgestrahlte Episoden in der Hinterhand. Außerdem wird es mit "Luna" eine Ablegerserie geben - mit einer jungen Rollschuhfahrerin. Zudem hofft man, dass auch der "Jessie"-Ableger "Camp Kikwaka" im Frühjahr bei den Jüngeren einschlagen wird. 

Neben dem vielen US-Stoffen bekommen - bislang noch zaghaft, aber stetig - auch europäische Produktionen eine Chance: So gehen ab dem Frühjahr 2016 die Zeichentrickhelden aus der französischen Zeichentrickserie "Miraculous" auf Schurken-Jagd. Und von der deutschen Eigenproduktion "Binny und der Geist", die Disney offenbar auch im europäischen, vor allem osteuropäischen Ausland mit Erfolg zeigt, wird die zweite Staffel gerade fertiggestellt. Zum Einsatz soll sie ab April 2016 kommen - mit "verschärfter Hintergrundgeschichte", so Gerhardt. Und mit einem neuen Bösewicht. Bleibt abzuwarten, wie böse Disney in Zukunft sein darf.

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