Kommentar von kress-Chefredakteur Bülend Ürük: Warum Axel Springer gegen unverschämte Entschädigungssummen kämpfen muss

 

Eine irrsinnige Schadenersatzsumme in Höhe von 1,5 Millionen Euro hat Jörg Kachelmann von Axel Springer gefordert. Dem mochte selbst das Landgericht Köln nicht folgen. Dennoch ist der jetzt aufgerufene Betrag von insgesamt 635.000 Euro viel zu hoch. Axel Springer muss für das Recht auf freie Berichterstattung, für den Journalismus ohne Schere im Kopf kämpfen.

Eine irrsinnige Schadenersatzsumme in Höhe von 1,5 Millionen Euro hat Jörg Kachelmann von Axel Springer gefordert. Dem mochte selbst das Landgericht Köln nicht folgen. Dennoch ist der jetzt aufgerufene Betrag von insgesamt 635.000 Euro viel zu hoch. Axel Springer muss in Köln für das Recht auf freie Berichterstattung, für den Journalismus ohne Schere im Kopf kämpfen.

Denn laut Gericht gibt es keine Anhaltspunkte, dass die "Bild"-Reporter "vorsätzlich und mit Schädigungsabsicht gehandelt" haben. Im Gegenteil, die Journalisten haben sich halt nicht "rücksichtslos der Grenze zwischen dem Allgemeinen Persönlichkeitsrecht und der Pressefreiheit angenähert", wie das Gericht urteilt. "Bild" und sein Team müssten aber mit dem Vorwurf leben, "auf einem außerordentlich schwierigen Gebiet der Abwägung der widerstreitenden Grundrechtspositionen die rechtliche Grenzziehung fahrlässig verfehlt zu haben."

Jörg Kachelmann, in glorreichen Zeiten Wettermoderator unter anderem bei der ARD, wurde 2011 in einem aufsehenerregenden Prozess vom Vorwurf der Vergewaltigung freigesprochen. Eine Ex-Geliebte hatte ihn damals angezeigt. Kachelmann sieht sich durch die Prozess-Berichterstattung verleumdet. Mit dem Verlag Burda, und das muss an dieser Stelle notiert werden, hat er sich außergerichtlich geeinigt. Der Münchner Verlag wollte es offensichtlich vermeiden, öffentlichkeitswirksam vor Gericht zu stehen oder gar in den Ruf zu kommen, für die journalistische Arbeit seiner Mitarbeiter zu kämpfen.

Axel Springers Entscheidung, sich mit Kachelmann und seinem Kölner Juristen Ralf Höcker nicht außergerichtlich zu einigen, ist lobenswert, egal wie negativ die Kommentare gerade heute in den Sozialen Medien ausfallen. Die Berichte von "Bild", "Bild am Sonntag" und "Bild.de" waren halt keine "Pressekampagne" gegen Kachelmann, auch wenn der frühere ARD-Moderator das natürlich anders sieht und mit dem von ihm genutzten Hashtag #fiesefriede wohl die Gefühle von Verlegerin Friede Springer treffen möchte.

Nur - die Boulevard-Journalisten von "Bild" sind ihrem Auftrag nachgekommen, ihre Leser hautnah zu informieren. Fehler passieren, und dafür muss ein Verlag auch geradestehen. Wie aber Medienhäuser, die dann halt nicht Axel Springer heißen, solche absurden Beträge stemmen sollen, auch wenn die dann vielleicht in Relation zur Größe gesetzt werden, bleibt vorerst nur ein Geheimnis der Juristen.

Wenn Springer jetzt in Berufung geht, dann geht es für die Freiheit in Berufung, auch weiterhin direkt berichten zu können, ohne Schere im Kopf, dass morgen der eigene Verlag eine horrende Strafe bezahlen muss, weil eventuell ein Komma nicht sitzt oder ein Vorgang fehlerhaft dargestellt wird. Wenn Medienmacher zukünftig nur noch aus Rücksicht und Angst vor Schwierigkeiten ihre Berichterstattung einschränken, bleibt als Verlierer die Pressefreiheit alleine auf dem Platz zurück.

Ihre Kommentare
Kopf

BS

30.09.2015
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Ihr Artikel kann doch nur ein Scherz sein! Zwischen der Meinungsfreiheit, welche Sie hier beschreiben, in Differenz zum ordentlichem journalistischen Handwerk, geht Ihre "Schere im Kopf " wohl zuweit auseinander. Wer die Berichterstattung einschliesslich das maledicere aliquem verfolgt hat, kann nur zu dem Schluss kommen, dass die Summe noch viel zu niedrig ist. Insbesondere wir Journalisten haben die Pflicht, uns der eigenen Verantwortung zur Qualität stellen. Dann muss auch niemand zahlen.


Christian G. Christiansen

30.09.2015
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...mit Ihrer vermeintlich kollegialen Stellungnahme stehen Sie recht allein in der Medienlandschaft. Der Schaden betrifft die "Firma" Kachelmann mit allen Konsequenzen und relativ viel Geld.
Insofern ist die Summe durchaus angemessen, auch wenn Prof. Burda es eleganter und billiger gelöst hat.

Christian G. Christiansen, Berlin


Jörn

30.09.2015
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Haben Sie die Berichterstattung von Bild überhaupt verfolgt? >100mal fahrlässige Verfehlungen trotz einstweiliger Verfügungen etc? Das ist frech und deutlich unverschämter, als am Ende eine solche Schadenersatzsumme zu fordern.


Mike Fritsche

30.09.2015
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Es ist ja wohl das Letzte, das wir nun alle Mitleid haben sollen, das der arme Springer Verlag zu dieser schönen Summer verurteil worden ist.... von wegen Pressefreiheit, vielleicht sollte man sich eher mal fragen, wen dieser Boulevardjournalismus wirklich interssiert und wann Journalismus mal wieder dazu zurück findet, die Geschichten richtig zu analysieren und nicht zu verdrehen um Schlagzeilen zu produzieren, die dann von der Masse verschlungen werden. Ich bin über Kress sehr erstaunt,,,


Franzy

30.09.2015
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Da solltet Ihr vorher drüber nachdenken und nicht hinterher jammern. Ihr versteckt Euch hinter der "Bild" ,die soll das für Euch alle erledigen, Pressefreiheit!


Burkhard Voges

30.09.2015
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Ich empfehle dringend Herrn Ürük Heinrich Bölls 1974 geschriebene Erzählung "Die verlorene Ehre der Katharine Bluhm" zu lesen.
Kachelmann hat durch seinen Prozeß und die Presseberichterstattung von Bunte und Bild einen Teil seiner Existenz verloren und einen Schuldenberg aufgebaut, der durch die Schadenersatzsummen der beiden Verlage nur partiell abgebaut wird.


Jochen Kruse

30.09.2015
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Lieber Herr Ürük,

ob Bild das richtige Beispiel ist, um Gefahren für die Pressefreiheit heraufzubeschwören? Kachelmann hat doch nicht gegen die Berichterstattung an sich gekämpft, sondern gegen die rücksichtslose Kampagne.

Beste Grüße


Günter Verdin

30.09.2015
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Menschenverachtender Journalismus wie der von BILD , wo Scheinheiligkeit und Opportunismus regieren, können nicht hoch genug bestraft werden!


Günter Verdin

Günter Verdin

Günter Verdin
Regisseur,Autor,Schauspieler,Blogger

30.09.2015
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Menschenverachtender Journalismus wie der von BILD, wo täglich Persönlichkeitsrechte verletzt werden, wo Scheinheiligkeit, Selbstgerechtigkeit und Vorverurteilung Prinzip sind, kann nicht hoch genug bestraft werden. Das hat mit dem Schutz der Pressefreiheit nichts zu tun. Da könnten Sie ja gleich auch behaupten, dass die Hass-Kommentare auf Facebook unter dem Deckmantel der Presse-und Meinungsfreiheit geschützt werden müssen.


Schmidt

30.09.2015
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Zu BILD zitiere ich aus einem rechtskräftigen Urteil von 2002, als der Chefredakteur selbst auf Schadenersatz klagte: "In der Bild-Zeitung werden [...] häufig persönlichkeitsrechtsverletzende Beiträge veröffentlicht. Oftmals verletzen die Beiträge sogar die Intimsphäre der Betroffenen. [...] Durch sein Unterlassen bzw. sein aktives Tun befördert er so nicht nur den Umsatz und die Einnahmen des Verlages der Bild-Zeitung, sondern auch seine persönlichen Einkünfte."
BILD müsste viel mehr zahlen!!


Wolf-Dieter

30.09.2015
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- Zitat -
die Boulevard-Journalisten von "Bild" sind ihrem Auftrag nachgekommen, ihre Leser hautnah zu informieren.
- Zitat Ende -

Boulevard geht i.O., hautnah auch. Aber: Journalisten? Auftrag? Informieren? Erde an Bülend, aufwachen, sonst Bodenkontakt!


Stefan Petzoldt

30.09.2015
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Genau! Wer Monatelang gegen Menschen hetzt und ihnen alles mögliche unterstellt, sollte im Urteilsfall MAXIMAL 100€ Strafe zahlen müssen. (aber auch erst in letzter Instanz und 10 Jahre später!)
Wo kommen wir denn hin wenn Persönlichkeitsrechte plötzlich etwas wert wären?? ....und die guten *Journalisten* der Bild sollten SELBSTVERSTÄNDLICH erst schreiben und DANN recherchieren!
An Herr Bülend: Dieser Text ist purer Sarkasmus. Nur ums zu erwähnen.....
genau wie ihr Text. (hoffe ich zumindest)


Hartmut Klenke

30.09.2015
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Rufmord und Verleumdung als "Pressefreiheit" und "journalistisches Handwerk"?
Das gibt's nur bei BILD und nun auch bei kress...... Pfui Deibel!!!


Yapyap

01.10.2015
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So schlimm kann es um die Pressefreiheit wohl nicht stehen, wenn jeder Volltrottel und Möchtegern-BILD-Schreiberling öffentlich und ungestraft einen solchen geistigen DünnXXX äußern darf.


CB

01.10.2015
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Sie scherzen. Ich lache nicht.
Vorverurteilung durch Alice Schwarzers unsägliche Prozessbegleitung ist gerade nur einer von vielen Gründen, warum diese Summe einfach sowas von gerechtfertigt ist. Wer sich dem noch immer geltenden Grundsatz der Unschuldsvermutung so vehement widersetzt (und dass das nicht bewusst war, kann mir echt niemand erzählen), verdient gerade als Journalist einen ordentlichen Klaps auf den Hinterkopf.


Nikolaus Schramm

Nikolaus Schramm

SEK Steuerberatungsgesellschaft
Berater

01.10.2015
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Lieber Herr Ürük,

ist das tatsächlich Ihre Meinung? Kress ist nach meinem Verständnis ein seriöser Nachrichtendienst der Medienbranche, Ihr Kommentar weckte nicht nur bei mir sehr große Verwunderung.

Menschenhetze soll ein Kavaliersdelikt sein? Persönlichkeitsrechte braucht man nicht? Bitte überdenken Sie das. Und sollten Sie auf keinen anderen Denkansatz stoßen, überlassen Sie Ihre Aufgabe moralisch gefestigteren Personen.


Maximilian Schalch

01.10.2015
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Ein Kommentar der das Vorgehen von BILD korrekt beleuchtet hätte, hätte halt keine 13 erbosten und sinnvolle Antworten, diverse Tweets und Shares provoziert.
Es geht hier halt auch um mehr Sichtbarkeit auf allen Kanälen und darum, Traffic auf kress.de zu generieren.


Alexander Schuller

01.10.2015
!

Moin, Herr Ürük,
ein persönliches Bewerbungsschreiben an die BILD-Chefredaktion hätte es doch auch getan. Ich bin zwar weit davon entfernt, ein BILD-Basher zu sein, aber im Fall Kachelmann hat das Blatt die Grenze zwischen Unschuldsvermutung und Vorverurteilung in beispielloser Weise verletzt. Wer jetzt, so wie Sie, im ziemlich milden Kölner Urteil einen Angriff auf die Pressefreiheit sieht, liegt nicht nur inhaltlich, sondern vor allem moralisch und ethisch ziemlich daneben.


Katja Splichal

01.10.2015
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So sieht es also aus, wenn der Kress Chefredakteur nachts ein Bewerbungsschreiben an die BILD runterholzt - und es dann ausversehen unter dem Label "Kampf für die Pressefreiheit" als Artikel in veröffentlicht?

Alles, was die anderen Kommentatoren angemahnt haben plus das hier:
Man muss eine Situation, wie sie Kachelmann und viele BILD-Opfer durchlitten haben, nicht selbst erleben, um die Strafe noch als zu gering zu empfinden.


Drucker

01.10.2015
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Wie M. Schalch richtig erkannte: Das ist ein klassischer "flame bait", und er funktioniert offensichtlich.


Der Erlöser

01.10.2015
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Dank dieses "Kommentars" weiß jetzt jeder, warum der seriöse Journalismus in Deutschland vor die Hunde geht.

Der Verlag, der wie am Fließbank Rugen vom Presserat kassiert, wird zum Kämpfer für Pressefreiheit stilisiert.

Oh Gott oh Gott!


Franz Leo Mai

Franz Leo Mai

wutmensch.de
Autor

01.10.2015
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Furchtbar, der Kommentar ist einfach nur schlimm. Liest sich fast wie vom Springer-Verlag in Auftrag gegeben . . .


Udo Richter

01.10.2015
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Wenn mich der Kommentar von Bülend zunächst erstaunte - bei genauerer Betrachtung gibt es Punkte, denen ich zustimme. Als Journalist steht man immer vor der Herausforderung, zwischen zulässiger Information über ein Strafverfahren und einer faktischen Vorverurteilung abwägen zu müssen. Ich bin durchaus der Meinung, dass eine mediale Hinrichtung bestraft wird. Aber ich folge der Meinung von Bülend Ürük, dass Versuche, der Pressefreiheit einen Maulkorb zu verpassen, ebenso bekämpft werden sollte.


Boris

01.10.2015
!

Abgesehen von den seltsamen Thesen sind ja nicht mal die einfachsten Fakten dieses Beitrages korrekt: Kachelmann hatte Springer auf 2,25 Millionen Euro verklagt, nicht 1,5 wie der Autor denkt.


Schmidt

02.10.2015
!

Heute in einem Blog veröffenticht:

In einem anderen Rechtsstreit haben die Anwälte des Axel-Springer-Verlags klargestellt:
"Das Kerngeschäft der Klägerin ist die Vermarktung von Werbung. Journalistische Inhalte sind das Vehikel, um die Aufmerksamkeit des Publikums für die werblichen Inhalte zu erreichen.“

Und wo vermarktet wird, da fallen Späne (oder Kachelmänner).


Jan H. Kolbaum

03.10.2015
!

Aha, das ist nun also die Meinung vom kressreport zum Stichwort "journalistische Ethik" bzw. wie man journalistisch miteinander umgehen sollte. Ist ja interessant, was sich da seit dem letzten Eigentümerwechsel bei kress getan hat. Mich würde mal interessieren, was Günther Kress dazu sagt.


Frederik

06.10.2015
!

Warum sagt mir mein Bauchgefühl, dass unter uns Journalisten viele immer noch nicht unterscheiden können zwischen einem Kommentar und einem Bericht? Wie können wir in unseren eigenen Blättern immer eine klare Sprache einfordern, aber wenn jemand mal nicht so kommentiert, wie wir es uns wünschen, werfen wir ihm gleich vor, dass er zu Springer will? Leute, cool bleiben!


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