"General-Anzeiger"-Chefredakteur Helge Matthiesen: "Zeitungsbeilagen sind immer Teamarbeit"


 

Mit einem 24-seitigen Themenjournal überrascht die Redaktion vom "Bonner General-Anzeiger" ihre Leser am Tag der Deutschen Einheit. Besonders hervor sticht ein Interview mit Thüringens Landesvater Bodo Ramelow, das "GA"-Redakteurin Jasmin Fischer geführt hat. Im Gespräch mit kress.de erklärt Chefredakteur Helge Matthiesen,

Mit einem 24-seitigen Themenjournal überrascht die Redaktion vom "Bonner General-Anzeiger" ihre Leser am Tag der Deutschen Einheit. Besonders hervor sticht ein Interview mit Thüringens Landesvater Bodo Ramelow, das "GA"-Redakteurin Jasmin Fischer geführt hat. Im Gespräch mit kress.de erklärt Chefredakteur Helge Matthiesen, warum seine Zeitung sich zum Tag der Deutschen Einheit so ins Zeug legt, woher die Idee zu der Beilage kam und mit welchen Themen sich die Redaktion als nächstes besonders intensiv beschäftigen wird.


kress.de: Chapeau, Herr Dr. Matthiesen! Sie bringen zum Tag der Deutschen Einheit ein 24-seitiges Themenjournal heraus, das sich mit "FAZ", "Süddeutsche" und "Welt" messen kann. Was hat Sie dazu bewegt, diese Beilage herauszubringen? Ist es der Anspruch, den eine Zeitung haben muss, die in der ehemaligen Bundeshauptstadt zuhause ist?

Helge Matthiesen: Das Thema ist in Bonn natürlich sehr wichtig, denn die Einheit wurde von hier aus gestaltet. Viele Menschen, die daran mitgewirkt haben, leben in der Stadt und sind unsere Leser. Hans-Dietrich Genscher zum Beispiel gibt uns für heutige Ausgabe ein Interview. Außerdem sind 25 Jahre natürlich immer eine gute Gelegenheit, Bilanz zu ziehen und spannende Geschichten zu erzählen. Den Anspruch, eine gute Zeitung zu machen und anspruchsvoll zu informieren, haben wir hier jeden Tag. Die Idee für diese Beilage entstand nach dem Erfolg einer Beilage zum 70. Jahrestag des Kriegsendes.

kress.de: Sie verfügen über einen Redaktionsstab, der das "Tagesgeschäft" mit Bravour meistert, da "mal eben zusätzlich" eine 24-seitige Beilage auf die Beine zu stellen, zeugt von motivierten Redakteuren. Wie viele Redakteure haben da wie lange dran gewerkelt, von der Themenfindung bis zum fertigen Produkt?

Helge Matthiesen: Beilagen sind immer Teamarbeit, eine genaue Zahl lässt sich daher schwer nennen. Die Leitung und Steuerung lag bei Wolfgang Kaes, der sich stark engagiert hat. Viele weitere Kollegen haben in unterschiedlichen Anteilen geholfen. So ein Projekt lässt sich stemmen, wenn die Motivation stimmt und man früh genug beginnt. Die Planungen stammen aus dem Frühsommer, die ersten Texte entstanden schon kurz danach.


kress.de: Was ist die Botschaft des Themenjournals?

Helge Matthiesen: Wir präsentieren ein Thema in vielen Facetten. Die Leser machen sich dann hoffentlich ihre eigenen Gedanken. Wir wollten nicht so sehr zurückschauen, sondern aktuelle Geschichten erzählen, und wir wollten Menschen vorstellen, die uns ihre Geschichte der Einheit erzählen.


kress.de: Gab es eine Beilagen-Redaktion, woher kamen all die Mitarbeiter, die an diesem Projekt gearbeitet haben? Beschreiben Sie doch kurz die Genese dieses "Extra-Buches" und die Zusammenstellung der Mitarbeiter dieser preisverdächtigen Beilage!

Helge Matthiesen: Eine eigene Redaktion haben wir für solche Projekte nicht. Sie funktionieren, weil Kollegen sich engagieren und die Spielflächen für ihre Ideen nutzen. Als Autoren treten Kollegen der Redaktion, Korrespondenten und freie Kollegen an. Jedes Ressort war in irgendeiner Weise und vor allem thematisch beteiligt. Als Projekt im Projekt machten vier Stipendiaten der Konrad-Adenauer-Stiftung mit. Die jungen Kolleginnen haben uns kleine Porträts von Protagonisten der Wende geschrieben, die ungeplant zu Bonner Politikern wurden: Sehr spannend.


kress.de: Nun, 24 Seiten zu planen, ist ein strammes Pensum. Haben Sie von Anfang an diese Dimension vor Augen gehabt oder ergab sich das aus der Situation? Mussten Sie für diesen Umfang "kämpfen"?

Helge Matthiesen: 24 Seiten ergaben sich aus dem Themenangebot der Redaktion und lagen relativ rasch fest. Wir werden bei solchen Projekten von unserem Verleger und von der Geschäftsführung unterstützt. Eine gute Zeitung, zu der solche Beilagen nun einmal gehören, ist hier allen wichtig.

kress.de: Bei all den Themen und Personalien sticht das Interview mit Bodo Ramelow hervor. War er zu Gast in Bonn oder haben sich da GA-Redakteurin und Fotograf nach Thüringen begeben? Sind alle anderen Geschichten "am Reißbrett" oder teils auch vor Ort entstanden?

Helge Matthiesen: Wie immer bei solchen Projekten war das ganz unterschiedlich und eine Mischung. Das Reißbrett ist am Anfang ja ganz nützlich, das Ergebnis am Ende ist aber meist anders. So war es auch bei dieser Beilage. Recherche machen wir gerne aus der Nähe. Dr. Jasmin Fischer ist nach Thüringen gefahren und die Agentur hat uns das Bild geliefert.


kress.de: Wie war das Echo der ostdeutschen Interviewpartner? Die konnten sich vor Anfragen aus dem Westen sicher kaum retten...

Helge Matthiesen: Wir hatten keine Schwierigkeiten, Ansprechpartner für unsere Fragen zu gewinnen.


kress.de: Was sich aufdrängt, ist die Frage: Bei einem solchen Potential an hochkarätigen Autoren in Bonn, die für dieses Produkt stehen - da könnten Sie doch ein Profit-Center draus machen, oder?

Helge Matthiesen: Ich stehe für Anfragen gerne zur Verfügung.


kress.de: Und welches Projekt wartet als nächstes auf die Redaktion?

Helge Matthiesen: Als nächstes geht der Relaunch unserer Homepage an den Start. Und für die Zeitung haben wir auch noch die eine oder andere Idee. Lassen Sie sich überraschen.

Das Interview führte Gunther Fessen.

Ihre Kommentare
Kopf

AVC

06.10.2015
!

Journalistisch sehr wertvoller Beitrag; meinen nächsten Auftritt lass ich auch von einer PR-Agentur schreiben und verkauf ihn als Interview zur Sache... *lol*


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