Frank Ziemann kämpft gegen Falschmeldungen: Damit sich Lügen nicht weiter im Netz verbreiten

08.10.2015
 

Seit mehr als 16 Jahren schon sammelt Frank Ziemann auf seiner Webseite Hoax-info.de Falschmeldungen - und hilft dabei vor allem Privatpersonen, falsche Meldungen auch als solche zu erkennen. Und das kostenlos.

Seit mehr als 16 Jahren schon sammelt Frank Ziemann auf seiner Webseite Hoax-info.de Falschmeldungen - und hilft dabei vor allem Privatpersonen, falsche Meldungen auch als solche zu erkennen. Und das kostenlos.

Regelmäßig landen in Tausenden E-Mail-Postfächern Nachrichten von scheinbar hilflosen Menschen, die dringend um Geld bitten, weil sie sich in Notsituationen befinden. Sogenannten Kettenbriefe sind meist fingiert, und kaum einer fällt noch darauf rein. Manchmal lassen sich Falschmeldungen aber nicht als solche erkennen, wenn etwa ein Knochenmarkspender gesucht wird. Solche Nachrichten appellieren an die Vernunft der Menschen, doch helfen zu wollen, und sie sind anders als Spam-Mails, die man schnell als Betrug entlarven kann, oft nicht so leicht zu durchschauen. Oft sind das wirklich Hilferufe von Menschen oder Verwandten, die einen Erkrankten kennen, manchmal sind es aber auch Falschmeldungen.

Frank Ziemann ist IT-Sicherheitsberater und ein sogenannter "Hoax"-Jäger, wie Falschmeldungen im Fachjargon genannt werden. Seit mehr als 16 Jahren veröffentlich er sie aufs seiner Webseite, um andere Menschen davor zu warnen: "Manchmal bekomme ich bis zu 100 Hinweise in der Woche. Da sind dann schon mal 20 Stunden weg." Oft gehe es dabei um angebliche Kindesentführungen, Hundefänger oder ähnliche Sachverhalte, die nicht selten auch regional begrenzt sind.

Zahl ausländerfeindlicher Kettenbrief wächst stark an

Es geht weniger um Meldungen, die von den Medien "falsch" verbreitet werden, sondern um Kettenbriefe, die durch das Internet immer größere Kreise ziehen. "Über die Jahre tauchen solche Meldungen dann mit anderen Ortsangaben immer wieder mal auf." Was sich im Laufe der Zeit aber verändert hat, ist die Zahl der rassistischen und ausländerfeindlichen Kettenbrief, die zugenommen haben.

Verändert haben sich im Laufe der Zeit auch die Verbreitungswege der Hoaxes: Gerade werden sie vor allem über Facebook geteilt – auch uralte Falschmeldungen finden dort wieder Anklang, die "schon vor zehn Jahren durch waren und nun wieder aufgewärmt werden", sagt Ziemann, der auch an der TU Berlin arbeitet. Sie finden da aber auch wieder neue 'Opfer', weil die 'Generation Facebook' vielfach entweder zu jung oder zu unerfahren im Internet ist", um diese als Falschmeldungen zu erkennen.

Und manchmal machen die Zusendungen oder Postings auch Angst, wenn es darin etwa heißt: "Wenn du das nicht weiterleistet, dann wirst du sterben oder jemandem aus deiner Familie stößt etwas Schlimmes zu." Gerade junge Menschen glauben daran – und leiten die Falschmeldungen weiter, die sich zu weiter und weiter verbreitet – oft auch über What’s App. Einen Hoax zu stoppen, ist oft nur schwer möglich.

Was aber hilft, ist Aufklärung und die versucht Ziemann zu leisten. Geld möchte er für seine Arbeit nicht. "Oft kenne ich die Meldungen schon und kann sie schnell als Falschmeldung entlarven."

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