Eigentor in Rheinland-Pfalz: Wie der SWR einmal ganz geheim einen Rechercheverbund mit einer Zeitung bilden wollte

 

Nachdem der Rechercheverbunds NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" seit dem Start immer wieder heftig kritisiert wird, wagt sich mit dem SWR ein weiterer Landessender an eine umstrittene Kooperation mit einer Regionalzeitung. Einzig mit der "Allgemeinen Zeitung" Mainz hat der SWR einen Rechercheverbund vereinbart.

Nachdem der Rechercheverbunds NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung" seit dem Start immer wieder heftig kritisiert wird, wagt sich mit dem SWR ein weiterer Landessender an eine umstrittene Kooperation mit einer Regionalzeitung. Einzig mit der "Allgemeinen Zeitung" Mainz hat der SWR einen Rechercheverbund vereinbart. Die "Rhein-Zeitung" hat über die umstrittene Vereinbarung heute zuerst berichtet, sogar Originaldokumente veröffentlicht.

"In Kreisen der rheinland-pfälzischen Landespolitik wird die vereinbarte Zusammenarbeit teils kritisch gesehen - und dem Vernehmen nach sind auch Journalisten des SWR Mainz alles andere als glücklich mit der offenbar von höherer SWR-Ebene gewünschten Partnerschaft des Senders mit nur einem von vier großen regionalen Medienhäusern in Rheinland-Pfalz", schreibt die "Rhein-Zeitung" in ihrem Bericht "Rechercheverbund von SWR und AZ: Meinungskartell oder Rohrkrepierer?". Laut dem Bericht ist die Kooperation zwischen dem privaten Medienhaus und dem öffentlich-rechtlichen Sender auf zwei Säulen aufgebaut: "Säule 1: SWR und AZ wollen gemeinsam geeignete Themen identifizieren und setzen, diese dann gemeinsam recherchieren und die Erkenntnisse abgestimmt veröffentlichen. Säule 2: SWR und AZ wollen jeweils selbst erlangte exklusive Informationen an das andere Medienhaus weitergeben und nach einer Entscheidung für eine gemeinsame Veröffentlichung mit einer abgestimmten "gemeinsamen Nachrichtenlinie" verbreiten.

"Die "Rhein-Zeitung" bezeichnet in ihrem Artikel das Konstrukt "mehr als Geburtsfehler denn als Erfolgsgarant". Bislang habe der Verbund noch keinen Coup gehabt. Laut der Koblenzer Zeitung würden sich einige SWR-Redakteure deutlich gegen die "von oben" aufgenötigte Kooperation mit der "Allgemeinen Zeitung" wehren, auch in Kreisen der rheinland-pfälzischen Landespolitik wird die vereinbarte Zusammenarbeit teils kritisch gesehen. "Geburtshelfer" der Vereinbarung sind nach Informationen von kress.de SWR-Fernseh-Chefredakteur Fritz Frey (Foto) und Friedrich Roeingh, Chefredakteur der "Allgemeinen Zeitung" in Mainz. Die "Rhein-Zeitung" berichtet dagegen, SWR-Intendant Peter Boudgoust sei die treibende Kraft gewesen. 

Der SWR war für eine Stellungnahme am frühen Abend zunächst nicht zu erreichen. Die "Allgemeine Zeitung" hat eine Anfrage von kress.de vom 14. September bis heute nicht beantwortet.

Hintergrund

In Rheinland-Pfalz erscheinen vier große unabhängige Zeitungen - die Tageszeitung mit der höchsten Auflage ist die in Ludwigshafen erscheinende "Rheinpfalz" (Verkaufte Auflage laut IVW 2/2015: 228.545 Exemplare, Chefredakteur: Michael Garthe, Geschäftsführer: Holger Martens), "Rhein-Zeitung" in Koblenz (Verkaufte Auflage laut IVW 2/2015: 186.884 Exemplare, Chefredakteur: Christian Lindner, Verleger und Geschäftsführer: Walterpeter Twer), "Trierischer Volksfreund" (Verkaufte Auflage laut IVW 2/2015: 84.015 Exemplare, Chefredakteurin: Isabell Funk, Geschäftsführer: Thomas Marx) und "Allgemeine Zeitung" in Mainz (Verkaufte Auflage laut IVW 2/2015: 52.973 Exemplare, Chefredakteur: Friedrich Roeingh, Geschäftsführer: Hans Georg Schnücker, Dr. Jörn W. Röper). An der Spitze des SWR stehen Intendant Peter Boudgoust, die Landessenderdirektorin Baden-Württemberg Stefanie Schneider, die Landessenderdirektorin Rheinland-Pfalz Dr. Simone Schelberg, Fernsehdirektor Dr. Christoph Hauser, Hörfunkdirektor Gerold Hug, Justitiar Dr. Hermann Eicher, Verwaltungsdirektor Jan Büttner und Direktor Technik und Produktion Bertram Bittel.  Chefredakteur Fernsehen ist Fritz Frey. 

Ihre Kommentare
Kopf

Max G.

06.10.2015
!

Da versucht der SWR tatsächlich einen Rechercheverbund mit "einer" Zeitung aus dem riesigen SWR-Reich einzugehen? Ich fasse es nicht! Was sagen denn die ganzen Zeitungen dazu? Mich würde ja interessieren, ob Herr Tweer von der "Rhein-Zeitung" das für eine saubere Sache hält. Gibt es da schon Stellungnahmen, auch von den anderen Zeitungen?


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