Verlegerin Friede Springer: "Ich hätte gerne vier Söhne gehabt"

 

In einem ihrer seltenen Hörfunk-Interviews hat Friede Springer, Mehrheitsgesellschafterin von Axel Springer, intime Einblicke in ihr Leben gegeben. Im Gespräch mit dem Deutschlandradio gestand sie: "Ich hätte gerne vier Söhne gehabt, das war immer mein Traum.

In einem ihrer seltenen Hörfunk-Interviews hat Friede Springer, Mehrheitsgesellschafterin von Axel Springer SE, intime Einblicke in ihr Leben gegeben. Im Gespräch mit dem Deutschlandradio gestand sie: "Ich hätte gerne vier Söhne gehabt, das war immer mein Traum. Aber Axel Springer sagte dann auch, weißt du, dann musst du Herrn Meier, Herrn Müller oder Herrn Schmitt heiraten, dann kannst du auch Kinder haben."

Sie habe es dann verstanden, auch akzeptiert. "Denn er war ... Er nannte mich dann nachher, als es ihm nicht mehr so gut ging, Oberschwester, du bist alles für mich, du bist meine Sekretärin, meine Mutter, meine Pflegerin, meine Freundin und meine Geliebte, und meine Frau! Ich hatte mehrere Aufgaben. Und so war ich einfach auch ausgefüllt."

"Zeitzeugen im Gespräch"

Friede Springer, Jahrgang 1942, wurde auf Föhr geboren. Von 1978 bis 1985 war sie mit Axel Cäsar Springer verheiratet. Sie ist Stellvertretende Vorsitzende des Aufsichtsrats der Axel Springer SE, Geschäftsführerin der Axel Springer Gesellschaft für Publizistik, Vorstandsvorsitzende der Friede Springer Stiftung sowie der Axel Springer Stiftung und Alleinvorstand der Friede Springer Herz Stiftung.

In der Reihe "Zeitzeugen im Gespräch" stand sie zum 30. Todestag ihres Gatten 45 Minuten Rede und Antwort. Ein Blick, auch mit dem Abstand von einigen Tagen, lohnt sich. kress.de dokumentiert ihre wichtigsten Aussagen im Original.

Friede Springer über die Zeit der Studentenunruhen: "Ja, das ging einfach rasant, wie bekannt er plötzlich wurde. Also ich weiß, das erste Jahr, wir konnten überall spazieren gehen, kein Mensch hat uns erkannt, hat Axel Springer erkannt. Aber dann plötzlich auf jeder Brücke, auf jeder Scheune, wo man auch war oder fuhr, stand da: "Enteignet Springer!" Und ich weiß, einmal flohen wir für ein Wochenende nach Norwegen, nach Bergen, und gingen abends, bevor wir ins Hotel gingen, noch einmal durch die Stadt. Und da war so eine Demonstration und die gaben uns so Zettel in die Hand. Und ich habe das dann im Hotel angeguckt, da stand: "Blad kongen Axel Springer met ut!" - "Schmeißt den Zeitungskönig Axel Springer raus!" Also, sogar in Norwegen war irgendwie bekannt, dass wir da ein Wochenende waren, und war eine Demo gegen uns. Aber die sind an uns vorbeigelaufen, die haben uns gar nicht erkannt. Aber das fing dann an. Wir mussten mit Sicherheitsbeamten reisen, mit gesicherten Autos fahren und das war eine furchtbare Zeit. Wir mussten eigentlich immer irgendwo immer Bescheid sagen, wenn wir irgendwo hingehen, und ich wurde auch begleitet von einem Beamten, das war eine furchtbare Zeit."

Friede Springer über ihre Aufgabe im Verlag: "Ich bin da einfach reingewachsen. Ich habe einfach diese Challenge, diese Herausforderung angenommen. Ich musste alles mühsam lernen, aber ich fühlte mich irgendwie verpflichtet, diesen Verlag zu erhalten, weiterzuentwickeln, weiterzumachen. Und ich hänge am Haus, das ist mein Leben. Ich habe mein Leben total für den Verlag eigentlich gegeben. Nach dem Tod meines Mannes habe ich einfach nur versucht zu lernen, wie ist das Pressegeschäft in der heutigen Zeit. Das war mühsam, aber ich glaube, es hat sich gelohnt."

"Axel Springer hat mit Weissagungen Recht behalten"

Friede Springer über den Visionär Axel Springer: "Eigentlich hatte er immer Recht. Er hat für dieses vereinigte Deutschland gekämpft und alle sagten immer, ach, Axel, du bist ein Träumer, das wird noch 100 Jahre oder noch viel länger dauern, dass wir das vereinte Deutschland wieder haben! Sagt er: Nein, viel eher! Da hat er Recht behalten, vier Jahre nach seinem Tod kam der Fall der Mauer! Wie gerne hätte ich ihm das noch zugeflüstert! Und der Einzige, der früher ihn so abgelehnt hat, Peter Glotz, SPD-Politiker, der ist im Bundestag aufgestanden und hat gesagt: Einem Menschen muss ich Abbitte tun, Axel Springer hat Recht behalten! Das fand ich echt schön! Ich bin dann zu Peter Glotz gegangen, habe ihm warm die Hand geschüttelt, ich sage: Wunderbar, danke, dass Sie das gesagt haben, öffentlich! Das war schon eine sehr schöne Sache. Letzten Endes hat Axel Springer mit all den Weissagungen, will ich mal so sagen, Recht behalten."

Friede Springer über die glücklichsten Zeiten ihrer Ehe: "Das klingt vielleicht sehr komisch, aber es waren eigentlich die beiden letzten Jahre. Da ging es ihm nicht sehr gut. Das fand ich traurig. Aber wir hatten so viel Zeit füreinander. Wir haben manchmal nächtelang zusammen gesprochen, er hat mir sein Leben erzählt und alles, was er auch vielleicht falsch gemacht hatte. Da hat er mir den Auftrag gegeben, manches gutzumachen, manches wieder auszugleichen. Ich habe Menschen besucht, denen er vielleicht etwas angetan hatte. Die hatten das längst vergessen, aber ihm, ihm war das noch ... Bei ihm war das noch drin im Kopf und das belastete ihn. Also, er ist so - wie soll ich das sagen - so ruhig gestorben, so mit sich und der Welt im Einen, das ist unglaublich. Hat sich sehr mit dem Tod beschäftigt, hat viel darüber gelesen, hat mit vielen Pastoren und Psychiatern, allen möglichen Leuten gesprochen, so privat. Er wollte immer mehr wissen, was kommt dann, was passiert dann. Er wurde ja sehr gläubig in den letzten Jahren, hat viele religiöse Bücher gelesen und hat sich mit allem sehr auseinandergesetzt. Das habe ich sehr bewundert. Und es war für mich eine glückliche Zeit, weil wir so nah waren. Und das ist schon ungewöhnlich. Das kann man nie wiederholen. Das ist so in mir drin, davon profitiere ich eigentlich immer noch, von diesen Gesprächen, die wir die ganzen Nächte zwei, drei Jahre geführt haben. Das war herrlich."

"Leo Kirch war ein teilweise charmanter Mann"

Friede Springer über Leo Kirch: "Er war fast blind, hatte schwere Diabetes und war aber ein ungewöhnlicher, auch teilweise charmanter Mann. Und war lange im Aufsichtsrat mit uns. Und das waren teilweise schwere Zeiten, aber er sagte oft, auch im Aufsichtsrat, wenn wir etwas beschließen mussten: Frau Springer, Sie haben die Mehrheit, ich stimme dann doch mit Ihnen, auch wenn ich nicht einer Meinung bin mit Ihnen! Also, letzten Endes bin ich irgendwie mit ihm klargekommen, weil er dann auch nicht gegen mich sein wollte. Er hat natürlich auch mir oft Milliarden angeboten, um ein paar Anteile von mir zu kaufen. Ich sage, Herr Kirch, was soll ich mit den ganzen Milliarden? Ich hänge hier am Haus, das ist mir wichtig, ich brauche das Geld nicht! - Ja, Sie sind aber hartnäckig, sagt er dann immer. Aber letzten Endes ist alles gut ausgegangen, ich habe jetzt die Mehrheit schon seit vielen Jahren am Verlag, nicht."

Frauen in Führungspositionen

Friede Springer über Frauen in Führungspositionen: "Alle Achtung! Ich bewundere die. Die werden so taff und so toll, mit guter Ausbildung. Wir haben im Verlag in der zweiten Reihe super Frauen, ganz toll, da bin ich immer total begeistert. Also, ich freue mich, dass es so diese neue Entwicklung ist. Aber ich bin schon anders aufgewachsen, ich habe das nicht so richtig selber machen müssen, ich war nie so ... Für Frauen habe ich mich nie so einsetzen müssen. Und jetzt ist das schon anders, es ist eine andere Zeit."

Friede Springer über ihren Einfluss in die Redaktionen, wenn ihr ein Bericht nicht gefällt: "Nein, nein, darüber rede ich schon mit dem Chefredakteur, aber dann ist es passiert. Ich würde das nicht beeinflussen wollen. Das tu ich nicht. Dann spricht man drüber! Der Aufsichtsrat hat ja die Aufgabe, den Chefredakteur zu wählen, auszusuchen nach dem Vorschlag des Vorstands. Und er stellt sein Team dann zusammen. Da würde ich nicht sagen, also diesen Auslandskorrespondenten, den würde ich nicht nehmen, den mag ich nicht, so was gibt es nicht bei uns!"

"Mathias Döpfner ist ein Könner"

Friede Springer über Mathias Döpfner: "Ich bin so froh, dass wir Mathias Döpfner an der Spitze haben, dass er CEO ist. Seitdem er da ist, ist Ruhe im Verlag, das Haus wächst, Mathias Döpfner ist wirklich ein Könner, auch in dieser neuen Medienwelt wird er anerkannt - in aller Welt. Und man sieht den Erfolg. Und das möchte ich, dass es so bleibt. Darum habe ich ihm ein paar Prozent geschenkt. Ich finde, es ist richtig, ich kriegte viel Zuspruch von anderen Leuten dafür, dass ich dieses gemacht habe. Das ist neu, aber ich glaube, es war richtig. Ich möchte, dass er es weiterführt, so erfolgreich wie heute. Besser geht es nicht!"

Verkauf vom "Hamburger Abendblatt"

Friede Springer über den Verkauf vom "Hamburger Abendblatt": "Ehrlich gesagt, es fiel mir schon schwer. Denn diese Zeitungen, besonders das "Hamburger Abendblatt" war die erste Zeitung, die Axel Springer gegründet hat nach dem Zweiten Weltkrieg. Es war was ganz Neues. Damals gab es schon sechs Zeitungen in Hamburg und in kürzester Zeit war das "Hamburger Abendblatt" die Nummer eins in Hamburg. Es war ein neuer Stil, es waren Bilder auf der ersten Seite, es waren nicht die Todesanzeigen auf der letzten aus aller Welt, sondern es war eine bunte Seite, die letzte. Ganz und gar eine Springer-Zeitung. Die hat er selbst entworfen, immer eine gute Nachricht auf der ersten Seite, das war ihm wichtig. Also, ein ganz neues Konzept, nicht so ernst und immer ein Bild. Und auf der letzten Seite eben aus aller Welt lustige, bunte Nachrichten, dass die Leute auch erst mal die erste Seite lasen, dann die ganze Seite umdrehten und da noch mal etwas zur Entspannung lasen. Das gab es früher nicht! Und jetzt ist es verkauft, es ist keine Springer-Zeitung mehr. Das fiel mir dann doch schwer. Aber ich bin so lange im Aufsichtsrat, ich sah die Auflagen der Zeitungen zurückgehen, ich sah den Gewinn der Zeitung zurückgehen und ich musste mich dazu durchringen. Aber ich habe dann doch, als die Entscheidung dann fiel, wir verkaufen das, habe ich doch eine Träne vergossen."

Liebe zum Radio

Friede Springer über ihre Begeisterung zum Radio: "Weil es so schnell ist. Und ich muss Nachrichten hören! Ich höre mindestens fünfzehnmal am Tag Nachrichten. Ich habe immer Angst, ich verpasse etwas. Wir leben in so einer interessanten Zeit, es passiert so viel! Ich muss das mitkriegen, mich interessiert es! Ich mag auch gern mit Politikern, mit Wissenschaftlern sprechen, mit Pastoren. Jeder hat so sein Bild. Und das finde ich ... Menschen sind so interessant. Und die Nachrichten aus aller Welt. Also, ich reise gerne. Und darum ... Ich muss alles mitkriegen. Ich habe immer Angst, ich verpasse etwas! Komisch!"

Friede Springer zur Frage, ob sie bei Sozialen Medien mitmacht: "Nein, mache ich nicht. Ich kriege so viel mit, das brauche ich nicht. Ich möchte mich nicht immer mitteilen, wo ich bin, was ich mache oder was ich gerade esse oder mit wem ich zusammen bin, das geht niemand was an. Das, finde ich, das muss ich nicht mitteilen, das finde ich etwas albern."

Zum Nachhören: Deutschlandfunk, Zeitzeugen im Gespräch, Friede Springer im Gespräch mit Stephan Detjen, "Ich würde nie einen Artikel in unseren Zeitungen kritisieren"

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