Erste Bilanz der Neugründung "Camerawoman": "Eine Marktlücke in der Nische"

 

Vor sechs Monaten startete das Frauen-Fotomagazin "Camerawoman" als Crowdfunding-Projekt. In diesem Monat ist bereits die zweite Ausgabe erschienen.

Vor sechs Monaten startete das Frauen-Fotomagazin "Camerawoman" als Crowdfunding-Projekt. In diesem Monat ist bereits die zweite Ausgabe erschienen. kress.de hat mit Redaktionsleiter Jürgen Lossau über männliche Kritikern, teure Marketinginstrumente und Zukunftspläne gesprochen.

"Als wir mit unserem Projekt im März mit einer Crowdfunding-Kampagne auf Startnext gestartet sind, haben uns viele für verrückt erklärt", erinnert sich Jürgen Lossau, Redaktionsleiter von "Camerawoman". "Vor allem die Männer waren sehr kritisch und meinten, dass ein solches Magazin überflüssig sei."

Die Skeptiker haben Jürgen Lossau und sein Team, das aus Melanie Dreysse, Fotografin und Mitbegründerin der Fotojournalisten-Vereinigung Freelens, der Grafikdesignerin Veronika Neubauer sowie dem Redakteur Florian Sturm und 15 freien Autorinnen besteht, mittlerweile eines Besseren belehrt. 143 zukünftige Leserinnen und Leser hatten in nur sechs Wochen zusammen mehr als 5000 Euro in die Idee investiert.

43.000 verkaufte Exemplare: "Marktlücke in der Nische"

Gerade ist die zweite Ausgabe der Zeitschrift mit 65.000 Exemplaren erschienen. Schon die Debütausgabe verkaufte sich 43.000 mal. Mit diesem Erfolg, sagt Lossau, habe er selbst nicht gerechnet. "Camerawoman ist wohl eine Marktlücke in der Nische."

In der aktuellen Ausgabe findet man unter anderem ein fünfseitiges Interview mit Starfotografin Gabo, einen Artikel über die preisgekrönte Tierfotografin Anette Mossbacher und ein Portrait der brasilianische Fotojournalistin Alice Martins, die aus den Krisenregionen der Welt berichtet.

Doch nicht nur Portraits interessanter Frauen sind Teil des Konzepts, auch Praktisches kommt nicht zu kurz: Eine Anleitung für gelungene Familienfotos ist ebenso Teil der Ausgabe wie eine Zusammenstellung der besten Kamerataschen und ein Artikel darüber, wie man Verschlusszeiten und Blende richtig einsetzt. Einige der Inhalte sind direkte Rückmeldungen auf die Wünsche der Leserinnen, die diese im Rahmen der Crowdfunding-Kampagne geäußert hatten.

Frauen wünschen sich keine technischen Inhalte

Um reine Technik geht es dagegen in dem Magazin nur sehr wenig – und das ist genau so gewollt. Lossau, der vor "Camerawoman" bereits das Fotomagazin "Camera" gegründet hat, hatte von seinen weiblichen Lesern die Rückmeldung bekommen, dass diese sich mehr für das Thema Gestaltung interessieren. "Wir haben uns überlegt, wie es kommt, dass zwar genauso viele Frauen wie Männer fotografieren, aber die Käufer unseres Magazins zu Dreivierteln Männer sind." Eine Befragung ergab, dass weibliche Fotofans sich schlicht andere Inhalte wünschen. "Mit typischen Männerthemen wie Akt- oder Autofotografie kann man Frauen nicht locken. Das finden sie einfach nicht spannend."

Natürlich sind alle willkommen, das Magazin zu lesen. Schließlich heißt der Leitspruch des Magazins "Für Frauen, für Männer, für alle". "Männer machen jetzt schon ein Viertel unserer Abonnenten aus", sagt Jürgen Lossau, der vor der Gründung seines ersten Magazins "Camera" für den Verlag Schiele&Schön die Filmzeitschrift "Zoom" aus der Taufe gehoben hat.

"'Camerawoman' ist Print pur"

Rund 24 Fotomagazine gibt es deutschlandweit. Um "Camerawoman" bekannt zu machen, hat die Redaktion darum viel investiert. Das Hauptmarketinginstrument ist die Platzierung des Magazins bei den Frauenzeitschriften und nicht in den Regalreihen der Fotomagazine, denn „"rauen meiden diese Regalbereiche leider häufig", sagt Lossau.

Für die ersten drei Ausgaben hat man sich zudem den Luxus geleistet, "Camerawoman" an den Eingängen der Läden neben großen Namen wie "Spiegel", "Stern" und "Focus" positionieren zu lassen. "Das ist kostenintensiv, aber es lohnt sich", so Redaktionsleiter Lossau.

Verzichtet hat die Redaktion dagegen auf einen ausführlichen Online-Auftritt für die Neuerscheinung. Eine Homepage gibt es zwar, doch die dient vor allem dazu, neugierig auf das Magazin zu machen, indem aktuelle Themen vorgestellt werden. "'Camerwoman' ist Print pur", sagt Lossau, "es gibt  kein E-Paper, kein PDF, keine Online-Version."

Über 4000 Abonnenten

"Camerawoman" erscheint viermal jährlich und kostet fünf Euro pro Ausgabe. Über 4.000 Abonnentinnen sind seit Beginn des Crowdfundings im März zusammengekommen. Ob Camerawoman in Zukunft öfter erscheinen wird, soll auch von der weiteren Resonanz abhängen.

Fest steht allerdings schon, dass es neben dem Magazin auch einige andere Angebote für Fotofans geben soll. "Es wird in die Richtung Workshops für Frauen gehen, aber mehr wird noch nicht verraten", sagt Jürgen Lossau. 

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