"Schwäbische"-Wirtschaftschef Steffen Range: "Ausgelutscht und unauthentisch"

 

Steffen Range, Wirtschaftsressortleiter und Leiter Digitales bei der "Schwäbischen Zeitung", hat ein Interview über Interviews gegeben. Allzu viel Positives ist ihm dabei zwar nicht eingefallen. Dafür aber diverse Fehlerquellen, ein "Scheiße! Neu!" auf einem Interviewausdruck und Empfehlungen für den Umgang mit Interviewern, die noch dazulernen sollten.

Steffen Range, Wirtschaftsressortleiter und Leiter Digitales bei der "Schwäbischen Zeitung", hat ein Interview über Interviews gegeben. Allzu viel Positives ist ihm dabei zwar nicht eingefallen. Dafür aber diverse Fehlerquellen, ein "Scheiße! Neu!" auf einem Interviewausdruck und Empfehlungen für den Umgang mit Interviewern, die noch dazulernen sollten. Am Ende wird Range aber doch noch milde - und empfiehlt Interviews diverser Kollegen.

Der 43-Jährige wird von Mario Müller-Dofel befragt, der für das Bildungswerk der Zeitungen (ABZV) die Internetseite "Gesprächsführung" verantwortet. Müller-Dofel stellt ihn als Klartexter vor. Und ja, Range stellt klar, was er denkt - und dürfte hier und da polarisieren.

Er sagt etwa Sätze wie "Ich halte ein gewisses Maß an Botschaften von Interviewten für akzeptabel." Oder "Die Autorisierung ist ganz vernünftig." Gerade seinen Kolleginnen und Kollegen aus den Wirtschaftsressorts dieser Republik dürfte dabei kurz übel werden. Aber keine Sorge, seine Begründungen sind auch ganz vernünftig.

Auch lässt er sich über "Plastikwörter", "Werbefloskeln" und andere "Schönfärbereien" aus - und erinnert Interviewer daran, ihren Job zu machen. Nämlich voraussetzungsfrei nachzufragen. "Voraussetzungsfreiheit" ist wohl auch so ein Wort, das nicht jeder Journalist kennt. "Und wenn die oft überlasteten Journalisten im schlimmsten Fall auch noch schlecht vorbereitet sind, setzen sich die Schönfärber durch", so Range.

Wohlmeinende (Selbst-)Kritik

Auf die Frage, wie er mangelhafte Interviewtexte redigiert, erklärt er: "Es wäre ziemlich respektlos, den Text nach dem Motto 'Friss oder stirb' umzuschreiben." Davon, verbesserungswürdige Texte mit einem krachenden "Scheiße! Neu!" auf dem Ausdruck zurückzugeben, wie es ein Leitender gemacht hat, den der Vollblut-Journalist "mal kannte", hält er rein gar nichts. Stattdessen erklärt er, wie konstruktive Kritik funktioniert. Redakteure, die unter destruktiven Chefs leiden, bewerben sich nun vielleicht bald bei Range.

Über die Ursachen schwacher Interviewtexte wird Range als nächstes befragt. Und diese Antwort gibt's hier nun ungekürzt, weil sie die Wurzel allen Übels anpackt: "Eine ständige Ursache liegt meiner Ansicht nach darin, dass das Interview schon bei der Volontärsausbildung in den Redaktionen nur unzureichend behandelt wird. Wir müssen die jungen Journalisten mehr anleiten. Es gibt ja einige, die noch auf dem Weg zum ersten Interview glauben, dass sie das Gesagte genauso aufschreiben müssen. Und das zu allem Überfluss auch noch in der Reihenfolge, wie es gesagt wurde! Ein Interview ist kein Gesprächsprotokoll."

Nach der umstrittenen Autorisierungspraxis befragt, fühlt man den erfahrenen Blattmacher mit den Schultern zucken: "Ich verstehe die Aufregung um das Thema nicht. Die Autorisierungspraxis ist ganz vernünftig." Denn würde sie wegfallen, würden Journalisten dafür einen "Preis" zahlen müssen, den Range sich lieber sparen will.

Immer diese Marathonläufer

Ein Lieblingsinterviewformat hat Range nicht mehr. Im Gegenteil: Vor allem porträthafte Wirtschaftsinterviews törnen ihn ab, weil er nicht immer lesen will, dass Manager "technikversessen" und "zahlenverliebt" seien, "gerne Marathon laufen" und sich "in der knapp bemessenen Freizeit am liebsten um die Familie kümmern". Solche Hymnen findet er "ausgelutscht und unauthentisch".

Am Ende lässt er sich sogar noch zu ein paar Empfehlungen hinreißen. Dass er die Interviews von Tobias Kniebe ("Süddeutsche Zeitung"), Boris Kálnoky und Daniel-Dylan Böhmer (beide "Welt"), Christoph Plate ("Schwäbische Zeitung"), Stefan van Bergen ("Berner Zeitung"), Marcus Gatzke, Mark Schieritz und Jana Simon (alle "Zeit") sowie Harry Lambert ("NewStatesman") relativ schnell griffbereit hatte, scheint ein echtes Kompliment für die Genannten zu sein.

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