Frühestens zum 31. Dezember 2021 möglich: Thüringen will aus MDR aussteigen und zum HR wechseln

 

Eigentlich wird der Mitteldeutsche Rundfunk von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen getragen. Die von Intendantin Karola Wille vorangetriebene Reform "MDR 2017" führt aber zu einer Zerreißprobe, die dazu führen könnte, dass es den Sender in der heutigen Form nicht mehr gibt. Das Land Thüringen überlegt ernsthaft, aus dem MDR auszutreten.

Eigentlich wird der Mitteldeutsche Rundfunk von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen getragen. Die von Intendantin Karola Wille vorangetriebene Reform "MDR 2017" führt aber zu einer Zerreißprobe, die dazu führen könnte, dass es den Sender in der heutigen Form nicht mehr gibt. Das Land Thüringen überlegt ernsthaft, aus dem MDR auszutreten. Zukünftig soll das öffentlich-rechtliche Programm für Thüringen der Hessische Rundfunk (HR) gestalten.

Echtes Politikum

Das meldet die in Halle erscheinende "Mitteldeutsche Zeitung" (Chefredakteur: Hartmut Augustin) in ihrer Mittwochsausgabe. Dabei ist schon der Gedanke, von einem öffentlich-rechtlichen zum anderen Sender zu wechseln, ein Politikum, das in den kommenden Tagen noch für viel Diskussionsstoff sorgen wird. Denn - wie unabhängig können Intendanten ihre Anstalten noch formen, wenn sie sich davor fürchten müssten, dass eines der sie tragenden Bundesländer ausschert, weil ihm eine Entscheidung nicht passt?

"MDR 2017" in der Kritik

Erste Sondierungsgespräche habe es bereits gegeben. Nach "MZ"-Informationen stört sich die Thüringer Landesregierung an der Reform "MDR 2017", mit der Intendantin Karola Wille ihren Sender zukunftssicher machen möchte. Großes Ziel ist dabei, dass die MDR-Angebote im Internet noch präsenter sind. Der Ärger der Politik in Erfurt ist umso erstaunlicher, da die Wille-Pläne ihr Bundesland kaum betreffen. In der Sache geht es um die Pläne für ein digitales Kinderradio. Das soll in Halle angesiedelt werden. Für die Politiker ein Unding, wäre es aus ihrer Sicht doch besser in Erfurt in der Nähe vom Kinderkanal KiKa angesiedelt.

Kündigung frühestens in gut sechs Jahren möglich

Für den MDR arbeiten mehr als 2000 fest angestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: 100 in Thüringen, 400 in Sachsen-Anhalt, 1500 in Sachsen.

Im Gespräch mit "Bild" (Mittwochs-Ausgabe) erklärte MDR-Sprecher Walter Kehr, dass die Bedeutung eines Funkhauses nicht nach der Mitarbeiterzahl gemessen werden könne. Laut Kehr sei der MDR zudem nur Gegenstand in dem in den 1990er Jahren geschlossenen Staatsvertrag zwischen Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt: "Gekündigt werden kann der frühestens zum 31. Dezember 2021. Wir reden also über eine Option in gut sechs Jahren", so Kehr zu "Bild". 

MDR, HR sowie Thüringens Medienstaatssekretär Malte Krückels (Linkspartei) waren am Abend für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

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