Random House sperrt Bücher von Akif Pirincci: Sogar sein Webmaster will nichts mehr vom Hassprediger wissen

 

Manchmal ist es ein Satz, der dann doch das Fass zum Überlaufen bringt. Seit Monaten ist bekannt, dass der Rechtspopulist Akif Pirinçci, zu Ruhm gekommen mit Katzenkrimis, im Netz und auf Demonstrationen wie von Sinnen hetzt. Doch erst seine Sätze "Es gäbe natürlich auch andere Alternativen. Aber die KZs sind ja leider derzeit außer Betrieb", die er bei der Pegida-Kundgebung in Dresden gesagt hat, bringen Random House dazu, das belletristische Werk von Pirinçci zu sperren.

Manchmal ist es ein Satz, der dann doch das Fass zum Überlaufen bringt. Seit Monaten ist bekannt, dass der Rechtspopulist Akif Pirinçci  zu Ruhm gekommen mit Katzenkrimis, im Netz und auf Demonstrationen wie von Sinnen hetzt. Doch erst seine Sätze "Es gäbe natürlich auch andere Alternativen. Aber die KZs sind ja leider derzeit außer Betrieb", die er bei der Pegida-Kundgebung in Dresden gesagt hat, bringen Random House dazu,  das belletristische Werk von Pirinçci zu sperren. In einem Offenen Brief, den kress.de dokumentiert, kündigt ihm jetzt auch sein Webmaster die Freundschaft.

Staatsanwalt ermittelt wegen Volksverhetzung

Der Staatsanwalt ermittelt wegen Volksverhetzung, selbst Pegida-Gründer Lutz Bachmann entschuldigt sich für die KZ-Aussage von Akif Pirinçci auf Facebook (was man halt so sagt). In einer offiziellen Stellungnahme distanziert sich auch die Verlagsgruppe Random House von dem Bonner Autoren. "Die Verlage Diana, Goldmann und Heyne haben mit großer Bestürzung und Unverständnis die Aussagen des Autors Akif Pirinçci auf der gestrigen Pegida-Kundgebung in Dresden zur Kenntnis genommen und distanzieren sich entschieden. Der Schutz von Demokratie und Menschenrechten ist für uns ein zentraler Bestandteil unseres verlegerischen Schaffens, ebenso wie der Respekt vor Traditionen und dem Wunsch nach kultureller Vielfalt. Die Aussagen von Akif Pirinçci stehen diesen Werten diametral entgegen", heißt es in einer heute verbreiteten Mitteilung. Und: "Als Reaktion auf seine inakzeptablen Äußerungen werden unsere bereits vor Jahren veröffentlichten, ausschließlich belletristischen Bücher von Akif Pirinçci umgehend gesperrt und nicht mehr angeboten."

"Verbrechen an der deutschen Grammatik"

Wie Ana Maria Michael in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" schreibt, bezeichnete Random-House-Sprecherin Claudia Hanssen Pirinçci Äußerung als "stilistisch sehr merkwürdig" und als "Verbrechen an der deutschen Grammatik". Der Autor habe "bei uns keine verlegerische Heimat mehr", so Hanssen in der "FAZ".

Offensichtlich war die Rede von Akif Pirinçci in Dresden selbst für den bisherigen Webmaster des Pirinçci-Blogs "Der kleine Akif" zu extrem. Er kündigte - mit einem Offenen Brief, den er auf Pirinccis Blog hinterließ. kress.de dokumentiert den Brief im Original, in dem der Webmaster Pirinçci auch vorwirft, von Thomas Hoof, Gründer vom Versandhandel Manufactum, Verleger des Manuscriptum Verlags und einst sogar Grünen-Politiker, ausgenutzt zu werden. Manufactum gehört seit Anfang 2008 zur Otto Group und hat keine Verbindungen mehr zu seinem Gründer. 

Von der Scham - ein offener Brief an Akif Pirinçci

"Lieber Akif,

als du mich anriefst, um zu fragen, ob ich deinen Blog aufbauen und betreuen könne, musste ich nicht lange überlegen. Hatte ich dich und dein Wirken doch schon seit einiger Zeit im Blick. Wo andere dich anmaßend und verleumderisch, ja, manche sogar hetzerisch und islamphobisch hielten, hielt ich dich für amüsant und manchmal sogar klug.

Die Bedeutung, die andere dir verliehen haben, sah ich relativiert als ein Fünkchen erheiternder Komödie in einem traurigen Akt um sich greifender gesellschaftlicher Verwerfungen, die einem uns eingeborenen Deutschen tief zu Grunde liegendem Gefühl geschuldet sind, welches du, lieber Akif, leider nicht nachempfinden kannst. Und das ist die Scham.

So kamst du wie gerufen für eine Gruppe Menschen rund um den Verleger Thomas Hoof, der, wie man schnell herausfindet, nicht nur der Gründer des Versandhandels Manufaktum, sondern auch Verleger im mittlerweile ausgegliedertem Manuscriptum Verlag ist. Und nicht nur das. Thomas Hoof ist auch einer dieser selbsternannten Mahner und Aufpasser des neorechten Spektrums. Einer, der sich kümmert um die Zukunft und mahnt vor dem Ende. Seine postapokalyptischen Sehnsüchte werden nun durch dich erfüllt, lieber Akif.

Als du mir erzähltest, wie du deinen Verleger kennengelernt hast, da durchfuhr es mich wie ein Blitz und mir wurde schlagartig klar, was für einen willigen Vollstrecker sie in deiner Person gefunden haben. Denn wie schon damals, so bedienen sich auch heute die im Hintergund die Fäden ziehenden Kreise vor allem einer menschlichen Eigenschaft: der Eitelkeit.

An diesem, leider für alle möglichen Manipulationen anfälligen Makel, haben sie dich, um es mit deinen Worten zu sagen, an den kleinen, spießbürgerlich versifften Eiern gepackt.

Und du wirst es erleben. So schnell, wie sie dich aus der Traufe der relativ unbedeutenden Schriftsteller in eine Bedeutungsebene gezogen haben, die deinem Intellekt keinesfalls entspricht, so schnell lassen sich dich auch wieder hineingleiten in den Modder und der Jauche, die dein Wirken mittlerweile umgeben.

Und wenn wir von der Scham sprechen, die wir Deutsche, vielleicht wie kein anderes Volk auf der Welt, empfinden, und sei es nur unbewußt, dann lass dir von mir sagen, worauf sie gründet.

Darauf, nicht rechtzeitig aufgestanden zu sein und den alles humanistische verleugnenden Elementen in unserer Gesellschaft die Stirn geboten zu haben.Darauf, weggeschaut zu haben, als nach den Kommunisten und Sozialdemokraten auch die Juden verschwanden.

Darauf, die Welt in einen unvorstellbaren Vernichtungskrieg geführt zu haben und letzten Endes darauf, dann den Heimkehrenden, geflüchteten Landsleuten aus den vom Feind besetzten Gebieten Vertriebenen die kalte Schulter gezeigt zu haben und sie so behandelten, wie deinesgleichen wünschten, wir würden die Flüchtlinge der Gegenwart noch heute behandeln.

Und so schäme ich mich. Ich schäme mich nicht nur fremd, für dich, Freund Akif.

Ich schäme mich für mich. Dafür, dir bei der Errichtung deiner Plattform zur Verbreitung deines Unsinns behilflich gewesen zu sein, in der Hoffnung, dein Intellekt würde es begreifen, als ich dir sagte, dass 95% deiner Leser von rechten und ultrarechten verweisenden Webseiten kämen, und das du deren Hass schürende Vorurteile und Ängste befeuerst, da sie deine Polemik nicht verstehen.Ich sehe, auch du verstehst nicht.

Lebewohl

Dein Webmaster Torsten

PS.: Du wirst dir wohl einen neuen Webmaster suchen müssen."

Nachtrag: Wer ganz sicher sein will, dass Akif Pirinçci die Klaviatur des Skandals beherrscht: Am 21. Oktober erscheint sein neues Buch "Die große Verschwulung" in der Edition Sonderwege beim Manuscriptum Verlag. Ist alles doch nur ein irrer Marketing-Coup?

Nachtrag 2: In der "BZ Berlin" hat die stellvertretende Kulturchefin Martina Kaden mit verschiedenen Autoren  über den Hass-Ausbruch von Akif Pirinçci gesprochen. Für den Dramatiker Rolf Hochhuth steht fest: "Wenn diese Zitate stimmen, dann gehört der Autor in die Psychiatrie und sein Verleger ins Zuchthaus!" Auch Timur Vermes, Autor der Hitler-Satire "Er ist wieder da", findet klare Worte: "Schon klar, dass einer, der sich von rechtem Gesindel als Redner anheuern lässt, auch daherredet wie rechtes Gesindel. Dass er das zum Verkaufsstart seines neuen Buches tut, zeigt: Er macht das nicht aus Blödheit, sondern vorsätzlich", sagt er der "BZ Berlin".

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