Bewerbungsfrist für den "Innovation Fund" gestartet: Wie man an die 150 Mio Euro von Google kommt

 

Google hat sich die Friedenspfeife angesteckt oder - je nach Sichtweise - den knurrenden Publishern ein Knöchelchen vorgeworfen. "Viele Probleme in der News-Industrie betreffen uns alle", sagt Madhav Chinappa, der beim US-Riesen für die "Digital News Initiative" zuständig ist, im Gespräch mit kress.de. Nun ist das Rennen um die 150 Mio Euro, die Google für innovative Ideen ausgelobt hat, offiziell eröffnet. In den nächsten sechs Wochen können sich Verlage, aber auch Einzel-Journalisten für den Zaster bewerben.

Google hat sich die Friedenspfeife angesteckt oder - je nach Sichtweise - den knurrenden Publishern ein Knöchelchen vorgeworfen. "Viele Probleme in der News-Industrie betreffen uns alle", sagt Madhav Chinappa, der beim US-Riesen für die "Digital News Initiative" zuständig ist, im Gespräch mit kress.de. Nun ist das Rennen um die 150 Mio Euro, die Google für innovative Ideen ausgelobt hat, offiziell eröffnet. In den nächsten sechs Wochen können sich Verlage, aber auch Einzel-Journalisten für den Zaster bewerben.

"Ökosystem für die News-Welt" hegen und pflegen

Ziel der im April von Google etwas überraschend ins Spiel gebrachten Scheckbuch-Großzügigkeit ist es, zusammen mit Europas Medienhäusern das "Ökosystem für die News-Welt" zu verbessern, so Chinappa, der den Titel "Head of Strategic Relations, News & Publishers" trägt. Auf den Medientagen München konkretisierten Chinappa und und Carlo D'Asario Biondo, "President EMEA Strategic Relationships", im Zuge einer koordinierten Charmeoffensive das Angebot an die Verlage, auf das sich aus Deutschland - teilweise nach anfänglichem Zögern - bereits renommierte Häuser wie der "Die Zeit"-Verlag, Bauer, Funke, Spiegel Online, SZ.de oder UFA Germany eingelassen haben. 

Teil des Drei-Säulen-Unterstützungsprogramms von Google ist der sogenannte "Innovation Fund", der nun in seine erste Bewerberrunde geht: Unter http://www.digitalnewsinitiative.com/fund/apply/index.html kann man seine Ideen einreichen - und sich die Chance auf Unterstützungsgeld von Google sichern, wenn man "neue Denkansätze im digitalen Journalismus" vorweisen kann. Deadline für die erste Bewerberrunde ist der 4. Dezember dieses Jahres.

"Wir bemühen uns um ein Höchstmaß an Diversität"

"Das Programm steht jedem aus der europäischen Nachrichten-Branche offen", sagt Madhav Chinappa. "Wir bemühen uns wirklich um ein Höchstmaß an Diversität." Soll heißen: Bei der Begutachtung der Projekte stellt Google eigene Interessen hintenan - wie es heißt. "Das ist eine Förderung ohne versteckte Zusatzbedingungen", so der Verlags-Ansprechpartner, der von London aus agiert. "Viele Nicht-Google-Mitarbeiter werden auf die Projekte einen Blick werfen."

Ein explizite Bezug zum Suchriesen wird nicht vorausgesetzt - angeblich auch nicht bei der Abwägung der späteren Anwendbarkeit. Gleichzeitig sichert Madhav Chinappa den Einreichern auf Wunsch auch Verschwiegenheit zu - bis hin zu Prämierungen, die später anonym bleiben dürfen.

Googles "Friedensmission"

Doch alles nur wohlmeinender Uneigennutz? Nicht wirklich. "Wir haben aus bestimmten europäischen Ländern gehört, dass wir hierzulande Dinge besser machen können", formulierte Madhav Chinappa auf einer Interviewrunde, an der kress.de teilnahm, diplomatisch. "Die Publisher haben uns gesagt, dass wir uns zu wenig mit den Sorgen die News-Industrie beschäftigen." Die Digital News Initiative ist das Gegenargument. Ob man das als eine Art "Friedensmission" verstehen kann? "Es würde mich nicht überraschen, wenn einige diese Reaktion zeigen würden", sagt Madhav Chinappa.

Mobile-Seiten durch rasantere Ladezeiten flott machen

Tatsächlich bezeichnet er selbst den üppig dotierten "Innovation Fund" als eine "ziemlich verrückte Idee". Allerdings möchte Google offenbar ernsthaft mitwirken, das Geschäft mit digitalen News-Inhalten wechselseitig zu verbessern - auch mit dem sogenannten AMP-Programm für schnellere Ladezeiten von Nachrichten-Content auf Mobilgeräten.

Dafür hat Google eine verbesserte HTML-Programmiersprache mitentwickelt, die vor allem der Zufriedenheit der Leser entgegenkommen soll. "Das AMP-Projekt hat zum Ziel, das Web schnell und aufregend zu halten", sagte Google-Strippenzieher Carlo D'Asaro Biondo in München. "Die Essenz des Projekts sind Geschwindigkeit und Offenheit." Deswegen steht die Programmiersprache auch als Open Code für Verlage und Medienhäuser zur Verfügung.

"Ich glaube, Geld hilft"

Der "Innovation Fund" geht ab sofort durch bis zu drei Bewerbungsrunden pro Jahr - vorgesehen ist für das 150-Mio-Euro-Programm eine Laufzeit von drei Jahren. "Das Nachrichtengeschäft ist eine Branche, in der Innovation besonders schwierig ist", sagt Madhav Chinappa, der selbst vor seinen Google-Zeiten für die britische BBC arbeitete. "Oft hat man keinen Raum und keine Gelegenheit, angemessen darüber nachzudenken, was man tut", sagt er. "Ich glaube, Geld hilft dabei."

Die ersten Ergebnisse möchte Madhav Chinappa bereits Anfang nächsten Jahres auszeichnen. Allerdings ist wohl kaum mit einer Google-Gala zu rechnen. "Das werden nicht die Oscars", so Chinappa.

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