Wegen Fliegerbombe in Kreuzberg: "taz" könnte heute explodieren

 

Die Situation ist zumindest so selten, dass alle Journalisten von aktuellen Medien, die heute Morgen zum Sonntags-Dienst die eigenen Redaktionsräume betreten, kurz an die Kolleginnen und Kollegen der alternativen "tageszeitung" in Berlin denken sollten. Das Blatt muss heute seine Redaktion evakuieren, kann die Montagsausgabe nicht in seinen Räumlichkeiten in der Rudi-Dutschke-Straße erstellen.

Die Situation ist zumindest so selten, dass alle Journalisten von aktuellen Medien, die heute Morgen zum Sonntags-Dienst die eigenen Redaktionsräume betreten, kurz an die Kolleginnen und Kollegen der alternativen "tageszeitung" in Berlin denken sollten. Das Blatt muss heute seine Redaktion evakuieren, kann die Montagsausgabe nicht in seinen Räumlichkeiten in der Rudi-Dutschke-Straße erstellen. Grund ist eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg.

Eine ungewöhnliche "Bombentaz" wird der seit dem 15. September 2015 amtierende Chefredakteur Georg Löwisch am heutigen Sonntag gemeinsam mit seinem Team erstellen. In Berlin wurde am Freitagmorgen in unmittelbarer Nähe des Jüdischen Museums eine 250-Kilo-Bombe gefunden. Die Bombe soll heute ab 9 Uhr entschärft werden. Das von der Polizei eingerichtete, mehrere hundert Meter einschließende Sperrgebiet betrifft auch den Teil der Rudi-Dutschke-Straße, in dem die "taz"-Redakton ihren Sitz hat. Laut dem "rbb" reicht das Sperrgebiet "am Norden bis zur Rudi-Dutschke-Straße, im Osten an die Alte-Jakobstraße, im Süden an die Gitschiner Straße und im Westen an die Wilhelm- beziehungsweise Puttkamerstraße."

Für die Redaktion eine ungewöhnliche Herausforderung, die sie zu stemmen weiß. Bereits am Samstag wurden einige Seiten für die Montagsausgabe produziert. Für die "taz"-Technik war der Samstag "Großkampftag" - sie musste die Rechner aus der Redaktion holen und auf verschiedene Standorte verteilen. Teile der "taz" entstehen heute in Verlagsräumen, im Parlamentsräumen und in der Redaktion von "le Monde diplomatique", die ihren Sitz in der Nähe der "taz" hat, schreibt Löwisch auf Twitter. "Le Monde diplomatique" hat zwar auch seinen Sitz in der Rudi-Dutschke-Straße, aber auf der anderen Straßenseite. Die "taz" will in ihrem Ressort "taz2" in der Montagsausgabe über die Evakuierung berichten.

Hintergrund

Chefredakteur der "taz" ist Georg Löwisch, Geschäftsführer Karl-Heinz "Kalle" Ruch. Löwisch folgte der Doppelspitze Ines Pohl und Andreas Rüttenauer. Die verkaufte Auflage der überregionalen Tageszeitung mit Sitz in Berlin beträgt 51.969 Exemplare (laut IVW, 3/2015). Die 1978 gegründete Zeitung wird herausgegeben von einer Genossenschaft; prominentester Genosse ist "Bild"-Chefredakteur Kai Diekmann.

Update, 26.10.2015, 6 Uhr: "Dann wird die Montagausgabe gemacht, alles ist ruhig. Um 12.27 Uhr schrillt plötzlich eine Alarmsirene, ohrenbetäubend. Es ist kein Witz: draußen Bombenentschärfung, drinnen Feueralarm. Die Belegschaft der taz muss ihr Ausweichquartier räumen." taz-Politikredakteur Martin Kaul in seinem Bericht "Der Tag der Bombentaz". Am Ende konnte aber doch noch eine Montagsausgabe produziert werden - "unter verschärften Bedingungen".

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