Medienbunker-Chef Halil Özet aus Duisburg-Marxloh: "Ich wollte was Besonderes schaffen"

 

Kameramann und Kreativkopf Halil Özet arbeitet von der No-Go-Area Duisburg-Marxloh aus für Medienunternehmen in aller Welt. Für die New Yorker Bild- und Filmagentur Shutterstock porträtiert Özet zur Zeit Design-Studios in ganz Deutschland.

Kameramann und Kreativkopf Halil Özet arbeitet von der No-Go-Area aus für Medienunternehmen in aller Welt. Für die New Yorker Bild- und Filmagentur Shutterstock porträtiert Özet zur Zeit Design-Studios in ganz Deutschland.

Özet sitzt in seinem Loft im obersten Stockwerk des Medienbunkers in Duisburg-Marxloh. "Ich bin hier im Viertel aufgewachsen. Viele meiner Klassenkameraden haben sich nach der Schule in der Stahlindustrie beworben. Ich wollte was sehen von der Welt, was Besonderes sein, was Besonderes schaffen..."

Immer schon hatte ihn die Filmwelt begeistert, und so beschloss er kurzerhand, die Begeisterung zum Beruf zu machen. Er heuerte erst als Kameraassistent an, ab 1996 machte er in Essen eine Ausbildung zum Mediengestalter Bild und Ton.

Von Duisburg nach New York und zurück

"Nach der Ausbildung habe ich mich sofort selbständig gemacht. Ich ging nach New York, versuchte erste Aufträge zu bekommen und habe schließlich ein paar Spots dort für den deutschen Optikerverband gedreht."

Im Jahr 2000 gründete Özet schließlich die "P.Y.P. Film und Fernsehproduktion". Als Standort wählte er zunächst Köln. Gelangweilt von der klassischen Auftragsarbeit als Kameramann zog es ihn jedoch schnell in seine Heimat zurück, den als "sozialen Brennpunkt" verschrienen Stadtteil Marxloh im Duisburger Norden. Dort richtete er nicht nur seine Wohnung und Produktionsfirma in dem sanierten Hochbunker am Johannismarkt ein, sondern machte aus dem Bunker den "Medienbunker Marxloh", einen Treffpunkt für gleichgesinnte Querdenker.

Die Entwicklung des von Arbeitslosigkeit und Armut geprägten Stadtteils machte Özet zu seinem ersten persönlichen Projekt. So entwickelte Özet 2008 zusammen mit Freunden die Stadtteilkampagne "Made in Marxloh" und trug so dazu bei, das Selbstbewusstsein der Einwohner und Händler zu stärken und das Image des Stadtteils zu verbessern. Die Aktionen des Kollektivs, die der Filmemacher medienwirksam in Szene setzte, gingen weltweit durch die Presse. Und Marxloh hat sich dank der Ansiedlung zahlreicher türkischer Brautmodengeschäfte in den letzten Jahren im Gegensatz zur allgemeinen wirtschaftlichen Abwärtsspirale des Ruhrgebiets zum zweitgrößten Wirtschaftszentrum von Duisburg entwickelt.

Preis für den Medienbunker

2002 wurde Özet für die ungewöhnlichen Ansätze des Medien-Bunker-Teams mit dem Querdenkerpreis ausgezeichnet, 2010 bekam er als einer der ersten den Titel "Kultur- und Kreativpilot" verliehen,

In diesem Jahr entwickelte P.Y.P. im Auftrag der Bundeszentrale für politische Bildung ein Mediakonzept für einen Kongress zum Thema "Ungleichheiten in der Demokratie". Und als Bundeskanzlerin Angela Merkel Ende August Marxloh besuchte, diente der Medienbunker als Pressezentrum.

Zur Zeit arbeitet Özet als Kameramann für die New Yorker Bildagentur Shutterstock an Porträts über die renommiertesten Design-Agenturen in Deutschland. Er war unter anderem bei "Hort", "Elastique", "Sehsucht" und "Parasol". Die Filme, die er über die Agenturen dreht, und die von Leonard Lierzer geschnitten werden, erscheinen im Blog von Shutterstock und sind Teil der Vertriebsstrategie des Unternehmens. Ein Konzept, das maßgeblich von Philippe Intraligi vorangetrieben wird.

Der Standort Marxloh, der um den Merkel-Besuch für negative Schlagzeilen sorgte, ist für ihn kein Nachteil: "Es hat was von Detroit. Nicht nur die fehlende Konkurrenz, gerade auch der morbide Charme des Viertels, der vorherrschende Mangel und die multikulturelle Mischung, sind der Nährboden für unsere Ideen und unsere Energie."

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