(Umstrittene) Mitarbeitermotivation: Wie eine Reiseagentur ihre Beschäftigten belohnt

29.10.2015
 

Unternehmen belohnen ihre Mitarbeiter, wenn sie besonders gute Leistungen erbracht haben, wie die Reiseagentur Viventura. Das ist aber nicht unumstritten.

Unternehmen belohnen ihre Mitarbeiter, wenn sie besonders gute Leistungen erbracht haben, wie die Reiseagentur Viventura. Das ist aber nicht unumstritten. Denn oft motiviert das nur kurzfristig.

Der Südamerika-Spezialist viventura bietet Reisen in acht südamerikanische Länder an - und ist damit so erfolgreich, dass sie im Jahr 2015 ihre Buchungszahlen verdoppeln konnten. Um die Mitarbeiter zu belohnen, verlegt die Agentur ihr Büro im November für drei Wochen nach Südamerika: "Wir belohnen unsere Mitarbeiter nicht zum ersten Mal mit einer Reise, sondern immer einmal im Jahr, sofern wir in dem Geschäftsjahr unsere Unternehmensziele erreicht haben", sagt Agentur-Chefin Yngrid Arnold.

Das Reiseziel hängt vom zuvor erreichten Gewinn ab

Dabei gehe die Reise immer in ein Land, in das alle Mitarbeiter gut reisen können. "Wir waren bereits in Costa Rica und auf Mallorca." Das genaue Ziel hänge aber vom zuvor erreichten Gewinn ab. Als es im vergangen Jahr nicht so gut lief, ging es eben "nur" nach Mallorca.

Dabei zeigen verschiedene Studien, dass Mitarbeitermotivation zwar wichtig ist, bei einer zusätzlichen Belohnung aber oft das Engagement der Mitarbeiter sinkt, teilweise um bis zu ein Drittel. Unternehmen setzen deshalb vermehrt auf kreative Belohnungen, längst ist daraus ein kleiner Industriezweig entstanden: Erlebnisunternehmer Jochen Schweizer etwa bietet schon seit 2012 Erlebnisgutscheine für "Kunden-Bindung" und "Mitarbeiter-Incentivierung" an. Ob das aber wirklich zu Mitarbeitern führt, die zufriedener und motivierter sind, darf bezweifelt werden.

Arbeitspsychologe: "Materielle Belohnungen wirken nur kurzfristig"

Auch der Düsseldorfer Arbeitspsychologe Axel Buchner ist skeptisch: "Im Allgemeinen wirken materielle Belohnungen nur relativ kurzfristig", sagt er. Es gebe keinen Grund zur Annahme, dass das in dem Fall anders sein sollte. "Selbst Gehaltserhöhungen, von denen man ja theoretisch länger etwas hat, freuen Menschen nur kurzfristig; man hat sich einfach sehr schnell daran gewöhnt", sagt Buchner.

Bedenken bei Verdi

Dem stimmt auch Gerd Denzel, der bei Verdi für den Bereich Touristik zuständig ist, zu: "Es ist bedenklich, wenn mit tatsächlichen oder angeblichen Belohnungen für die Beschäftigten werbewirksam für das eigene Unternehmen getrommelt wird."

Für die Agentur Viventura ist die "Belohnungsreise" aber noch aus einem anderen Grund wichtig: Das Team ist international und arbeitet sowohl von Berlin wie auch von Südamerika aus. Yngrid Arnold: "Der Ausflug ist nicht nur zum Entspannen: Alle Mitarbeiter kommen zusammen, um effektiv die neuen Produkte und Projekte für das kommende Jahr zu entwickeln. Wir treffen auch viele, wichtige strategische Entscheidungen, davon profitieren auch unsere Kunden", sagt Arnold.

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