Axel Springer gab ihm den Impuls zum Journalismus: Weshalb Alexander Fritsch den DJV-Vorsitz will

30.10.2015
 

Axel Springer gab Alexander Fritsch den Impuls, Journalist zu werden - da war er 14 Jahre alt. Mittlerweile arbeitet Fritsch seit 25 Jahren als freier Journalist.

Axel Springer gab Alexander Fritsch den Impuls, Journalist zu werden - da war er 14 Jahre alt. Mittlerweile arbeitet Fritsch seit 25 Jahren als freier Journalist. Nun will er Vorsitzender des Deutschen Journalistenverbandes werden.

Als Treffpunkt schlägt Alexander Fritsch ein altes Café im Berliner Stadtteil Moabit vor: Seine Wohnung mit Blick auf die Spree liegt nur wenige Minuten zu Fuß entfernt - auch der Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele besitzt eine Wohnung in der Nähe. An diesem Montag ist es allerdings so voll, dass kein Platz mehr zu bekommen ist und sich unter die älteren Herrschaften auch einige Touristen verirrt haben. Aber Fritsch kennt die Gegend gut: Beim Italiener wird der gebürtige Berliner mit Handschlag begrüßt, Kuchen gibt es auch da - und der muss sein.

Als Alexander Fritsch 14 Jahre alt war, lud Axel Springer seine Eltern und ihn auf sein Anwesen in Schwanenwerder im Berliner Süden ein. Es war ein Dankeschön von Springer an die Mutter von Alexander Fritsch, die damals eine Wohltätigkeitsveranstaltung organisiert hatte, deren Erlöse - immerhin 1,5 Millionen D-Mark - in die Sanierung der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche flossen.

Axel Springer: "Sie mögen nicht, was ich mache? Machen Sie es anders."

Nun saßen sie da: Seine Eltern, die beide Journalisten im Hause Springer waren - und er der Rebell, der gegen das Establishment und alles Konservative war und damals vor allem die Springer-Presse verabscheute. Bei Cola, Erdbeer- und Schokokuchen aber begegnete ihm der Verleger mit Respekt und nahm jede Kritik, die er damals zuhauf und wenig diplomatisch äußerte, an und setzte sich mit dem kritischen Geist auseinander.

Wegen Axel Springer ist Fritsch nach Abitur und dem Studium der Philosophie und Volkswirtschaft in Rouen in Frankreich, Hamburg, Bonn und Berlin, Journalist geworden: "Er hat den Impuls gegeben - danach habe ich ernsthaft angefangen, darüber nachzudenken, Journalist zu werden", sagt Fritsch. Mit Eltern, die Journalisten sind, ist das nicht unbedingt der Traumberuf, den sich ein rebellischer Jugendlicher aussucht. Zum Abschied hatte Springer ihm damals gesagt: "Sie denken selbst. Werden Sie Journalist. Sie mögen nicht, was ich mache? Machen Sie es anders. Aber machen Sie es!" Fritschs Kinder haben nichts mit Journalismus am Hut und beenden die Familientradition vorerst: Sein Sohn studiert Maschinenbau in Aachen und seine Tochter Biochemie in Göttingen.

Was ein Marsmensch wohl zu dem Branchengejammer sagen würde

Auf dem Verbandstag in Fulda wird der 48 Jahre alte Alexander Fritsch gegen den Kölner Journalisten Frank Überall antreten und sich um den Bundesvorsitz des DJV bewerben: "Wir stehen beide für Neues im DJV," sagt Alexander Fritsch. Einen Konkurrenzkampf gibt es nicht: "Wir verstehen uns auch privat gut." Beiden gehe es um Veränderungen, damit der Verband auch im Zeitalter der Digitalisierung den Anschluss nicht verliert: "Wir reagieren zu viel und agieren zu wenig. Wir müssen mehr Vorreiter sein. Denn ich glaube nicht, dass die Digitalisierung schon weitgehend abgeschlossen ist. Im Gegenteil: Sie hat gerade erst angefangen." Aber auch der Beruf wird sich verändern - und man müsse aufhören zu jammern und dabei auch mit mehr Selbstbewusstsein agieren: "Wenn ein Marsmensch auf die Erde kommt und erlebt, wie die Branche ständig über sich selbst jammert, dann funkt er garantiert zu seinem Heimatplaneten zurück, dass es den Medien ganz schlecht geht und dass es den Journalismus bald nicht mehr gibt. Aber gerade der DJV darf Journalisten keine Angst vor der Zukunft machen." Auch in den sich verändernden Strukturen müsse es noch möglich sein, seinen Lebensunterhalt zu verdienen - und das werde für einige freie Journalisten immer schwieriger.

Fritsch selbst ist seit 25 Jahren freier Fernsehjournalist und bezeichnet sich als "moderner Tagelöhner", der bis zu 20 Tage im Monat als Chef vom Dienst für die Fernsehnachrichten der Deutschen Welle arbeitet, die restlichen Tage unterrichtet er: Er ist unter anderem Lehrbeauftragter im Journalistik-Studiengang der Universität Leipzig, an der Universität in Kairo hat er - in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung - eine Lehrredaktion aufgebaut. Außerdem ist er als Berater und Coach für Stiftungen und Parteien tätig. Dieses Standbein würde er aufgeben, sollte er Bundesvorsitzender werden. Aber ganz leer würde er mit dem neuen Amt, das formal ein Ehrenamt ist, auch nicht ausgehen. Es gibt eine Aufwandsentschädigung.

Das Weiterbildungsangebot muss verbessert werden

Weil er lange Jahre als freier Journalist gearbeitet hat, weiß Fritsch, worauf es ankommt: Deshalb würde er vor allem darauf setzen, das Weiterbildungsangebot zu verbessern - auch innerhalb des Verbandes. Außerdem möchte Fritsch künftig mehr Präsenz zeigen, und sich schneller und lautstark in öffentliche medienpolitische Themen einmischen, aber auch generell präsenter auf Kongressen und Veranstaltungen der Branche sein. "Jeder Verband - und ich verstehe uns durchaus auch als Lobbygruppe - muss sich aktiv einmischen, um etwas zu bewegen, und darf dabei nicht vor Konflikten zurückschrecken," sagt Fritsch.

Sein Amt als Vorsitzender des Journalistenverbandes Berlin-Brandenburg JVBB - einem von zwei Landesverbänden des DJV in Berlin - wird er nach dem Verbandstag in Fulda allerdings in jedem Fall abgeben. Seit zehn Jahren schon ist er dort im Vorstand, seit vier Jahren dessen Vorsitzender. "Aber das hat nichts mit meiner Kandidatur zu tun. Das stand schon vorher fest, weil es nun auch mal Zeit für neue Impulse ist", betont Fritsch.

Die beiden Berliner Landesverbände sind aus einem Streit heraus entstanden - und bis heute gibt es keine Einigung. Das kostet die Beteiligten nicht nur Nerven, sondern auch jede Menge Geld. Denn jeder Verband hat seinen eigenen Vorsitzenden, seine eigenen Mitglieder, seine eigene Geschäftsstelle: "Es gab schon mehrere Versuche, die Landesverbände wieder zusammenzuführen. Das ist bisher - aus verschiedenen Gründen - immer wieder gescheitert", sagt Fritsch.

"Ich möchte dem Verband auch etwas zurückgeben"

Warum er für das Amt kandidiert? "Ich möchte dem Verband auch etwas zurückgeben. Es gibt hier viele Menschen, aber auch Strukturen, die mich aufgefangen haben, als ich mal schwerer erkrankt war und es mir wirtschaftlich nicht gut ging", sagt Fritsch. Im Falle einer Niederlage wird er "wieder ganz viel Zeit haben", sich aber nicht völlig aus der Verbandsarbeit zurückziehen. "Wir können und müssen mit dem DJV noch viel bewegen - und dabei würde ich gerne helfen", sagt Fritsch. Seine Prognose: "Ich kenne niemanden im DJV, der bereit ist, Wetten auf einen der Kandidaten abzuschließen." Es bleibt also spannend, wer schließlich die Nase vorn haben wird.

Ihre Kommentare
Kopf
Weitere Beiträge zu diesem Thema
Inhalt konnte nicht geladen werden.