Dritter Kandidat will Journalisten führen: Früherer Landesvorsitzender Conen gibt Kandidatur für DJV-Bundesvorsitz bekannt

01.11.2015
 
 

Kurz vor dem Start des DJV-Verbandstags in Fulda sind die internen Konflikte in der größten deutschen Journalisten-Gewerkschaft eskaliert. Der langjährige DJV-Funktionär Hans Werner Conen gab in einem unserer Redaktion vorliegendem Schreiben an den scheidenden Verbandschef Michael Konken seine Bewerbung für das Spitzenamt im Deutschen Journalisten-Verband (DJV) bekannt.

Kurz vor dem Start des DJV-Verbandstags in Fulda sind die internen Konflikte in der größten deutschen Journalisten-Gewerkschaft eskaliert. Der langjährige DJV-Funktionär Hans Werner Conen gab in einem unserer Redaktion vorliegendem Schreiben an den scheidenden Verbandschef Michael Konken seine Bewerbung für das Spitzenamt im Deutschen Journalisten-Verband (DJV) bekannt. Conen warf Konken unter anderem vor, ihn in seinen Rechten beschnitten und seine Kandidatur hintertrieben zu haben.

"Im Übrigen ist meine persönliche Sicherheit nicht gewährleistet, nachdem unter Ihrer Verantwortung schon früher ein Schläger aus dem Nazi-Milieu gedungen wurde, um mir den Zutritt zu einer DJV-Veranstaltung unter Gewaltandrohung zu verwehren; die Gefahr ist akut, weil Ihnen als Herausgeber einer DJV-Neuauflage des "Stürmer/Pranger" eine Wiederholung zuzutrauen ist", schrieb Conen, früher Vorsitzender vom DJV Berlin-Brandenburg. DJV-Pressesprecher Hendrik Zörner erklärte auf Nachfrage unserer Redaktion, von angedrohter Prügel sei ihm nichts bekannt.

Der bis Dienstag angesetzte Verbandstag mit rund 300 Delegierten hat am Nachmittag begonnen. Die Wahl des neuen DJV-Vorsitzenden ist für Montag geplant.

Mit Conen gibt es nun drei Kandidaten für das Amt des DJV-Vorsitzenden. Bislang haben das bisherige Vorstandsmitglied Frank Überall aus Nordrhein-Westfalen und Alexander Fritsch aus Berlin ihre Bewerbung angemeldet. Gegen Fritsch waren vor dem Kongress Vorwürfe laut geworden. Der baden-württembergische DJV-Funktionär Peter Welchering erklärte, er habe einen Drohanruf "aus dem national-konservativen Lager" erhalten, den er Fritschs Lager zuordnete. Ein Mann habe ihm gesagt, "'linksversiffte Journalisten' wie ich könnten demnächst 'final umzuziehen'. Und der von ihnen unterstützte Kandidat würde mich nach seiner Wahl 'eh aus dem Verband schmeißen'. Bei weiteren oppositionellen Aktionen wurde mir in Aussicht gestellt: "Deinen Freund Ossietzky kannst Du bald wiedersehen". Fritsch wies die Vorwürfe zurück.

Der von den Nationalsozialisten verfolgte Publizist Carl von Ossietzky war Chefredakteur der "Weltbühne" und wurde 1936 als erster Deutscher mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, durfte die Ehrung aber nicht annehmen. Von jahrelanger KZ-Haft und Folter schwer gezeichnet, starb der Journalist 1938 im Alter von 49 Jahren.

Michael Konken scheidet nach zwölf Jahren aus dem Amt. In seiner Amtszeit ging die Zahl der DJV- Mitglieder in Folge der Medienkrise von 42.000 auf 36.000 zurück. Als Ausweg aus der Krise schlug Konken in einem kress.de-Interview eine Haushaltsabgabe für Zeitungen nach dem Muster der Rundfunk- und Fernsehgebühren vor.

von Volker Warkentin, derzeit Fulda

 

Ihre Kommentare
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Ulf J. Froitzheim

Ulf J. Froitzheim

Redaktionsbüro UJF.biz
Freier Journalist

02.11.2015
!

Der Anruf bei Peter Welchering ist zweifelsohne ein Fall für den Staatsanwalt. Ansonsten gilt für alle Delegierten und Kandidaten die Unschuldsvermutung. Der Eindruck, dass in dieser Runde mindestens ein Geisteskranker sitzen könnte, der Welcherings Handynummer kennt, ist allerdings schlimm genug.


Thomas Honisch

02.11.2015
!

Kann ich auch noch kandidieren? Im Fall meiner Wahl zum Oberschreiber der Nation kann sich die Journaille aber schon mal warm anziehen. Die BLÖD-Zeitung wird das erste Printmedium sein, dass in seiner jetzigen Form abgeschafft wird. Desweiteren wird eine gerechte Honorierung der Leute eingeführt, die die Berufsbezeichnung "Journalist" verdienen. Wenn ich mir die heutigen Medien so ansehe, besonders die Online-Zeitungen, dann stehen einigen Leuten harte Lehrjahre bevor.


Karl Heinz Feuerlein
02.11.2015
!

Es ist zum Haar ausreißen!
Natürlich ist der H. W. Conen der richtige Mann! Er braucht dieses "Ehrenamt" nicht, er muß von diesen exorbitanten Spesen nicht leben! Der DJV ist eine Geldvernichtungsmaschine mit Gewerkschaftstarnung. Ein Heer ineffizienter Mitarbeiter1. Die Zahler sind unterbezahlte Selbständige, für die der DJV nichts tun kann!
Beamtenartige, öffentlich-rechtliche Journalisten brauchten keinen DJV.

Conen würde Aufräumen mit der Mauschelei um Geld u. gute Posten alla ADAC


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