Verbandstag in Fulda: Deutschem Journalisten-Verband drohen finanziell schwere Jahre

01.11.2015
 
 

Mit Aufrufen zur Verteidigung der Pressefreiheit und zur Geschlossenheit in der Medienkrise hat der DJV-Verbandstag 2015 seine Arbeit aufgenommen.

Mit Aufrufen zur Verteidigung der Pressefreiheit und zur Geschlossenheit in der Medienkrise hat der DJV-Verbandstag 2015 seine Arbeit aufgenommen. Der scheidende Vorsitzende Michael Konken sagte vor den 300 Delegierten am Sonntag in Fulda, es seien die Journalisten, die die Pressefreiheit als Abwehrrecht der Bürger gegen den Staat jeden Tag umsetzten.

Drei steigen in den Ring

"Nur mit diesem Schmierstoff funktioniert die Demokratie", rief Konken den Vertretern der Basis zu, die ihm mit Ovationen für seine zwölf Jahre an der Spitze des Deutschen Journalisten-Verbandes dankten. Um seine Nachfolge bewerben sich am Montag der DJV-Schatzmeister Frank Überall, der Berliner Fernsehjournalist Alexander Fritsch und der langjährige Funktionär und frühere Fernseh- und Hörfunkmoderator Hans Werner Conen. Überall und weitere Delegierte stimmten den DJV angesichts des Mitgliederschwundes auf finanziell schwierige Jahre ein.

Michael Konken hob in seiner Rede, die Newsroom.de im Original dokumentiert, besonders den Mut und das Stehvermögen von Journalisten hervor, die in Dresden, Leipzig und Erfurt von Pegida-Demonstranten angegriffen wurden. Die Berichterstatter seien attackiert worden, weil sie ihrem Beruf vorbildlich nachgingen. "Die Beschimpfung als 'Lügenpresse' empfinden wir als Verunglimpfung unserer Arbeit, als Beleidigung ersten Grades", sagte der scheidende DJV-Chef. Das Worten "Lügenpresse" habe schon viel zu viel Schaden angerichtet.

Finanzierung von Tageszeitungen auf neue Basis

Konken setzte sich als Konsequenz aus der Medienkrise dafür ein, die Finanzierung von Tageszeitungen auf eine neue Basis zu stellen. "Ohne ein grundlegendes neues Finanzierungsmodell werden die Vielfalt und die Qualität des Journalismus nicht erhalten blieben." Er möge sich eine Situation nicht ausmalen, in der es immer weniger lokale, regionale und überregionale Zeitungen gebe. Seine in einem Interview mit kress.de erhobene Forderung nach einer Haushaltsabgabe für Zeitungen nach dem Muster der Rundfunk- und Fernsehgebühren nannte er nicht.

Der scheidende DJV-Vorsitzende rief die Mitglieder auch mit Blick auf den andauernden Medienwandel zur Solidarität auf. "Tragt dazu bei, dass nicht durch unnütze Kleinkriege und den fehlenden Blick auf das Ganze die Schlagkraft und das Ansehen leiden." Auch Konkens Nachfolgekandidat Fritsch beklagte offene Feindseligkeiten in dem Verband. Das führe dazu, dass "nur noch die Abgehärtesten und Abgebrühtesten wie ich als Funktionäre zur Verfügung" stünden. Das mache die Gewerkschaft gerade für jüngere Journalisten unattraktiv.

Verband verschweigt dritten Bewerber

Fritsch ist einer von drei Bewerbern für die Konken-Nachfolge. Während die Bewerbung Überalls schon seit längerem feststand, machte Conen seine Kandidatur erst am Sonntag in einem Brief öffentlich, der unserer Redaktion vorliegt. Conen warf Konken unter anderem vor, ihn in seinen Rechten beschnitten und seine Kandidatur hintertrieben zu haben. "Im Übrigen ist meine persönliche Sicherheit nicht gewährleistet, nachdem unter Ihrer Verantwortung schon früher ein Schläger aus dem Nazi-Milieu gedungen wurde, um mir den Zutritt zu einer DJV-Veranstaltung unter Gewaltandrohung zu verwehren; die Gefahr ist akut, weil Ihnen als Herausgeber einer DJV-Neuauflage des "Stürmer/Pranger" eine Wiederholung zuzutrauen ist", schrieb Conen.

In der offiziellen Pressemitteilung ist Conens Bewerbung nicht enthalten. Sie sei ihm erst nach Abfassen der Erklärung bekannt geworden, sagte DJV-Sprecher Hendrik Zörner auf Nachfrage von kress.de. Auch am Abend blieb die Kandidatur Conens auf der offiziellen DJV-Website weiterhin unerwähnt. Die Wahl des neuen Vorstandes steht Montag an.

Sparsamkeit

Weil durch den Strukturwandel in der Medienbranche auch ein Mitgliederschwund verbunden sei, müsse sich die größte deutsche Journalisten-Gewerkschaft auf finanziell schwere Jahre einstellen, mahnten Konken und Schatzmeister Überall. Sparsamkeit bleibe das Gebot der Stunde, mahnten auch andere Redner.

von Volker Warkentin, derzeit Fulda

 

Ihre Kommentare
Kopf

Klaus Minhardt

01.11.2015
!

Sparsamkeit liest sich im Finanzbericht und Etat so: Wir steigern die Personalkosten um rund 9 % auf 60 Prozent. WIr nehmen 5% weniger ein um das zu kompensieren.

Gespart wird dann bei den Bahnfahrten, die nur noch 2. Klasse möglich sein sollen und ausgerechnet bei den Fachausschüssen. Gespart wird nie bei den Festangestellten, die sich schon vor Jahren den Verband zur Beute gemacht haben.

Mindestens 20 % Kürzungen im Personalbereich sind notwendig


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