Jörg Eigendorf im "Wirtschaftsjournalist": "Keiner kann mich kaufen"

05.11.2015
 
 

Es ist der spektakulärste Wechsel des Jahres. Im April wird "Welt"-Investigativ-Chef Jörg Eigendorf Kommunikationschef der Deutschen Bank. In der aktuellen Ausgabe des "Wirtschaftsjournalist" spricht Eigendorf mit "Wirtschaftsjournalist"-Chefredakteur Markus Wiegand ausführlich über seine Gründe.

Es ist der spektakulärste Wechsel des Jahres. Im April wird "Welt"-Investigativ-Chef Jörg Eigendorf Kommunikationschef der Deutschen Bank. In der aktuellen Ausgabe des "Wirtschaftsjournalist" spricht Eigendorf mit "Wirtschaftsjournalist"-Chefredakteur Markus Wiegand ausführlich über seine Gründe. Kress.de hat sieben Fragen und sieben Antworten ausgewählt.

Wirtschaftsjournalist: Würden Sie den Job auch für das gleiche Geld machen, das Sie heute verdienen?

Jörg Eigendorf: Herr Wiegand, entscheidend ist etwas völlig anderes: Ist die Aufgabe faszinierend? Ja. Gibt es die Möglichkeit für eine steile Lernkurve? Ja. Bekommen Sie Einblicke in eine der wichtigsten Institutionen des Landes? Ja. Und kann ich vielleicht einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass diese Institution wieder mehr Wasser unter den Kiel bekommt? Ich hoffe. Und wenn das dann auch noch gut bezahlt wird - umso besser.

Wirtschaftsjournalist: Was war denn die Alternative zur Deutschen Bank?

Jörg Eigendorf: Ich kann so viel verraten: Ich hätte dann Arabisch gelernt und wäre als Krisenreporter unterwegs gewesen. Auch ein Traumjob.

Wirtschaftsjournalist: Und was sagen Sie den anderen, die jetzt denken: Er hat sich kaufen lassen vom Reich des Bösen?

Jörg Eigendorf: Keiner kann mich kaufen, und ich hoffe, dass ich diesem Anspruch auch immer gerecht werde. Diese Konstellation wäre für mich nie wieder gekommen - während man alles andere später immer noch machen kann. Ich freue mich sehr darauf, die Deutsche Bank von innen kennenzulernen und zu verstehen. Allein die Gespräche, die ich bisher mit John Cryan geführt habe, waren für mich faszinierend. Das Gleiche gilt für die Gespräche mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Paul Achleitner.

Wirtschaftsjournalist: Stimmt es eigentlich, dass Sie schon vor drei Jahren bei der Deutschen Bank als Kommunikationschef im Gespräch waren?

Jörg Eigendorf: Für mich stand das damals nicht zur Debatte. 2012 haben wir als Welt-Gruppe - und ich als einer der Reporter - sehr intensiv berichtet, wir waren zum Beispiel die Ersten, die geschrieben haben, dass auf Josef Ackermann das Führungsduo Jürgen Fitschen und Anshu Jain folgen würde. Ich habe mich in Kommentaren für diesen Wechsel an der Führungsspitze ausgesprochen. Damit war kategorisch ausgeschlossen, dass ich zur Deutschen Bank wechseln würde.

Wirtschaftsjournalist: Herr Eigendorf, Sie waren jahrelang als Journalist unterwegs, Sie waren den Interessen der Öffentlichkeit verpflichtet. Das ändert sich jetzt. Sie können nicht gleichzeitig den Interessen der Bank dienen und denen der Gesellschaft.

Jörg Eigendorf: Das sehe ich anders. Sie können als Journalist viel positiv bewegen, aber auch als Kommunikator. Wir sollten als Journalisten nicht immer so tun, als seien wir die Saubermänner und alle Banker schlecht. Was ist denn das für ein Weltbild?

Wirtschaftsjournalist: In einem Fragebogen des "Medium Magazins" haben Sie mal geantwortet: "Ungerechtigkeit macht mich wütend." Es wird künftig eine Aufgabe von Ihnen sein, für ein Unternehmen zu arbeiten, das auch eine Reihe von Ungerechtigkeiten zu verantworten hat.

Jörg Eigendorf: Sehen Sie es mal so: Überall, wo in der Vergangenheit ungerecht gehandelt wurde, gibt es ein großes Potenzial, künftig gerechter zu handeln. Die Deutsche Bank ist schon seit einigen Jahren in einer Transformationsphase. Und es ist noch ein weiter Weg. Ich will helfen, diesen Weg weiterzugehen. Und ich bin überzeugt davon, dass ich dafür meine Werte nicht aufgeben muss, denn das werde ich nicht tun.

Wirtschaftsjournalist: Was man als Journalist schnell vergisst: Die Kommunikationsabteilung hat fast 500 Mitarbeiter. Auch die müssen Sie erst mal überzeugen. Für viele waren Investigativjournalisten wie Sie jahrelang der Feind.

Jörg Eigendorf: Feind? Das ist ein sehr starkes Wort. Das Vertrauen werde ich mir hart erarbeiten müssen. Aber eines kann sich jeder gewiss sein: Ich war 16 Jahre loyal zu meinem Arbeitgeber Axel Springer, und ich werde auch meinem neuen Arbeitgeber, der Deutschen Bank, gegenüber loyal sein.

kress.de-Tipp: Das ganze Interview ist im "Wirtschaftsjournalist" erschienen, das wie Kress.de im Medienfachverlag Oberauer erscheint. Der "Wirtschaftsjournalist" kann hier im Newsroom.de-Shop bestellt werden. Das Magazin gibt es auch digital im iKiosk.

 

Ihre Kommentare
Kopf

petra z.

06.11.2015
!

"Würden Sie den Job auch für das gleiche Geld machen, das Sie heute verdienen?
Eigendorf: (...) Bekommen Sie Einblicke in eine der wichtigsten Institutionen des Landes? Ja. Und kann ich vielleicht einen kleinen Beitrag dazu leisten, dass diese Institution wieder mehr Wasser unter den Kiel bekommt? Ich hoffe. Und wenn das (...) gut bezahlt wird - umso besser."
Alles oki - aber: "Keiner kann mich kaufen"? Mit dem Wechsel hat er Farbe bekannt. Wie viele von uns, die Rechnungen bezahlen müssen.


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