Die Frau mit dem roten Kleid: Tanit Koch - "100 Prozent Kainianer"

 

In einem roten Kleid ("freue mich, dass ich es endlich aus dem Schrank holen konnte") und an der Seite von Kai Diekmann hat sich die neue "Bild"-Chefredakteurin Tanit Koch heute Morgen um 10 Uhr im 16. Stockwerk des Springer-Hochhauses vorgestellt. Mathias Döpfner war da, er sprach davon, dass Diekmann für den Konzern neue Ideen entwickeln soll.

In einem roten Kleid ("freue mich, dass ich es endlich aus dem Schrank holen konnte") und an der Seite von Kai Diekmann hat sich die neue "Bild"-Chefredakteurin Tanit Koch heute Morgen um 10 Uhr im 16. Stockwerk des Springer-Hochhauses vorgestellt. Mathias Döpfner war da, er sprach davon, dass Diekmann für den Konzern neue Ideen entwickeln soll. Und Diekmann sagte, dass er in Zukunft als Satellit über der "Bild"-Gruppe kreise.

Es ist also verkündet, Tanit Koch hat das Angebot, Europas wichtigste Tageszeitung ab dem 1. Januar 2016 zu führen, angenommen. Das persönliche Kennenlernen mit Friede Springer, die Gespräche mit dem Vorstand um Mathias Döpfner, die Juristin und Politikwissenschaftlerin hat die schwerste Aufgabe im deutschen Journalismus angenommen. Alle schauen auf "Bild" - den Tanker von Axel Springer, der aber längst wendiger und schneller als viele Monopolzeitungen in der Fläche ist.

Tanit Koch, Jahrgang 1977, geboren in Konstanz, aufgewachsen im Rheinland, in Bonn, kam 2005 als Volontärin zu Axel Springer, sie war zwei Jahre Büroleiterin von Kai Diekmann, Redaktionsleiterin von "Bild" in Hamburg, zudem 17 Monate Geschäftsführende Redakteurin der "Welt"-Gruppe. Bei "Bild" hat sie das Ressort Unterhaltung umgebaut; in einer ihrer wenigen öffentlichen Statements bislang hat sie beispielsweise die Berichterstattung von "Bild" im Fall Kachelmann deutlich verteidigt.

Koch gilt als intelligent, sehr clever und durchsetzungsstark, eigene journalistische Scoops kann sie jedoch nicht vorweisen. Sie ist zurückhaltend, spricht leise und ruhig, behält auch in schwierigen Zeiten einen kühlen Kopf. Aus ihrem Privatleben ist wenig bekannt.

Tanit Koch stehe zu 100 Prozent auf der Seite von Kai Diekmann, sagen Gesprächspartner zu kress.de. Diekmann und seine Nachfolgerin waren nicht zu erreichen, auch die Springer-Pressestelle kam der Bitte um einen Rückruf nicht nach.

Diekmann wird also auch in Zukunft keine Probleme haben, sich als aktiver Herausgeber im Tagesgeschäft einzubringen. Schließlich hat er das auch seit seiner Rückkehr aus den USA vorgemacht - Zeitung aus der Distanz machen, dank Mails, Kurznachrichten und eigener App klare Anweisungen geben. Eine Seite 2, ohne dass Diekmann die entscheidenden Stücke kennt? Undenkbar. Es war Diekmann, der in dem aktuellen DFB-Fall bei der "Bild"-Berichterstattung aus Franz den Beckenbauer machte.

Der große Gewinner aus dieser Personalverkündung heute ist schließlich auch Kai Diekmann. Er wird zwar die "Bild" nicht so lange führen, wie Helmut Kohl Bundeskanzler in Deutschland war. Das hatte er einmal halb im Scherz, halb im Ernst gesagt. Diekmanns Position wird nun endlich auch in das offizielle Organigramm von Springer eingehen. Zwar hatten einige Beobachter damit gerechnet, dass Diekmann in den Springer-Vorstand aufsteigt. Sie betrachten seine neue Aufgabe als Niederlage. Aber im Gegenteil - Diekmann wird jetzt mehr Geld bekommen, mehr Zeit haben, sich dem Umbau der Gruppe zu stellen, ohne sich mit den täglichen Detailfragen beschäftigen zu müssen. Zudem hätte eine Berufung in den Vorstand bedeutet, dass Diekmann sich keine Raufereien in den Sozialen Netzwerken mehr hätte widmen dürfen. Diekmann ohne Twitter, ohne Facebook, ohne klare Kante? Undenkbar.

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