"Viel besseres Markenbewusstsein": Wie Springer, Madsack und RTL2 ihre Newsrooms umbauen

 

Im Berliner Newsroom von WeltN24 unter Jan-Eric Peters sitzen bis zu 150, bei Madsack in Hannover maximal 42 Journalisten. Die Redaktionen sind sehr unterschiedlich aufgestellt, aber eines eint sie: Sie dienen als Blaupause für Kolleginnen und Kollegen in ganz Europa. Für seine aktuelle Ausgabe hat der "kressreport" die modernen Maschinenräume der deutschen Medienhäuser besucht.

Im Berliner Newsroom von WeltN24 unter Jan-Eric Peters sitzen bis zu 150, bei Madsack in Hannover maximal 42 Journalisten. Die Redaktionen sind sehr unterschiedlich aufgestellt, aber eines eint sie: Sie dienen als Blaupause für Kolleginnen und Kollegen in ganz Europa. Für seine aktuelle Ausgabe hat der "kressreport" die modernen Maschinenräume der deutschen Medienhäuser besucht.

Der WeltN24-Newsroom ist der zurzeit vielleicht beeindruckendste Maschinenraum eines deutschen Medienhauses – und hoch wie ein Kirchenschiff. Chefredakteur Jan-Eric Peters erschuf eine Redaktion neuen Typs, indem er alle journalistischen Organisatoren zusammenzog. In dem offenen Raum sitzen Journalisten mit mehr als 20 verschiedenen Aufgaben Tisch an Tisch. "Es ergibt ein größeres Zusammengehörigkeitsgefühl und viel besseres Markenbewusstsein, wenn alle in einem Raum sitzen", beschreibt Peters die Folgen der Verzahnung.

Noch vor seinem Wechsel zum Springer-Samsung-Aggregator Upday im kommenden Jahr bereitet Peters die nächsten Schritte vor: Ein Videoredakteur soll künftig in jedem einzelnen Ressort sitzen. Außerdem fusioniert er die Teams von Print und der digitalen "Welt Edition"-Apps.

Der Newsroom-Vordenker Peters konnte bei Axel Springer seine Vision einer voll integrierten Redaktion ausleben. Erst kürzlich stellte er die Baupläne für den Newsroom in Springers geplantem Neubau fertig. In einigen Jahren wird dann auch N24 aus dem Newsroom senden und vielleicht werden auch schreibende Reporter mit in den Maschinenraum einziehen.

Drehkreuz Hannover: Wie RND Inhalte aufs Gleis bringt

In Hannover stellen sie Güterzüge zusammen. Tag für Tag. So nennt der Chefredakteur des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND), Matthias Koch, die tägliche Arbeit seiner Blattmacher. Ganze Seiten für sechs Zeitungen rollen inzwischen von hier aufs Gleis in die Druckereien – gebaut werden die "Züge" am geschwungenen Balken der Redaktion. Die Redakteure kämpfen dabei mit drei unterschiedlichen Zeitungsformaten und unterschiedlichen Anzeigen-Belegungen. Korrespondentenberichte müssen sie deshalb für jedes Blatt einzeln kürzen. "Die Komplexität wächst mit jedem Titel", sagt Koch dem "kressreport". "Wir müssen ja nicht nur die Seiten in drei Formaten liefern, sondern auch regionale Besonderheiten beachten."

Uwe Dulias wirbt um neue Kunden für die Zentralredaktion

Darin bekommen die Journalisten Tag für Tag mehr Routine – und die brauchen sie. Denn Geschäftsführer Uwe Dulias wirbt um weitere Kunden. 34 Titel erhalten inzwischen Inhalte vom RND – von der ganzen Seite bis zum einzelnen Bericht der Berlin-Korrespondenten. Dulias will im kommenden Jahr die 40 knacken, er sieht im RND eine notwendige Sparmaßnahme und ein skalierbares Modell zugleich. Die Zentralredaktion repariert in seinen Augen den einstigen "redaktionellen Flickenteppich" von Madsack, der dazu führte, dass mehrere Madsack-Redakteure an verschiedenen Standorten die gleiche Meldung schrieben. "Das ist völlig ineffizient gewesen. Heute sitzt ein Kollege im RND-Newsroom und produziert die Meldung für alle." Laut Dulias bleibt schon heute mehr Luft für exklusive Recherchen.

Wie RTL2-Chefredakteur Matthias Walter seine Vision von transparentem Journalismus im neuen Berliner Newsroom umgesetzt hat – und welche Lehren Medienmacher aus allen drei Konzepten ziehen können, lesen Abonnenten im "kressreport" 21.15, der am 13. November erscheint. Hier geht's zum Abo ...

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