"Spiegel"-Korrespondent Christoph Reuter: "Unsere Branche will Themen managen, ohne sie im Ansatz zu begreifen"

16.11.2015
 
 

Mit klaren Worten rechnet der "Spiegel"-Korrespondent Christoph Reuter mit der Medienbranche ab: "Wenn sich Redaktionen damit zufrieden geben, bei einem Massaker, einem Giftgasangriff, einem Flugzeugabschuss die eine Seite zu zitieren, dann die andere Seite und das Ganze abschließend als Ausgewogenheit bezeichnen - dann haben sie ihren Beruf verfehlt. Unklarheit kann Beginn einer Recherche sein, aber niemals ihr Ergebnis",

Mit klaren Worten rechnet der "Spiegel"-Korrespondent Christoph Reuter mit der Medienbranche ab: "Wenn sich Redaktionen damit zufrieden geben, bei einem Massaker, einem Giftgasangriff, einem Flugzeugabschuss die eine Seite zu zitieren, dann die andere Seite und das Ganze abschließend als Ausgewogenheit bezeichnen - dann haben sie ihren Beruf verfehlt. Unklarheit kann Beginn einer Recherche sein, aber niemals ihr Ergebnis", betont Christoph Reuter im Vorfeld einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion in Berlin.

"Kriegsreporter, Krisenjournalismus und der deutsche Blick auf das Ausland - Wer verfolgt welche Agenda?" heißt die Debatte im Rahmen des Mainzer Medien Disputs am Montag, 16. November. Die Diskussion beginnt um 19 Uhr in der Landesvertretung Rheinland-Pfalz beim Bund in Berlin. Den thematischen Aufschlag liefert Kai Gniffke, Chefredakteur von ARD Aktuell (Tagesschau, Tagesthemen). Gemeinsam mit SWR-Chefreporter Prof. Dr. Thomas Leif, der die Diskussion moderiert, nehmen auf dem Podium Platz Sonia Mikich, Chefredakteurin Fernsehen beim WDR, der Autor, Nahost-Experte und Präsident der Deutsch-Arabischen Gesellschaft, Michael Lüders, Christian Neef, "Spiegel"-Korrespondent in Moskau, der freie Auslands-Journalist Ashwin Raman, der in diesem Jahr mit dem Otto-Brenner-Preis ausgezeichnet wird, sowie Christoph Reuter, Nahost-Korrespondent vom "Spiegel" mit Sitz in Beirut. (B.Ü.)

Zur Person: Christoph Reuter, geboren 1968, ist studierter Islamwissenschaftler. Der "Journalist des Jahres 2012" spricht fließend Arabisch und berichtet seit Jahrzehnten aus den Krisenregionen der arabischen Welt, zunächst für "Die Zeit" und den "Stern", seit 2011 als Korrespondent für den "Spiegel". Neben zahlreichen preisgekrönten Reportagen veröffentlichte er Bücher wie "Mein Leben ist eine Waffe" (2002) über Selbstmordattentäter und, gemeinsam mit Susanne Fischer, "Café Bagdad" (2004) über den Alltag im umkämpften Irak. Sein neuestes Werk heißt "Die schwarze Macht. Der 'Islamische Staat" und die Strategen des Terrors".

Herr Reuter, was treibt Sie an, wenn Sie aus gefährlichen Kriegsregionen berichten?

Christoph Reuter: Ganz schlicht und forensisch: Herauszubekommen, was dort wirklich geschieht, geschah. Ob das heißt, nachts unter Stacheldraht durchzukrabbeln oder halbwegs entspannt mit Menschen über von ihnen erbeutete Papiere, Festplatten, GPS-Navigationsgeräte zu verhandeln, ist dabei egal. Und: Da es sonst kaum noch jemand macht, wird es umso wichtiger. In Aleppo waren wir - ich und zwei Syrer - das letzte ausländische Team, bis auf drei später entführte Kollegen, an den Frontlinien im Irak, in Beiji oder in Falluja, war außer uns auch kein Ausländer gewesen, die fanden Bagdad schon grenzwertig.

Gibt es eine spezifische "Methode" in Ihrer Art zu arbeiten?

Christoph Reuter: Nicht wirklich - vielleicht ein langer Atem, meistens umfängliche Vorbereitungen und vor allem: der Aufbau eines verlässlichen Kontaktnetzes über Jahre. Das ist alles nichts für die "Fallschirm-Einsätze", dass man für ein paar Tage kommt, ein bisschen Geschützdonner mitnimmt und wieder abreist. Und dann, irgendwo in den Grauzonen eines Krieges: tagelanges Verhandeln, Eruieren mit ganz verschiedenen Leuten, wie es jenseits des Horizonts aussieht, bis hin zu winzigen Details: Wir hatten mal einen potenziellen Fahrer, der uns in Homs über mehrere Straßen bringen sollte. Als wir erfuhren, dass Tage zuvor sein Bruder erschossen worden war, haben wir ausgiebig dankend auf seine Dienste verzichtet. Ihm war es egal, ob er sterben würde. Uns nicht.

Wie wichtig sind Sprach-Kenntnisse für einen Korrespondenten in Krisengebieten?

Christoph Reuter: Sie sind immens wichtig, aber noch wichtiger sind die Kontakte, die lokalen Mitarbeiter, die ihrerseits Kontakte haben, auf die wir uns verlassen können müssen.

Können Stringer oder Fixer Sprachdefizite ausgleichen?

Christoph Reuter: Gänzlich ausgleichen nicht, aber sehr gut ergänzen.

Kann man den "Job" ohne Stringer überhaupt bewältigen?

Christoph Reuter: Ein, zwei Mal schon, aber dann geht es rasch schief. Oder man erfährt einfach kaum etwas von dem, was relevant ist. Es geht nicht um die Sprache, es geht um Vertrauen und Kenntnisse, bis hin zur lebenswichtigen Frage, welche Straße, welcher Feldweg passierbar ist - und welche Wege beschossen werden, von Checkpoints der anderen Seite blockiert sind. Selbst Einheimische wissen in Kriegssituationen oft nicht mehr, wie es 25 Kilometer weiter aussieht. Ganz gleich, in welchen Krisen- und Kriegsgebieten sie recherchieren und drehen.

Sie sind meist gezwungen, mit dem Militär zusammenzuarbeiten. Wie sehen hier ihre Erfahrungen aus?

Christoph Reuter: Extrem durchwachsen. Wir sind auch schon mit der Nusra-Front in Syrien unterwegs gewesen, weil wir die gesamte Gruppe kannten und deren Dorf uns beschützte. Heute würden wir die meiden. Wir würden auch nie mit dem IS arbeiten oder deren Leute auch nur wissen lassen, wo wir uns aufhalten - während wir 2013 noch "Audienzen" bei deren Emiren hatten. Es gab ein Zeitfenster von Mai bis August 2013, da konnte man die treffen. Danach wurde es zu gefährlich. Wir hatten gemischte Erfahrungen mit der Bundeswehr, absurde bis heitere mit den Amerikanern. Die taten sich erst schwer, Deutsche überhaupt zu embedden, aber war man einmal drin, konnten man sich freier bewegen als irgendwo sonst. Die PKK: Kontrollfreaks, aber man kann sich sicher fühlen. Syrische Rebellen generell: das Gegenteil. Die niederländische Armee in Afghanistan: Wer nichts kann, wird Presseoffizier, was wiederum das Arbeiten mit an sich klugen Leuten erschwerte. Die afghanische Armee: sehr nett, aber bei den Taliban fühlt man sich sicherer. 

Ist das nicht auch eine Form vom "weichen" embedded Journalism?

Christoph Reuter: Selbstverständlich. Aber es bleibt auch jedem selbst überlassen, was er daraus macht. Nur, weil sich manche Kollegen als Lautsprecher der Militärs haben benutzen lassen, diese Form der Recherche grundsätzlich zu verteufeln, ist weltfremd. Wie wollen Sie sich denn sonst in solchen Gegenden bewegen? Es gibt die bizarre Tendenz derer, die nie auf heikle Recherchereisen gehen, die "Vorort-Falle" zu entdecken und mäkelnd zu behaupten, die wichtigsten Dinge finde man am Schreibtisch heraus. Dem ist nur nicht so.

Wie wichtig, wie heikel sind Mitarbeiter der Geheimdienste bei der Informationsbeschaffung in Kriegs- und Krisengebieten?

Christoph Reuter: Meistens wissen die selbst recht wenig und stets haben sie eine Agenda. Warum sagen sie uns dieses oder jenes? Was der BND zum Beispiel zu Syrien abgegeben hat, war solch haarsträubender Blödsinn, noch nicht einmal politisch gefärbt, sondern einfach komplett ahnungslos, dass es mehr aussagte über den Bundesnachrichtendienst als über die Lage im Land. Grundsätzlich ist es ein ungesundes Abhängigkeitsverhältnis, am Tropf irgendwelcher Behörden zu hängen, davon sollte man sich freimachen. Aber dafür muss man halt selber recherchieren.

Haben sie grundlegende Tipps, wie man solche Informationen verwertet und wie man verhindert, instrumentalisiert zu werden?

Christoph Reuter: Alles, alles, alles, was wir von Quellen vor Ort bekommen, ohne selbst da gewesen zu sein, und was strittig sein könnte, klären wir ab mit einer zweiten Quelle. Bei manchen Details vertrauen wir nur auf Informanten, die wir seit Jahren kennen und die uns nie belogen haben. Das ist oft mühsam, und wir haben die phantastischsten Geschichten liegen, die wir nicht ausreichend belegen können. Wenn wir uns nur einmal gründlich verhauen, wäre der Schaden enorm, insofern verzichten wir lieber auf vorschnelle Scoops. Bei "Cesar", dem syrischen Fotografen, der 55.000 Fotos vom industriellen Töten der Geheimdienste außer Landes schmuggelte, hatten wir schon 1,5 Jahre zuvor detailierte, übereinstimmende Zeugenberichte dazu - aber haben die Geschichte nie gebracht, weil wir eben sonst nichts hatten, keine Fotos, keine Dokumente, keine Belege.

Oft kooperieren Reporter in Krisengebieten ja mit Hilfsorganisationen vor Ort. Was ist der Vorteil - worauf muss man achten?

Christoph Reuter: Kann man machen, kann man lassen. Wenn Sie mit der GIZ (früher GTZ) zu tun haben, empfinden Sie anschließend Nordkorea als Hort der Informationsfreiheit. Andere Organisation sind klüger, entspannter, nur begreifen sie alle oft nicht, dass wir viel mehr Zeit brauchen, eigene Geschichten zu finden, und es wenig Sinn ergibt, uns von Termin zu Termin zu karren.

Wie reibungslos funktioniert die Kooperation zwischen den Korrespondenten vor Ort und den Redaktionen am Stammsitz der Redaktionen?

Christoph Reuter: Bei mir handelt es sich da um die Einzahl. Und die Kooperation mit Hamburg funktioniert so, dass wir heikle Reisen im Detail vorher absprechen, aber die letztendliche Entscheidung (es sei denn, die Ressortleitung interessiert das Thema nicht, oder sie versteht es nicht) im Detail, ob wir reingehen, irgendwo versteckt bleiben oder umkehren, fällt vor Ort. Anders geht es nicht, dieses Vertrauensverhältnis muss da sein. Was im Umkehrschluss auch heißt: lieber dutzendfach jeden Schritt abwägen, zur Not abbrechen, selbst wenn ein Dutzend Menschen wochenlang alles vorbereitet haben, sobald das Risiko-Kalkül zu viele Unbekannte enthält. Wer heute nach Syrien geht, nach Somalia, in manche anderen Gegenden, ist auf sich gestellt. Da holt einen niemand raus.

Welche praktischen Verbesserungsvorschläge haben Sie, um insgesamt die Arbeit der Reporter vor Ort in den Krisen- und Kriegsgebieten zu erleichtern?

Christoph Reuter: Hilfreich wäre es, wenn Chefredaktionen andernorts zumindest ein Mindestmaß an Interesse an den tatsächlichen Verhältnissen vor Ort aufbringen würden und dann gemeinsam mit jenen, die hinfahren sollen, überlegen, wie sich die jeweilige Recherche organisieren lässt. Und: Es kostet halt. Nicht immer Unsummen, oft eher langfristige, überschaubare Beträge für lokale Mitarbeiter, aber es braucht eine gewisse Bereitschaft, sich mittelfristig zu interessieren.

Kann man den "Job" des "Kriegsreporters" oder Reporters in Krisengebieten lernen?

Christoph Reuter: Wie sollte man es sonst lernen, wenn nicht auf dem Wege der Lernens? Das Klügste ist, sich erst einmal ein Land, eine Gegend auszusuchen und sich mit ihr vertraut zu machen. Nicht gerade eine, wo man allzu große Gefahr läuft, entführt zu werden, aber eine, wo man lernt, Kontakte zu knüpfen, Spannungen auszuhalten, derlei. Und dann: sich langsam weiter vorantasten.

Welches Rüstzeug ist dringend notwendig?

Christoph Reuter: Ein unerschrockenes Gemüt und eine stabiler Magen. Schon bei der Frage der schusssicheren Weste wird es kompliziert: In manchen Situationen schützt sie, in anderen erhöht sie das Risiko überhaupt erst als Ziel wahrgenommen zu werden.

Wie bewerten Sie die Schnellkurse für Korrespondenten in Hammelburg? Reicht das hier vermittelte Wissen?

Christoph Reuter: Nein, aber das soll, kann es ja auch überhaupt nicht. Hammelburg vermittelt technisches Wissen, wie schütze ich mich vor Minen, was mache ich im Fall einer Schusswunde. Aber das viel wichtigere Vorfeld, mit dem man immer zu tun hat, anders als die Schusswunde und das Minenfeld, ist in jedem Land anders. Ich hatte bei einer anderen Organisation schon heftige Debatten über Sinn und Unsinn von Empfehlungen. Der Trainer bestand darauf, bei einem Entführungsversuch, wenn man selbst im Auto sitzt, sofort aufzugeben, die Türen zu öffnen, etc. Ich war sechs Wochen zuvor gerade einem Entführungsversuch in Kabul entkommen, weil wir anders gehandelt hatten. Nicht aggressiv, sondern abwartend, es war eine Situation im Stadtzentrum, also mussten die Entführer halbwegs leise bleiben. Als sie die Fenster nicht zertrümmern konnten und einen Schuss in die Luft abgaben, wurden die Wächter eines nahebei wohnen Warlords auf die Situation aufmerksam und rannten herbei, woraufhin die Entführer flohen. Auf dem Lande hätten wir anders reagiert, je nach Zahl der Männer hätten wir unterschiedlich reagiert, das lässt sich nicht verallgemeinern. Hammelburg war gut für den Balkan, aber dort gibt es halt im Moment keinen Krieg. In Südafrika kann es fatal sein, an einer roten Ampel zu halten, im Libanon kann es fatal sein, an einem Checkpoint nicht zu halten. Jedes Land hat seine Regeln - und die muss man kennen.

Viele Korrespondenten rücken nicht an das (Kriegs)-Geschehen heran, werden sogar aufgefordert sicheren Abstand zu halten. Wie lässt sich dieser Auftrag konstruktiv lösen?

Christoph Reuter: Gar nicht, denn wenn keiner mehr hinfährt, weiß auch keiner mehr, wie es geht. Die Allerletzten, die wissen, wie gefährlich eine Gegend wirklich ist, sind die Chefredakteure. Was und wen sie kennen sollten, sind hingegen ihre Reporter: Gefahrensucher in Gefahr zu schicken, geht schief. Leute loszuschicken, die in den gefährlichsten Gegenden aussteigen, um mit ihrem Satellitentelefon für eine halbe Stunde auf einem Hügel in einer Fremdsprache zu telefonieren, werden anschließend entführt. Mit einem christlichen Übersetzer zu radikalen Islamisten zu fahren, führt zu unnötigen Scheinhinrichtungen, und so fort. Was nicht schlecht ist, auch wenn es etwas skurril klingt: Wir gehen bei jedem Todes- oder Entführungsfall von Kollegen in Syrien, im Irak, in Afghanistan die Situation durch. Was hat die Person vielleicht falsch gemacht? Was ließe sich zumindest vermeiden? Worauf sollten wir mehr achten? Wen sollten wir fortan meiden in einer bestimmten Gegend? Das ist ein fortwährend rotierendes Räderwerk der Gefahrenminimierung, das auch den Austausch mit "Sicherheitsberatern" von NGOs und TV-Sendern mit einschließt, mit allen möglichen Leuten, die dazu beitragen können, eine Recherchereise sicherer zu machen.

Viele Kolleginnen und Kollegen streben "ihren" Job an. Was raten Sie denen?

Christoph Reuter: Sich das gut zu überlegen. Aber so viele sind es letztlich gar nicht: Im Irak 2004 waren wir vier Deutsche, in Kabul war ich der einzige deutsche Korrespondent, der dort über Jahre auch lebte.

Was müsste sich denn aus Ihrer Sicht im Krisen- und Kriegsjournalismus ändern?

Christoph Reuter: Naja, über die Perspektive der Schießenden und Kämpfenden kann ich schlecht befinden. Die eine haben nachvollziehbare Gründe, uns umbringen zu wollen, weil wir ihre Lügen stören. Die anderen verstehen oft nicht, dass wir ihre Hilfe in Anspruch nehmen, vielleicht ihre grundsätzlichen Motive teilen - aber immer noch berichten, wenn sie ihre Gefangenen misshandeln oder erschießen. Aber das betrifft alles Menschen in Extremsituationen, in die 99,99 Prozent aller Kollegen ohnehin nie kommen. Viel relevanter für unser Tun erscheint mir die Trägheit, Gleichgültigkeit unserer Branche, die nur noch "Content" zu kennen scheint, aber keine Recherche mehr, die Themen "managen" und "choreographieren" will, ohne sie auch nur im Ansatz zu begreifen. Wenn sich Redaktionen damit zufrieden geben, bei einem Massaker, einem Giftgasangriff, einem Flugzeugabschuss die eine Seite zu zitieren, dann die andere Seite und das Ganze abschließend als Ausgewogenheit bezeichnen - dann haben sie ihren Beruf verfehlt. Unklarheit kann Beginn einer Recherche sein, aber niemals ihr Ergebnis. Wir bräuchten ein Selbstverständnis unserer Profession, dass die Recherche an erste Stelle stellt, dass nicht die richtige Fönfrisur für den TV-Aufsager, nicht die hastig zusammengesammelten Zitate an erster Stelle stehen. Oder dass nicht fortwährend jene "Experten" im ARD-Studio versammelt werden, die nie an jenen Orten waren, über die sie wortreich schwafeln - aber die halt jederzeit erreichbar sind und mit dem Fahrrad ins Studio kommen können.

Welches Profil zeichnet einen guten Auslandskorrespondenten aus?

Christoph Reuter: Falsche Frage, denn diejenigen, die aus dem Ausland berichten, zunehmend mehr Freie, laufen am Gängelband von Redaktionen, die wahlweise nichts wagen oder nichts bezahlen wollen. Beides ist falsch. Ein guter Auslandsberichterstatter braucht Kenntnisse, Geduld und ein gewisses Budget, lokale Rechercheure für sich graben zu lassen. Und dann braucht er eine Redaktion (oder derer mehrere), die ihm vertrauen. Und für sich selbst: braucht er neben Erfahrung etwas, was sich nicht lernen lässt: ein außerordentlich stabiles Gemüt (vulgo: Kaltblütigkeit), hinterher keine Alpträume zu bekommen, wenn neben ihm jemand stirbt, ein paar Stockwerke über ihm das Dach kollabiert oder im Minutentakt Panzergranaten in 100 Meter Entfernung einschlagen. Oder ruhig zu bleiben, wenn Bewaffnete einen entführen wollen. Wenn oder sobald dies nicht mehr gegeben ist, sollte man an den Schreibtisch zurückkehren.

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Ihre Kommentare
Kopf

Klaus

17.11.2015
!

Was der BND zum Beispiel zu Syrien abgegeben hat, war solch haarsträubender Blödsinn, noch nicht einmal politisch gefärbt, sondern einfach komplett ahnungslos, dass es mehr aussagte über den Bundesnachrichtendienst als über die Lage im Land.
.
Das sollte man eingerahmt an die Bundespressekonferenz und an und an... schicken.
Fefe fordert zu Recht bei jeder Meldung über diese ahnungslosen bis kriminelle Vereinigung: "abschaffen!"


Jens

17.11.2015
!

Mich würde interessieren, um welche Aussagen des BND es konkret geht. Rebellenarmee? Giftgas? Beliebtheit von Assad? Politische Gefangene?


Guido

18.11.2015
!

Ich schließe mich Jens an.

Außerdem habe ich mir kurz die Vita von dem Mann angeschaut. Er hat wie Udo Ulfkotte Islamwissenschaft studiert, hatte auch Kontakt zum BND, aber es sei nichts gelaufen und er dementiert, der BND sei total unfähig.

Warum schreibt er das dann mal nicht konkret mit Details über den BND? Wir warten alle auf einen deutschen Snowden, auch ein Mini-Snowden wäre schon mal ein Anfang.


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