Kulturmarketing: Zwitschern aus dem Theater und deutschen Museen

17.11.2015
 

Dem deutschen Theater fehlen die Zuschauer, auch manche Museen gelten als alt und verstaubt. Mit sozialen Medien soll gezielt ein junges Publikum angesprochen werden.

Dem deutschen Theater fehlen die Zuschauer, auch manche Museen gelten als alt und verstaubt. Mit sozialen Medien soll gezielt ein junges Publikum angesprochen werden. Vor allem in Nordrhein-Westfalen gelingt das gut.

Es sind gerade kleine Theater und Museen, die immer mehr experimentieren - auch mit sozialen Medien: "Die Kunst-und Kulturszene hat ein unheimlich großes Potenzial, mit sozialen Medien andere Zielgruppen anzusprechen. Dieses könnte an vielen Stellen noch besser genutzt werden", sagt Ute Korinth, Expertin für Social Media im Kulturbereich. Einen Facebook- oder Twitter-Account zu haben, reicht oft nicht mehr aus. Es gebe aber auch schon einige Beispiele wie das Dortmunder U, das Schauspiel Dortmund oder auch die Dortmunder Philharmoniker, denen das richtig gut gelingt.

#doklassik

Seit 2013 haben die Philharmoniker einen Twitter-Account. Und auch deshalb werden zu jedem Konzert - neben der klassischen Journalisten - auch Social Media Blogger und Journalisten eingeladen, die während des Konzerts live twittern, beispielsweise unter dem Hashtag #doklassik. An Plätzen, die extra für sie reserviert sind und auf dem ein Twitter-Guide liegt. Darin steht unter anderem, dass die Bildschirmbeleuchtung reduziert werden sollte und Fotos nur ohne Blitz gemacht werden dürfen. Auch W-LAN gibt es während der Vorstellungen.

Schauspiel Dortmund veranstaltet Tweet-Ups 

Der Erfolg gibt es den Dortmunder Philharmonikern recht: Durchschnittlich hat das Haus 32.000 Besucher im Jahr. Dem Beispiel gefolgt ist auch das Schauspiel Dortmund, das regelmäßig sogenannte Tweet-Ups veranstalten. Darunter wird eine Zusammenkunft von Twitterern verstanden, die während der Veranstaltung miteinander und mit der Außenwelt kommunizieren. Das Handy ersetzt also den Schreibblock der klassischen Journalisten.

"Handys sind hier nicht verpönt"

"Nicht nur die Kultur- und Kunstszene profitiert enorm von den neuen Möglichkeiten, sondern auch Menschen, die es aus welchen Gründen auch immer, nicht in das Theaterstück oder in das Konzert geschafft haben und die Veranstaltung dank der sozialen Medien im Netz quasi live mitverfolgen können", so Korinth. Twitterer sind dabei nicht die klassischen Kritiker eines Konzerts oder eines Schauspiels, sondern sorgen dafür, dass das Haus mehr Öffentlichkeit bekommt und dabei auch zeigt, dass Handys hier nicht verpönt sind, sondern auch auf die Bedürfnisse von jüngeren, und sicher auch dem einen oder anderen älteren Menschen eingegangen wird.

Denn da haben Traditionshäuser, anders als die Agenturen gerade angesagter Künstler, Nachholbedarf. Bei Rock- und Popkonzerten muss das Konzert-Team eigentlich nur zwischen einem betrübten Studierenden oder der Kreischfraktion unterscheiden - und sie gezielt auf Facebook ansprechen, etwa mit Videos, "die immer gehen", wie Korinth sagt. Nicht selten werden dabei auch direkt die Künstler miteingebunden. Neue Fans werden darüber aber nur selten erschlossen; die Herausforderungen liegen an anderer Stelle: Die meisten Agenten wollen nicht mehr nur die Konzerte vollbekommen, sondern auch einen Service anbieten. Eine Veranstalterin hat sich vor einem Konzert schon mal in die Verkehrsfunkleitzentrale begeben, um die anreisenden Besucher via What's App über Staus zu informieren und auf Umleitungen hinzuweisen. So viel Aufwand betreiben allerdings längst nicht alle Konzertveranstalter oder Theater - und oft sind sie nur regional begrenzt und aus der Initiative von wenigen Menschen entstanden, von denen es mehr braucht.

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