Wie Hans Starck arbeitet: Der Fotograf hinter der "FAZ"-Kampagne "Kluge Köpfe"

23.11.2015
 

Daniel Libeskind liest Zeitung in schwindelerregender Höhe, der kürzlich verstorbene Altbundeskanzler Helmut Schmidt verschwindet eine Zeitung lesend in dicken Nebelschwarten, Maria Furtwängler wird vor einem Schießstand abgebildet. Nun feiert die "Kluge Köpfe"-Fotoserie der "FAZ" ein Jubiläum.

Daniel Libeskind liest Zeitung in schwindelerregender Höhe, der kürzlich verstorbene Altbundeskanzler Helmut Schmidt verschwindet eine Zeitung lesend in dicken Nebelschwarten, Maria Furtwängler wird vor einem Schießstand abgebildet. Nun feiert die "Kluge Köpfe"-Fotoserie der "FAZ" ein Jubiläum.

Seit 1995 schon greift die Bilderserie der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gesellschaftliche Themen und Ereignisse auf – und fotografiert in der Kampagne "Dahinter steckt immer ein kluger Kopf" seitdem herausragende Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Film. Im 20. Jubiläumsjahr ist gerade "Lang Lang spielt die FAZ" erschienen (siehe Galerie). Der Weltstar interpretiert die Zeitung auf seine eigene Weise.

14 Motive der Anzeigenserie hat der Fotograf Hans Starck fotografiert. "Es gibt nur wenige weltbekannte Motive in der Fotografie", sagt Starck. "Und nur wenige, die ähnlich bombastisch sind." Die "Mittagspause auf einem Wolkenkratzer", das das New Yorker Leben der 1930er Jahre zeigt, gehört dazu. Darauf: Elf Bauarbeiter des heutigen General Electric Buildings, die während ihrer Mittagspause in schwindelerregender Höhe auf einem Stahlträger sitzen.

Mit Daniel Libeskind auf dem One World Trade Center

Ganz so hoch musste Star-Architekt Daniel Libeskind nicht steigen: Vier drei Meter lange Aluminiumstreben wurden – im Fahrstuhl – auf den "Tower 4" des One World Trade Centers gebracht. "Die Planung und Vorbereitung hat sehr lange gedauert, das eigentliche Fotografieren nicht länger als 15 Minuten", sagt Starck, der während des Shootings auf einer, wie er sagt, "extrem hohen" Leiter stand und aus der Hand fotografieren musste.

"Daniel Liebeskind fand die Idee direkt super, er ist eine wirklich zugängliche Person" – und er ist begeisterter "FAZ"-Leser. "Ich bewundere das hohe Maß an intellektuellem Journalismus und lese die 'FAZ' nicht nur in Deutschland, sondern auch im Flugzeug auf dem Weg nach Hause, in Europa und natürlich in New York", sagte er Ende vergangenen Jahres.

Scholz & Friends zieht die Strippen

Die Kampagne wird von der Werbeagentur Scholz & Friends koordiniert – und gehört nach eigenen Angaben zu den deutschen Werbekampagnen, die schon besonders häufig ausgezeichnet wurde, zuletzt beim wichtigsten deutschen Kreativwettbewerb, dem ADC-Festival 2014, mit zweimal Gold, einmal Silber und einmal Bronze. Auch das Libeskind-Motiv wurde 2015 ausgezeichnet.

Hans Starck hat eine ganze Reihe der Motive der Fotoserie fotografiert – und die Prominenten bekommen dabei das "Setting" vorgesetzt und können sich dann entscheiden, ob sie mitmachen wollen: "Manchmal braucht es ein bisschen Überzeugungskraft, aber oft machen sie dann auch mit", sagt der Fotograf.

So wurde Hans-Dietrich Genscher mit einer "FAZ" auf dem Balkon der deutschen Botschaft in Prag fotografiert, Günther Jauch musst zeitungslesend auf seinem Stuhl im Studio von "Wer wird Millionär" Platz nehmen.

Ein Making-Of gegen aufkommende Schwindel-Vorwürfe

Vom Gesicht des Fotografierten sieht der Betrachter häufig wenig, schließlich soll die Zeitung im Mittelpunkt stehen. Das führt allerdings manchmal zu Zweifeln, ob der Promi auch wirklich dahinter steckt: "Deshalb drehen wir dazu immer auch ein Making-Of", sagt Starck. "Dann kann der Betrachter das nachrecherchieren und sieht dabei auch, wie wir arbeiten." Insgesamt ließen sich so bereits über 90 Persönlichkeiten fotografieren.

Frauen für die "FAZ" forderte im vergangenen Jahr auch die Initiative Pro Quote, die damals die "FAZ"-Kampagne "Kluge Köpfe" persiflierte – und damit auch auf den Mangel an weiblichen Mitgliedern der "FAZ"-Führungsriege aufmerksam machte. Auch bei der Kampagne fällt auf: Besonders viele Frauen waren nicht dabei. Fotografiert wurden insgesamt elf Frauen - darunter unter anderem Maria Furtwängler, Marianne Birthler und die Comicfigur Lisa Simpson. 

Ihre Kommentare
Kopf
Inhalt konnte nicht geladen werden.