"Du bist hier in Sicherheit!": Warum Kai Diekmann einer syrischen Flüchtlingsfamilie Zuflucht bietet

 

Es ist eine Schein-Intimität, die Kai Diekmann auf Twitter und Facebook inszeniert. Fast nie äußert sich der langjährige "Bild"-Chefredakteur zu seinem Privatleben, das quasi tabu ist, eine Sperrzone für die Öffentlichkeit. Einzig für "Hürriyet" hat Diekmann eine Ausnahme gemacht - und darüber gesprochen, warum er eine syrische Flüchtlingsfamilie aufgenommen hat.

Es ist eine Schein-Intimität, die Kai Diekmann auf Twitter und Facebook inszeniert. Fast nie äußert sich der langjährige "Bild"-Chefredakteur zu seinem Privatleben, das quasi tabu ist, eine Sperrzone für die Öffentlichkeit. Einzig für "Hürriyet" hat Diekmann eine Ausnahme gemacht - und darüber gesprochen, warum er eine syrische Flüchtlingsfamilie aufgenommen hat. Für die türkische Zeitung ließ sich Diekmann sogar mit einem seiner Schützlinge vor dem Brandenburger Tor ablichten.

Deutschland bekommt in der Türkei ein neues, ein freundliches und nicht mehr so behaartes Gesicht: Während die türkischen Medien aktuell in Sorge immer wieder über AfD, Pegida oder über verwirrte Schriftsteller mit Selbstdarstellungsdrang berichten, zeigt "Hürriyet", dass es auch Deutsche gibt, die nichts von dem Hass auf die Fremden halten und sich für diese einsetzen.

Diekmanns bester Freund ist ein Türke

Kai Diekmann verrät im Gespräch mit "Hürriyet"-Redakteur Cinar Oskay, dass Ertugrul Özkök, "Bild"-Kolumnist ("der berühmteste Journalist der Türkei") und ehemaliger "Hürriyet"-Chefredakteur, sein bester Freund sei. Özkök kommt schließlich auch schon im Buch "Silicon Wahnsinn" (die Szene mit dem Gottesdienstbesuch) von Katja Kessler, Zahnärztin und Ehefrau des "Bild"-Chefredakteurs, vor.

Jedes Frühjahr urlaubt Diekmann gemeinsam mit Ertugrul Özkök - in diesem Jahr in Bodrum und im griechischen Leros, verrät er "Hürriyet". Dort erlebte er hautnah das Schicksal der Flüchtlinge und beschloss spontan, eine Flüchtlingsfamilie aufzunehmen. Nach der Zustimmung seiner eigenen Familie bat er einen seiner Reporter um Unterstützung, der regelmäßig aus Syrien berichtet (ohne dass er den Namen nennt, kann es sich dabei nur um "Bild"-Chefreporter Paul Ronzheimer handeln). Der "fand" auch innerhalb von 48 Stunden "einen Flüchtling für Diekmann" - "einen Mann mit seinen zwei Kindern, der bei einem Schiffsunglück in Libyen seine Frau verloren hat", gibt Diekmann bei "Hürriyet" zu Protokoll.

Als dieser Mann namens Mounes Alani mit seinen Kindern bei den Diekmanns ankam, war Kai Diekmann zwar nicht zu Hause. Seine Hausangestellten bereiteten der syrischen Familie aber einen herzlichen Empfang mit einem tollen Abendessen. "Mir haben sie dann ein Foto von dem Abendessen zugeschickt. Ich habe sofort angerufen und ihm gesagt: Du bist hier in Sicherheit", sagt Diekmann in "Hürriyet".

"Bratwurst vom Schwein"

Direkt in den ersten Tagen habe er Mounes Alani klargemacht, dass er manchmal Feten schmeiße: "Ich habe ihm gesagt, dass hier jeder das trinken kann, was er will und dass immer wieder Bratwurst vom Schwein gegrillt wird." Ihm habe er aber gezeigt, wo er Fleisch, das nach muslimischem Ritual geschlachtet wurde, kaufen kann.

Diekmann berichtet, dass sein Gast die ersten Tage illegal in seinem Haus lebte. "Er kam direkt über Italien zu uns. Normalerweise hätte er in einem Flüchtlingscamp 50 Kilometer außerhalb von Berlin leben müssen. Die Verwaltung in Potsdam beharrte darauf, den Mann und seine Kinder dorthin zu senden. Ich habe mich ein wenig mit denen gestritten, ihnen gesagt, na dann kommt mal und holt ihn dann ab". Diekmann weiter: "Als die Verwaltung ihn dann nach zwei Wochen nicht abgeholt hat, haben sie meinem Haus den Status eines Flüchtlingsheims gegeben! In Deutschland ist Bürokratie wirklich alles."

Für die Aufnahme der Flüchtlingsfamilie sollte Diekmann monatlich 600 Euro vom Staat erhalten. Darauf habe er verzichtet: "Sie sind unsere Freunde". Wann immer es sich ergibt, würden sie heute gemeinsam essen. Zudem besuchen die Kinder von Mounes Alani dieselbe katholische Schule wie die Kinder von Diekmann und Kessler.

In Diekmanns Nachbarschaft gibt es übrigens eine weitere Familie, die in ihrem Anwesen Flüchtlinge aufgenommen hat (nach kress-Infos handelt es sich dabei ebenfalls um einen Mitarbeiter der Axel Springer SE).

Auch wenn Diekmann wohl (fast) der prominenteste Medienmacher ist, der sich privat für Flüchtlinge engagiert - viele Journalistinnen und Journalisten, aber auch Verlagsangestellte machen sich in ihrer Freizeit stark für Flüchtlinge, geben Deutschunterricht oder helfen in der Kleiderkammer aus (wie Emanuel Beer, Chefredakteur des in Erfurt erscheinenden "Allgemeinen Anzeigers"). Der Einsatz von Kai Diekmann zeigt aber vor allem die menschliche Seite des Mannes, der für Schlagzeilen und Storys seines Blattes in den vergangenen Jahren oft massiv angegriffen wurde. Ohne großes Aufheben öffnet er sein privates Heim, bietet Flüchtlingen Schutz in ihrer größten Not.

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