Der neue Super-Vermarkter der Zeitungen: Wie Deutschlands Verleger sich bereitmachen

 

Deutschlands Regionalzeitungen wappnen sich. Dem immer selbstbewusster auftretendem Handel wollen vor allem die regionalen Verleger endlich wieder ebenbürtig begegnen. Wie aus einem aktuellen Arbeitspapier hervorgeht, nimmt die neue Vermarktungsorganisation für das nationale Geschäft der Regionalzeitungen, bislang bekannt unter "Projekt Lotus", immer klarere Formen an.

Deutschlands Regionalzeitungen wappnen sich. Dem immer selbstbewusster auftretendem Handel wollen vor allem die regionalen Verleger endlich wieder ebenbürtig begegnen. Nicht Bittsteller, sondern Partner auf Augenhöhe sollen miteinander ins Geschäft kommen. Wie aus einem aktuellen Arbeitspapier hervorgeht, nimmt die neue Vermarktungsorganisation für das nationale Geschäft der Regionalzeitungen, bislang bekannt unter dem Namen "Projekt Lotus", immer klarere Formen an. 400 Millionen Euro beträgt laut den kress.de vorliegenden Dokumenten das erhoffte Nettovermarktungspotenzial.

Von Funke bis RheinMainMedia

Gründungsverlage des neuen Vermarkters sind die Funke Mediengruppe, die Madsack Mediengruppe, die DuMont Mediengruppe, die Südwestdeutsche Medienholding, die Verlagsgruppe Ippen, die Rheinische Post Mediengruppe, die Mediengruppe Pressedruck, Medien Union, Verlagsgruppe Rhein Main und RheinMainMedia. Der Zusammenschluss der bislang noch getrennt arbeitenden Vermarkter Medienhaus Deutschland (MHD) und Nielsen Ballungsraum Zeitungen (NBRZ) erreicht laut eigenen Angaben bereits eine Reichweite von rund 30 Millionen Leserinnen und Lesern.

Als erstes, als wichtigstes Ziel soll das aktuelle NBRZ und MHD-Geschäft auf die neue Gesellschaft übertragen werden, deren finaler Name immer noch nicht feststeht. Zudem wird derzeit unter Hochdruck an neuen Produkten/Belegungseinheiten und neuen kundenindividuellen Angeboten gearbeitet. Der "smarte, neue Vermarkter" (Claim) soll Neugeschäft gegen nationale Werbeträger durch "attraktive, marktadäquate Produkte, zunächst Tageszeitung (Print und Digital), perspektivisch auch mit allen weiteren Produkten unserer regionalen Medienhäuser" gewinnen. Klare Aussage: "Der Vermarkter handelt innerhalb festzusetzender, wettbewerbsfähiger Regularien autonom."

Die Verlage betrachten ihr Engagement im "Projekt Lotus" ohne "Tabus". Alles darf vom Projektteam, das an dem Konzept mit externer Unterstützung arbeitet, infrage gestellt werden, ein "Neustart auf grüner Wiese". "Am Ende ist es nur wichtig, dass alles funktioniert und läuft", sagt ein mit dem Fall Betrauter, der nicht genannt werden möchte. Zu den Zielen gehören daher auch: "Relevanzverlust und Umsatzrückgang stoppen, marktgemäßes Angebot gestalten, systematische und druckvolle Marktbearbeitung organisieren, schnell und flexibel sein."

Doch das reicht noch längst nicht, heißt es in dem Arbeitspapier, das kress.de vorliegt.

Der neue Super-Vermarkter der Regionalzeitungen, der auf ein Vermarktungsvolumen von 400 Millionen Euro hofft, wird dabei von drei Standbeinen getragen - den "Rückgratverlagen" (die bereits genannten Gründungsgesellschafter), den "Reichweitenverlagen" (bis zu 23 Verlage mit über 100.000 Exemplaren Auflage, sie bilden den Gesellschafterkreis 2) und dem Mandantengeschäft (bis zu 90 Verlage mit Auflagen bis 100.000 Exemplaren, Basis: Vermarktungsvertrag).

Ziel von "Lotus" ist es, schnell der nationale Vermarkter der regionalen Medienhäuser zu werden - "marktnah, schnell und verbindlich".

Was sich die Verlage vorgenommen haben:

- Lotus ist mit einem umfassenden Vermarktungsmandat für das nationale Geschäft aller angeschlossenen Verlage ausgestattet

- Perspektivisch wird Lotus mit einem breiten Portfolio aus TZ-Anzeigen- und Beilagengeschäft, dto. für Anzeigenblätter, Direktverteilung, Neuprodukten (Sonderthemen, Digital) und Crossmedia-Geschäft arbeiten

- Lotus agiert marktnah, schnell und verbindlich unter Nutzung eines eigenen Außendienstes mit Büros in den wichtigsten Werbestädten und professionellen Support-Funktionen auf Augenhöhe mit den besten Wettbewerbern

- Der Kundenwunsch bestimmt das Angebot: Lotus schneidet seine Angebote bedürfnisgerecht zu

- Die Vermarktungsleistung wird kosteneffizient erbracht – Lotus finanziert sich aus einem attraktiven Provisionssatz der in Summe nicht über den heutigen Gesamtkosten der Vermarktung liegt

- Lotus zielt auf die Maximierung der Werbeerlöse für alle Regionalverlage

- Lotus ist Vermarkter für alle – große, mittlere und kleine – Regionalverlage, diese können sich als Mandanten zu fairen Bedingungen, allein und in Kombinationen vermarkten lassen

Sprecher der Projektgruppe sind Christoph Rüth, Geschäftsführer der Madsack Gruppe, und Herbert Dachs, der neue Geschäftsführer der Medienholding Süd (u.a. "Stuttgarter Nachrichten", "Stuttgarter Zeitung"). "Es ist unser Ziel, mit unserem Angebot jeden deutschen Haushalt bis in jeden Winkel der Republik zu erreichen. Wir wollen einen schlagkräftigen Verbund starker regionaler Zeitungsmarken mit hoher Qualität, die flexibel und kundenorientiert aus einer Hand gesteuert und vermarktet werden",  ließ sich Christoph Rüth bei der Vorstellung der Pläne offiziell zitieren.

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