"Menschen für Xavier Naidoo": Wer hinter der Soli-Anzeige in der "FAZ" steckt

 

Eine ungewöhnliche, ganzseitige Anzeige sorgt am Samstag in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" für Gesprächsstoff am Frühstückstisch. "Menschen für Xavier Naidoo" steht im Feuilleton in schwarzer Schrift auf rotem Grund, darunter über 100 Namen von Sängern, Schauspielern, Komikern, Journalisten und Managern. Unterschrieben haben unter anderem Mario Adorf, Jan Delay, Andreas Gabalier, Til Schweiger oder Anna Loos.

Eine ungewöhnliche Anzeige sorgt am Samstag in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" für Gesprächsstoff am Frühstückstisch. "Menschen für Xavier Naidoo" steht im Feuilleton in schwarzer Schrift auf rotem Grund, darunter über 100 Namen von Sängern, Schauspielern, Komikern, Journalisten und Managern. Unterschrieben haben unter anderem Mario Adorf, Jan Delay, Andreas Gabalier, Til Schweiger oder Anna Loos. Die Soli-Aktion geht vom Konzertveranstalter Marek Lieberberg aus.

"Unpolemische Solidarität"

In einer Mitteilung hatte Lieberberg in dieser Woche zur Solidarität mit Xavier Naidoo aufgerufen: "Liebe Künstler und Kulturschaffende, ich möchte euch bitten, eure Solidarität mit Xavier Naidoo ganz unpolemisch zum Ausdruck zu bringen, indem ihr diesen Appell unterstützt: 'Menschen für Xavier Naidoo'", hatte Lieberberg, der auch die Konzerte des Mannheimer Sängers organisiert, geschrieben.

Hintergrund: Sänger Xavier Naidoo wird Deutschland nicht beim Eurovision Song Contest (ESC) im nächsten Jahr vertreten. Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) zog am vergangenen Samstag seinen entsprechenden Vorschlag zurück, wie der Sender mitteilte. "Es war klar, dass er polarisiert, aber die Wucht der Reaktionen hat uns überrascht. Wir haben das falsch eingeschätzt", sagte ARD-Unterhaltungskoordinator Thomas Schreiber. Naidoo war nach seiner Nominierung vor allem im Netz massiv kritisiert worden.

Das Zurückrudern des NDR schlug in dieser Woche hohe Wellen. Sogar Herbert Grönemeyer, Deutschlands wohl beliebtester Sänger, der sich nur selten in politische Debatten einschaltet, verteidigte Naidoo: "Der NDR konnte sich glücklich schätzen, so ein Kaliber wie Xavier für seine Eurovision gewonnen und überredet zu haben. Was jetzt auf seinem Rücken für ein absurdes Theater abgefertigt wird, ist unverständlich." Der 59-Jährige fügte hinzu: "Xavier ist einer der besten und etabliertesten Musiker und Sänger bei uns, weder homophob, noch rechts und reichsbürgerlich, sondern neugierig, christlicher Freigeist und zum Glück umtriebig und leidenschaftlich. Wir brauchen keine Gesinnungspolizei oder Meinungsüberwachung ..."

"Jesus Christus Vorbild von Xavier Naidoo"

Ein ARD-Journalist, der Naidoos Aufstieg seit Jahren begleitet und beobachtet, sagte kress.de, dass Xavier Naidoo mit der rechtsradikalen Szene nichts zu tun habe. Naidoo wolle einfach "auf alle Menschen zugehen", weil für ihn die Zeit der Ausgrenzungen und des Hasses (auch gegen ihn selbst) vorbei sein müsse. Naidoo habe sich "Jesus Christus als Vorbild genommen, der auch dahin ging, wo es weh getan" habe. Der ARD-Journalist, der nicht genannt werden will, sagte, dass man Naidoos Aussagen durchaus lächerlich finden könne, "aber er ist nicht rechts und hat auch keine Nähe zu Rechtsradikalen." Vielmehr habe es in den vergangenen Jahren häufig Fernsehbeiträge gegeben, die Naidoos Aussagen nur bruchstückhaft wiedergegeben hätten, bemängelte er.

Innerhalb der ARD richtet sich der Ärger einiger Rundfunkhäuser nun auch gegen NDR-Intendant Lutz Marmor, von dem erwartet wird, dass er nach der Nominierungs-Blamage auch personelle Konsequenzen in seinem Hause zieht.

"Menschen für Xavier Naidoo"

Die Solidaritäts-Anzeige "Menschen für Xavier Naidoo" haben unter anderem unterschrieben: Alex Auer, Mario Adorf, Azad, Farid Bang, David Banks, Birgit Bauer, Dirk Baur, Tom Beck, Dirk Becker, Tim Bendzko, Tom Boy, Roswitha Brenner, Heinz Canibol, Anja Caspary, Yvonne Catterfeld, Bülent Ceylan, Chima, Roger Cicero, Jan Delay, Samy Deluxe, Die Prinzen, Dr. D, Astrid Eckstein, Philippe van Eecke, Willy Ehmann, El PresidenTe D, Angelica Fleer, Katja Friedberg, Andreas Gabalier, Joe Garvey, Rea Garvey, Gerd Gebhardt, Jorge Gonzales, Prof. Dr. Christof Graf, Peter Gramsch, Matthias Grosch, Ralf Gustke, Michael Herberger, Bernd Herrmann, Marcus Hotze, Annette Humpe, Karsten Jahnke, Jacky Jedlicki, Christian Jürgens, Jürgen Jürgens, Jules Kalmbacher, Sophie Kammann, Guido Karp, KC Rebell, Mark Keller, Michael Klimas, Ralf Kokemüller, Michael "Kosho" Koschorrek, Julia Kraushaar, Heinz Rudolf Kunze, Peer Kurrer, Jochen Leuschner, Marek Lieberberg, Andre Lieberberg, Daniel Lieberberg, Hagen Liebing, Jan Josef Liefers, Johnny Logan, Michael Lohmann, Konrad von Löhneysen, Anna Loos, Edward Maclean, Tim Mälzer, Robbee Mariano, Milan Martelli, Silke Marthen, Alexander Maurus, Mario Mendrzycki, Gregor Meyle, Gudrun Mittermeier, Michael Mittermeier, Mousse T, Mr. Dürr, Patrick Mushatsi-Kareba, Max Mutzke, Nature Tom, Ingo Nommsen, Tino Oac, Kay One, Neil Palmer, Miriam Pielhau, Friederike Pracht, Katharina Pracht, Peter Pracht, Pur, Alex Richter, Ruben Rodriguez, Nico Röger, Julia Röntgen, Michael Russ, Dominik Sanz, Sasha, Kool Savas, Rabea Schif, Richard Schönherz, Atze Schröder, Klaus-Peter Schulenberg, Til Schweiger, Linda Seidensticker, Silly, Sir Thomas, Rüdiger Skoczowsky, Rolf Stahlhofen, Michael Stark, Christina Stürmer, Nico Suave, TaiDai, Tdissooo!, The Bosshoss, Thomas D, Antje Voller, Steffen Wink, Daniel Wirtz, Dr. Frank Wolf, Thomas Wolf und Lars Zimmermann.

Laut Listenpreis kostet eine ganzseitige Anzeige in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" am Samstag mindestens 67.580 Euro.

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