150 von 727 Stellen fallen bis 2018 weg: "Spiegel" schließt Betriebsbedingte Kündigungen nicht aus

 

Mit voller Wucht trifft die Medienkrise den "Spiegel"-Verlag. Von derzeit 727 Stellen fallen bis 2018 mindestens 150 Stellen weg. Mit dem dramatischem Restrukturierungsprogramm, das sich aus mehr als 100 Maßnahmen zusammensetzt, sollen innerhalb von zwei Jahren mehr als 16 Millionen Euro eingespart werden.

Mit voller Wucht trifft die Medienkrise den "Spiegel"-Verlag. Von derzeit 727 Stellen fallen bis 2018 mindestens 150 Stellen weg. Mit dem dramatischem Restrukturierungsprogramm, das sich aus mehr als 100 Maßnahmen zusammensetzt, sollen innerhalb von zwei Jahren mehr als 16 Millionen Euro eingespart werden. In der Redaktion sind 35 Stellen betroffen.

"Der Spiegel" bleibt selbstständig und stemmt aus eigener Kraft den Strukturwandel. Das ist die gute Nachricht. Die Gesellschafter haben dem anspruchsvollen Umstrukturierungsprogramm zugestimmt, das unter Federführung von Geschäftsführer Thomas Hass erarbeitet wurde.

Nachdem 2014 der "Spiegel" komplett mit sich selbst beschäftigt war, liegt es nun an Thomas Hass, "Spiegel"-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer und "Spiegel-Online"-Chefredakteur Florian Harms, die Schritte im Haus auch durchzusetzen, die in den vergangenen Jahren immer notwendiger wurden. Die Mitarbeiterzahl, Personalkosten und Sachkosten blieben seit 2011 stabil, während die Auflage zurückging und weniger Anzeigen verkauft werden konnten.

"Es sind harte und schmerzliche Schritte, die wir vor uns haben"

Die Personalmaßnahmen seien ihm extrem schwergefallen, sagte am Mittag Geschäftsführer Thomas Hass bei einem Pressegespräch in der Ericusspitze. "Es sind harte und schmerzliche Einschnitte, die wir vor uns haben. Ich bedaure sehr, dass wir uns von Kolleginnen und Kollegen trennen müssen. Aber es gibt leider keine Alternative zu diesem Abbau von Stellen, wenn wir die wirtschaftliche Zukunft unseres Unternehmens sichern wollen", so Hass. Es gehe darum, den Verlag agiler, moderner aufzustellen. Man wolle flexibler werden. Insgesamt fallen 149 Stellen weg. Wie viele Personen genau betroffen sind, konnte die Geschäftsführung allerdings nicht sagen. Es könnte sich also am Ende durchaus in der Größenordnung von 200 betroffenen Mitarbeitern bewegen, wie der "Kontakter" am vergangenen Donnerstag zuerst gemeldet hatte.

"Eigener, verantwortungsvoller Spiegel-Weg" beim Personalabbau

Auf einer Mitarbeiterversammlung kündigte Hass an, dass der Verlag den Personalabbau möglichst fair und angemessen gestalten wolle und dabei vor allem auf freiwillige Beendigungen setze. "Es wird dafür einen eigenen, verantwortungsvollen 'Spiegel'-Weg geben, den wir in enger Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat sorgfältig vorbereiten."

Das Restrukturierungs-Programm, an dem seit Juni im Haus gearbeitet werde und das laut Unternehmensleitung ohne externe Hilfe erstellt wurde, habe das Ziel, die journalistische Unabhängigkeit für die Zukunft zu sichern. "Ziel ist das bestmögliche, nicht das kleinstmögliche Unternehmen", heißt es in einem Arbeitspapier. Tabus habe es bei den Überlegungen nicht gegeben, von den Sparmaßnahmen seien selbstverständlich auch die "stillen Gesellschafter" betroffen.

Großer Beitrag: In der Redaktion werden 6,4 Mio Euro eingespart

Insgesamt gibt es im "Spiegel"-Verlag derzeit 727 Stellen, 2018 sollen es noch 578 Stellen sein. In der Redaktion verschwinden 35 Stellen (2014: 294, 2018: 259), in der Dokumentation 14 (2014: 87, 2018: 73) und im Verlag 100 (2014: 346, 2018: 246). So sollen in der Redaktion 6,4 Millionen Euro, in der Dokumentation 1,5 Millionen Euro und im Verlag 8,2 Millionen Euro eingespart werden. Selbst Betriebsbedingte Kündigungen seien nicht ausgeschlossen, das allerdings nur als Ultima Ratio.

Mit ihrer Zustimmung für die "Spiegel"-Agenda 2018 haben auch die Gesellschafter mehrheitlich zugestimmt, mehr Rücklagen zu bilden, um die Kosten zu stemmen. Die Ausschüttung werde dadurch in diesem Jahr natürlich kleiner, so Thomas Hass, der davon ausgeht, dass sich das Anzeigenminus fortsetzt, das derzeit bei sieben Prozent liegt - Hass wollte diese Größenordnung allerdings nicht bestätigen.

Nicht nur Sparen: Neue Print- und Digitalprojekte

Neue Impulse sollen dagegen die Wachstumsprojekte bringen, an denen im Haus mehr als 400 Mitarbeiter gearbeitet haben. Elf der 15 angedachten Projekte werden nun auch tatsächlich umgesetzt, dazu zählt ein achtseitiger Regionalteil für Nordrhein-Westfalen, dessen Testphase im Februar 2016 beginnen soll. Das Projekt ist auf drei Monate ausgelegt und wird von Marketing und Marktforschung intensiv begleitet. Klappt es in NRW, auch mit der Vermarktung der eingeplanten zwei Werbeseiten, sollen andere Märkte folgen. Bereits im Dezember 2015 soll eine perfektionierte "Spiegel"-App gelauncht werden, "Spiegel Daily", ein digitales, von Montag bis Freitag vor 17 Uhr erscheinendes Nachrichtenangebot, soll im ersten Halbjahr 2016 starten. In den kommenden Wochen soll der erste kostenpflichtige Artikel auf "Spiegel Online" erscheinen. Klaus Brinkbäumer: "Es ist für die Zukunft des Qualitätsjournalismus wichtig, dass aufwendig recherchierte und herausragend geschriebene Texte nicht nur gedruckt, sondern auch digital verkauft und nicht verschenkt werden." 

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