Brief an den mächtigen DJV-Berlin-Chef: So wehrt sich eine RBB-Investigativ-Journalistin gegen falsche Vorwürfe

02.12.2015
 
 

Schmutz, falsche Vorwürfe, Lügen gegen sie und ihre Arbeit ist die Berliner Investigativ-Journalistin Gabi Probst vom RBB gewohnt. Gegen ihren Willen und dann heimlich wird die rbb/ARD-Journalistin von einer Fotografin fotografiert, einer Fotografin, die offenbar von der Zeitschrift der Ehefrau Bettina Schellong-Lammel "Nitro" beauftragt wurde. Das ein Foto veröffentlicht werden soll, wird ihr auch per Email bestätigt. Mit dem ohne ihres Wissens gemachten Foto sollte sie in der Zeitschrift "Nitro" angeprangert werden.

Schmutz, falsche Vorwürfe, Lügen gegen sie und ihre Arbeit ist die Berliner Investigativ-Journalistin Gabi Probst vom RBB gewohnt. Gegen ihren Willen und dann heimlich wird die rbb/ARD-Journalistin von einer Fotografin fotografiert, einer Fotografin, die offenbar von der Zeitschrift der Ehefrau Bettina Schellong-Lammel "Nitro" beauftragt wurde. Das ein Foto veröffentlicht werden soll, wird ihr auch per Email bestätigt. Mit dem ohne ihres Wissens gemachten Foto sollte sie in der Zeitschrift "Nitro" angeprangert werden. Als sie davon auf Umwegen erfuhr, schickte das Justiziariat des RBB Lammels Zeitschrift "Nitro" eine Unterlassung.

In einem Brief seziert sie die Rede von Bernd Lammel, dem mächtigen Chef des DJV Berlin. Die hatte er beim Verbandstag in Fulda gehalten - und schwere Vorwürfe gegen die Arbeit der renommierten und mit einem Juristenpreis ausgezeichnete Journalistin erhoben.

kress.de dokumentiert das Schreiben im Original.

Sehr geehrter Herr Lammel,

ich habe Kenntnis von dem Inhalt Ihrer Rede erhalten, die Sie auf dem Verbandstag des DJV  in der vergangenen Woche hielten. Dazu teile ich Ihnen folgendes mit:  

Sie behaupten: 1. "Die Kollegin aus dem rbb, die im Jahre 2010 die Anfrage an die Unterlagenbehörde gestellt hat, hat sie auch weiträumig verteilt, denn nur sie hat diese Anfrage gestellt."

Das ist unwahr. Ich habe die Akte nicht weiträumig verteilt. Ich habe die Akte überhaupt nicht verteilt. Ich habe die Akte nicht kopiert und an niemanden weitergeben.

Nach Aussage der Stasiunterlagenbehörde haben mindestens zwei weitere Journalisten die Akte bestellt und auch erhalten.

Ich verbiete Ihnen hiermit diese Aussage noch einmal zu treffen und fordere Sie auf, das richtig zu stellen. Die STASI-Unterlagenbehörde wird Ihnen meine Angaben zu den Kollegen bestätigen.

2. Sie behaupten: "Es gibt in so einer Akte, die ausschließlich, und jetzt rede ich wieder selbst von Akte, von ein paar Seiten Papier, gibt es einige paar Hinweise mit sogenanntem Vorlaufmaterial, das gesammelt wurde. Über mich...."

Dazu stelle ich fest, die alles gelesen hat, sich seit 15 Jahren mit STASI-Unterlagen auskennt und veröffentlicht:

2.1. Es gibt die Personal Akte des IM Michael bislang nicht vollständig, so wie ich es auch in meinem Beitrag gesendet habe. Aber dass es sie gab, erkennt man aus dem Vorgangsheft des Führungsoffiziers.  Berichts- und Personalakte wurden teilweise vernichtet oder befinden sich noch in dem gerade aufzuarbeitenden Bestand von zerrissenen Blättern. Jeden Tag werden neue gefunden. Es existieren bislang lose Blätter und die Registerkarteien, die die Behörde in eine Akte zusammenfasste. Es ist durchaus möglich, dass neue Unterlagen auftauchen. Und davon gehe ich aus.

2.2. Die Stasi-Unterlagenbehörde hätte mir die zusammengefasste Akte des IM Michael in Bezug auf Ihre Person (Bernd Lammel) nicht herausgegeben, wenn der Fund nicht den Kriterien des Stasiunterlagengesetzes entsprochen hätte. Dabei ist es nicht entscheidend, ob es eine Verpflichtungserklärung gibt oder nicht. Ich verweise in diesem Zusammenhang auch auf die Analyse des Historikers Müller-Enbergs, der sich am besten zum Thema IM (Inoffizieller Mitarbeiter) auskennt und wissenschaftlich gearbeitet hat. Hier der Link.    

kress.de/tagesdienst/detail/beitrag/133258-stasi-forscher-helmut-mueller-enbergs-belege-sind-zureichend-in-dem-betroffenen-ims-michael-zu-sehen.html

3. Sie behaupten: "Und die Mitarbeiterin der Unterlagenbehörde hat mir bei meinem letzten Besuch, ich war, seit diese Dokumente aufgetaucht sind, ungefähr insgesamt acht, neun Stunden in dieser Behörde, hat zu mir gesagt: Sie müssen sich nichts vorwerfen. Alles was sich hieraus ergibt, ist, dass diese Behörde langjährig an ihren Kontakten interessiert waren und sie gewinnen wollten."

Dazu stelle ich fest: Vielleicht hat diese Mitarbeiterin Lachmann das gesagt. Ich bezweifle aber, dass sie damit meinte, Sie seien ein Opfer. Denn: dann hätte die zuständige Abteilung AU5 die Akten nicht herausgegeben dürfen.  Nach meinen Recherchen waren Sie in der Abteilung AU 3. Das ist die private Auskunft. Dort werden normalerweise keine Täterunterlagen, also Berichte ausgegeben. Ich kann mir auch vorstellen, dass die Kollegin Lachmann nicht alle vorhandenen Akten aus der AU5 gesehen hat, weil das gar nicht ihr Bereich ist.  

Sie haben Unterlagen dort bekommen, aus denen hervorgeht, dass die STASI Sie überprüfen wollte. Richtig. Die STASI wollte wissen, ob Sie Ihnen trauen kann. Ein ganz normaler Vorgang, zumal Sie Auslandkader waren und in den Westen, zum "Feind", durften. Das war nur wenigen vergönnt, wie Sie wissen. Diese Überprüfungen waren oft die Vorstufe für eine IM-Tätigkeit, also ein Vorlauf. (Später gab es dann aber die Umregistrierung des IMV Michael, also Vorlauf, zu IMS Michael).

Übrigens kann ich Ihnen aus Erfahrung sagen, dass jeder IM (Inoffizielle Mitarbeiter) immer wieder überprüft wurde. Das heißt, es wurde immer wieder auch in seinem Privatleben "geschnüffelt". Die STASI wollte immer überzeugt sein, dass man den IMs immer und auch noch Jahre später trauen kann. Das Abfangen von Briefen und Überprüfen von Kontakten ist dabei ein ganz normaler Vorgang gewesen. Solche Unterlagen hat fast jeder IM, so meine langjährige Erfahrung.

Wären Sie ein richtiges Opfer der STASI gewesen, so meine Erfahrung und nach dem heutige Stand,  dann wäre das aus den Unterlagen hervorgegangen. Dann wären Sie in einem Vorgangsheft eines Führungsoffiziers aufgetaucht mit einer Registriernummer und dem Vermerk OPK Michael (Operative Personenkontrolle) oder OV Michael (Operativer Vorgang). Gern lasse ich mich überzeugen, sollten solche Akten irgendwann auftauchen.

Der "Michael", der  mit den dazu gehörigen Karteikarten mit Ihrem Namen und seiner Registriernummer verknüpft ist, ist aber ein IM - also Inoffizieller Mitarbeiter Michael.

4. Sie behaupten: "Und auf einer Karteikarte, wo mir die Reporterin aus dem rbb vorgeworfen hat, dass ich jahrelang Konzerne im Westen ausspioniert hätte."

Dazu stelle ich fest: Das habe ich niemals behauptet.

Auf Ihrer Karteikarte stehen alle Ihre persönlichen Angaben und dass diese dem IM Michael zugeordnet sind - übrigens auf mehreren, ich glaube sechs oder acht an der Zahl. Und genau das habe ich auch in meinem Fernsehbericht gezeigt und gesagt!

Dass der IM Michael, der Konzerne ausspioniert haben soll, stand in den Berichten, die ich auch bildlich gezeigt habe. Diese Konzerne sind namentlich aufgelistet und passen zu Ihrem Tätigkeitsfeld. Vielleicht schauen Sie sich den Film noch einmal genauer an.

5. Sie behaupten: "Und ich denke mal, es gab ein bisschen Raunen vorhin, als der Kollege von G... gesagt hat, es könnte möglich sein, dass auch persönliche Rechnungen oder innerverbandliche Dinge auf diese Art und Weise versucht worden wären zu klären. Von Trittbrettfahrern auf alle Fälle. "

Auf mich bezogen, weise ich das zurück. Ich habe als Journalistin mit bestem Wissen recherchiert und gesendet. Ich habe im DJV keine Funktion und wollte auch nichts verhindern.

Wenn ich das gewollt hätte, was Sie mir unterstellen, dann hätte ich viel früher gesendet. So zum Beispiel, als Sie vor Jahren vom Stellvertreter zum Vorsitzenden gewählt wurden oder als die Fusion beider Verbände in Berlin auf der Tagesordnung statt. Nichts dergleichen ist jetzt der Fall!

Dass ich am Sonntag vor einer Sitzung in Würzburg sendete, ist ein blanker Zufall. Und von dem Termin habe ich auch  vorher nichts gewusst.

Die Abendschau wollte den Termin so, der CVD hatte an diesem Tag Platz in der Sendung. Ich hatte es für den Dienstag vorgesehen, denn eigentlich wollte ich gar nicht am Wochenende arbeiten. Was Sie vielleicht nachvollziehen können.

Ich bin auch kein Trittbrettfahrer der Bild- Zeitung. Nur die BILD hat die Diskussion angefacht. Zu Recht! Und gut so. Ich bin sehr dafür, dass es eine Diskussion über STASI in unserem Verband gibt. Sie ist längst überfällig. Wir sind Journalisten. Es geht um Transparenz und Glaubwürdigkeit! Ja, so wie Sie es selbst gern auf Ihrer Internetseite schrieben. Doch wo ist dieses Ansinnen geblieben, frage ich mich?

Als ich Ihnen die vielen, detaillierten Fragen zu der Akte IM Michael schickte, riefen Sie mich fünf Minuten später in der Redaktion an und spielten alles herunter, anstatt diese jemals zu beantworten.

Aber sie gaben am Telefon zu, sich mit der STASI getroffen zu haben, Sie sagten mir sogar einen Namen, Reschke. Dieser Name ist ein Zweitname des  Führungsoffiziers vom IM Michael. Sie gaben zu, sich in dieser Wohnung mit dem STASI-Mann Reschke getroffen zu haben, in dieser konspirativen Wohnung. Ich fragte Sie, warum? Wenn Sie nicht IM Michael waren, warum dort? Warum nicht in einem Cafe oder anderswo?Sie erklärten mir, dass der "Westen" wollte, dass Sie sich weiter mit der STASI trafen. Ich fragte, warum und wer. Sie meinten, das sei geheim, das könnten Sie mir jetzt nicht sagen…. Wie, warum 25 Jahre danach nicht?  Das alles wollten Sie mir dann in einem persönlichen Gespräch beantworten. Als ich mit Ihnen telefonierte, saß ein Kollege mit im Raum, ich habe alles wiederholt, was Sie sagten, habe also einen Zeugen für unser Gespräch und ein Gedächtnisprotokoll. Doch den Termin, zwei Tage später, den wir beide dann  für ein Gespräch  vereinbarten und der Ihnen angeblich so wichtig war, den sagten Sie eineinhalb Stunden vorher ab. Per email!  Was sollte ich davon halten? Nur so viel zu Transparenz und Glaubwürdigkeit von Journalisten zu Journalisten.... Aber das haben Sie leider in Ihrer Rede auf dem Verbandstag nicht gesagt. Schade.

6. Sie behaupten: "...denn ich war zu dieser Zeit alleinerziehender Vater mit einem zwölfjährigen Sohn und massiv unter Druck gesetzt."

Das können Sie so empfunden haben, aber aus den Akten, die ich gelesen habe, ergibt sich daraus nichts. Da ist Ihr Sohn überhaupt nicht erwähnt. Aber von Ihrer Lebensgefährtin und heutigen Frau ist oft die Rede.

7. Sie behaupten: "...den DJV Berlin noch einmal E-Mails erreicht haben, die wortgleich, copy and paste, vom rbb, von der Bild-Zeitung und von Kress kamen. Wortgleich. Mit Fristsetzung und Ähnlichem. Und ich denke: Journalistische Ethik, in diesem Zusammenhang, zwischen wirklicher Aufklärung, die ja gar nicht passiert..."

Für mich weise ich das zurück. Und ich fordere Sie auf, auch das nicht mehr zu behaupten.

Meine Anfrage an Ihren Vorstand habe ich allein geschrieben, es waren ganz allein meine Fragen. Dass die Kollegen von BILD und KRESS  Ihrem Vorstand ähnliche Fragen gestellt haben, ergibt sich einfach aus der Vorlage, woraus sich meine/unsere  Fragen ergaben. Meine Anfrage - und wohl auch die der Kollegen - bezog sich  nämlich auf die Stellungnahme Ihres Vorstandes. In dieser Stellungnahme beschimpft Ihr Vorstand in unwürdiger Weise den rbb, BILD und Kress. Ganz verständlich, dass wir ähnlich reagieren und ähnliche Fragen haben, oder?

Aber auch das haben Sie in Ihrer Rede vor den Verbandkollegen einfach so weggelassen und unterschlagen. Kein schöner Stil, so aus dem Zusammenhang zu reden.  Kein schöner Stil für  einen Journalisten, einen Vorsitzenden, wie ich finde. Unwürdig. Vielleicht prüfen Sie mal Ihre journalistische Ethik in diesem Fall....

8. Sie behaupten: "… reflexartigen Aufspringens: dort erscheint eine Karteikarte und da steht drauf soundso,"

Wenn das Thema nicht so ernst wäre, könnte man darüber lachen.

Ich wiederhole: es gibt nicht nur eine Karteikarte zum IM Michael und Bernd Lammel. Ich teile die Meinung der anerkannten Historiker, Jochen Staadt, Hubertus  Knabe und Müller-Enbergs,die sich zu den Unterlagen des IM Michael geäußert haben. Alle drei sehen hier keinen fiktiven IM Michael. Was immer dahinter steckt, sagen Sie es uns!  

Und ich teile die Meinung des Bundesbeauftragten für die STASI-Unterlagen, Roland Jahn, den - wie ich erfahren konnte - Sie schon portraitierten, weil sie ihn wohl auch sehr schätzen. Er sagte in meinem Beitrag für die Abendschau sinngemäß:  Egal wie Sie mit der STASI verstrickt waren, in Ihrer Funktion als DJV Vorsitzender Berlin sollten Sie das transparent machen... Und genau darum geht es.

Doch weder auf Ihrer Internetseite habe ich das all die Jahre feststellen können, noch haben Ihre Mitglieder das wohl gewusst, dass es da ein Verbindung gibt, wie mir versichert  wurde. Nach meinen Recherchen haben Sie Ihren Vorstand erst nach der Sendung in der Abendschau  über ihre Verstrickung mit der STASI  informiert. Und mir haben Sie - ich sprach es schon an - ein Gespräch darüber versprochen und dann einfach verweigert. Bis heute übrigens. Stattdessen beschweren Sie sich hinter meinem Rücken, reden eine Verschwörung herbei und werfen Dreck über  mich und die Kollegen von  KRESS und BILD....oder lassen auch gern schmeißen. Diese Reaktionen passen für mich nicht mit der Funktion, die Sie im Verband bekleiden, zusammen.

Fazit: Sollten Sie die genannten Behauptungen noch einmal verbreiten, werde ich andere Schritte einleiten.

Ich setze die Verbandsspitze des DJV in Kopie und bitte diese um Weiterleitung  dieser email und zwar an alle Mitglieder des DJV, die beim Verbandstag anwesend waren. Ich berufe mich dabei auf Fairness.

Denn anders als ich Ihnen gewährte, hatte ich keine Gelegenheit, mich gegen Ihre Behauptungen zur Wehr zu setzen. Außerdem erhalten die Kollegen von KRESS; BILD und Cicero eine Kopie dieses Briefes.

Mit freundlichen Grüßen

Gabi Probst

 

Ihre Kommentare
Kopf

Dittsche

02.12.2015
!

Sehr gut!


Ulf J. Froitzheim

Ulf J. Froitzheim

Redaktionsbüro UJF.biz
Freier Journalist

02.12.2015
!

Hans Meier

21.06.2017
!

Tja, da hat Frau Probst wohl daneben gehauen. Lammel ist entlastet worden.

http://www.sueddeutsche.de/medien/vergangenheitsbewaeltigung-geschichte-eines-verdachts-1.3428068

Und Frau Probst hat Lammel damit geschadet. Schämen sollte sie sich.


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