Einfach mehr Unterhaltung: Wie News.de schwarze Zahlen schreibt

 

Wer im Internet erfolgreich sein will, braucht eine klare Zielgruppe, ein klares journalistisches Leitbild und darf nicht versuchen, alles und jeden zu bedienen. Ihre Lehren aus den Gründungsfehlern haben die Macherinnen und Macher von News.de gezogen. Was einst als aalglattes, allgemeines Nachrichtenportal begann, gilt heute als lesenswerte Quelle vor allem für bunte Themen, für Klatsch und Tratsch.

Am kress.de-Telefon ist Geschäftsführerin Corina Lingscheidt in der Fehleranalyse schonungslos. "Wir haben uns viele Jahre nicht tragen können", gesteht Lingscheidt. News.de, 2008 als Nachrichtenportal in der Hoffnung gestartet, sich mit den großen Nachrichtenportalen der Republik zu messen, blieb aber weit hinter den Erwartungen zurück. Das Leipziger Nachrichtenangebot, das zu Unister gehört, schrieb seit seiner Gründung 2008 bis 2013 rote Zahlen.

Erst als Lingscheidt und der damalige Chefredakteur Jan Grundmann 2014 die Reißleine zogen, das Portal zu einem Promi-Portal umbauten, es lockerer machten, die Nachrichten häppchenhafter aufbereiteten, kam der Erfolg. Die Reichweite stieg von 2013 auf 2014 deutlich auf 36 Millionen Visits, 2015 erwartet News.de bis Jahresende an die 50 Millionen Visits. Das bedeutet auch, dass das Portal seit 2014 schwarze Zahlen schreibt - 2015 kann das Unternehmen nach kress.de-Recherchen mit einem Gewinn von etwa einer halben Million Euro bei einem Umsatz von fast zwei Millionen Euro rechnen. Die Zahlen bestätigen will Geschäftsführerin Lingscheidt nicht, "wir freuen uns über den guten Zuspruch", sagt sie. Vermarktet wird das Angebot Inhouse von Unister Media sowie extern von OMS.

"Im Mittelpunkt stehen heute Promi-, Unterhaltungs- und Sportnachrichten, zudem skurrile Geschichten aus aller Welt", so Chefredakteurin Juliane Ziegengeist. Belehren will hier niemand, die Leser sollen unterhalten werden. Ziegengeist freut sich, dass sich das Portal als eines der wenigen verlagsunabhängigen Newsportale im deutschsprachigen Markt etablieren konnte. Der Erfolg ist aber nur dank des großen Einsatzes von allen Beteiligten möglich. Das Team ist klein, mit gerade einmal zwölf Journalisten erreicht das Portal Millionen von Lesern, acht Mitarbeiter kümmern sich um Verlags- und Marketingthemen.

Da bleibe wenig Zeit für große eigene Geschichten, gesteht Ziegengeist. "Wenn wir aber in Leipzig die Möglichkeit haben, regionale exklusive Inhalte zu produzieren, dann machen wir das auch", erklärt die Journalistin. Wächst der Zuspruch für das Angebot weiterhin deutlich, soll auch verstärkt in die Redaktion entwickelt werden. Und das gerne auch mit externer Unterstützung, wie kress.de erfuhr, könnte sich das Unternehmen durchaus vorstellen, einen Partner an dem erfolgreichen Portal zu beteiligen.

Laut Chefredakteurin Ziegengeist kommen die Leser heute zu einer großen Zahl über Google, die Sozialen Netzwerke wie Facebook oder Twitter, die eigenen Apps, von denen weitere geplant sind, sowie über Newsletter. Intensiver geschult werden sollen die Redakteure noch im Bereich SEO, dort sei noch viel Potential.

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