Nach dem Wegfall des "Routerzwangs": Der WLAN-Wettbewerb ist eröffnet

10.12.2015
 
 

Ab sofort werden die WLAN-Netze zu Hause alleiniges Eigentum des Endkunden. Den "Routerzwang" – also die Praxis der Netzbetreiber, ihren Kunden vorzuschreiben, welchen Internet-Router sie nutzen müssen – hat die Bundesregierung aufgehoben. Damit hat sie zugleich das Hoheitsgebiet der klassischen Netzbetreiber auf die Strecke bis zur heimischen Anschlussdose eingegrenzt. Seitdem "gehört" das heimische WLAN wieder dem Kunden – mit schwer kalkulierbaren Folgen.

Denn was relativ unspektakulär erscheinen mag, wird weitreichende Konsequenzen haben für praktisch alle digitalen Entwicklungen im Heimbereich: Netz- und Datensicherheit sind davon betroffen genauso wie das Thema Smart Home, Smart Metering, das viel zitierte Internet der Dinge (IoT) oder Lösungen im Bereich Maschine-zu-Maschine-Kommunikation (M2M). Alle diese Entwicklungen hängen von den Routern im Haushalt ab. Und wer hier nicht nachrüstet, wird neue Dienste nicht nutzen können.

Doch mit dem Ende des Routerzwangs kann nun der Kunde entscheiden, welches Endgerät er einsetzen will, und nicht mehr der Netzbetreiber. Je nach Perspektive hat dies unterschiedliche Konsequenzen: Auf der einen Seite werden die Nutzungsmöglichkeiten im Heimnetzwerk vielfältiger, und die Chance auf schnellere Innovationszyklen erhöht sich. Zum anderen sind durch mangelnde Standardisierung weitreichende Probleme bei der Einführung digitaler Technologien zu befürchten.

Ruckelfreie Videobilder in der gesamten Wohnung

Beispiel Video: Schon länger geht es nicht mehr nur darum, die höchstmögliche Bandbreite bis zur Anschlussdose anzuliefern. Mindestens genauso wichtig ist es für die Kunden, wie diese Daten im Hausnetz effizient verteilt werden. Da der Anteil an Video-Streaming-Diensten rasant zunimmt, ändern sich nämlich die Anforderungen an die Datenübertragung: UHD/4K-Filme von VoD-Anbietern bringen nur dann das gewünschte hochauflösende Erlebnis, wenn diese auch im Haus vom Router zum TV-Gerät gegenüber dem restlichen Datenverkehr ruckelfrei – und das bedeutet priorisiert – übertragen werden können.  

Der Bandbreitenbedarf steigt rasant an

Rasant entwickelt sich dabei die Zahl der WLAN-fähigen fixen (TV, Soundsysteme, etc.) und mobilen Endgeräte (Kameras, Smartphones, Tablets etc.) in den Haushalten. Sie stellen zusätzlich steigende Anforderungen an leistungsfähige WLAN-Technologien, wenn beispielsweise die Videokamera den Urlaubsfilm auf den TV-Bildschirm übertragen soll. Die Bandbreitenbedarfe zu Hause steigen also.

Zwar gibt es dafür bereits technische Lösungen wie den neuen 11ac-Standard (IEE 802.11ac), der im heimischen WLAN Datenübertragungsraten von 1,6 Gbit/s und mehr erlaubt. Aber: Die Bandbreitenverteilung in der Wohnung oder im Haus scheitert oft an simplen baulichen Hindernissen (Wände, Aufzug, Wärmequellen, mehrere Stockwerke), leistungsschwachen Geräten in der Netzwerkkette oder den beweglichen Endgeräten (v.a. bei mobilen Geräten, USB-Video-WLAN-Sticks, etc.) sowie der Mehrfachübertragung an unterschiedliche Abnehmer.

Intelligente Steuerung für die Datenströme im Haushalt

WLAN-Netze müssen also intelligent die wachsenden Datenströme im Haushalt steuern und im Störungsfall mit der Umlenkung auf andere Verbindungen die verfügbare drahtlose Bandbreite für alle im Netz automatisch optimieren: Je schlechter das Eingangssignal an der Anschlussdose, umso dringlicher ist das Netzwerkmanagement zu Hause – für den Kunden als auch für den Netzbetreiber und Diensteanbieter. Als Konsequenz werden deshalb zunehmend semi-professionelle WLAN-Netzwerk-Lösungen angeboten. Ein "Managed WLAN"-Netz soll für den Kunden das lästige Datenruckeln verhindern. Doch dies geht nur mit neuen, leistungsfähigen Routern.

Diese Situation bietet daher Streaming-Diensten wie z.B. Netflix oder Maxdome, die keine großen eigenen Breitbandnetze betreiben, die Möglichkeit, ihren Einfluss auf die Übertragungsqualität (QoS) auszubauen. Denn es geht ums Geld, und der Trend ist damit klar: Weil das Heimnetzwerk nun Eigentum des Endkunden ist, eröffnen sich speziell für Inhalteanbieter Möglichkeiten, ihren Kunden zu Hause leistungsfähige Router oder "Managed WLAN"-Dienste zu offerieren – damit auch zu Hause nichts mehr ruckelt. Der Wettbewerb ist eröffnet.

Von Volker Belz, Associate Partner Goldmedia

Der Artikel ist Teil des Goldmedia Trendmonitors 2016. Goldmedia gibt im Trendmonitor alljährlich in Form von Analysten-Kommentaren einen Ausblick auf relevante Trends in den Bereichen Medien, Internet und Telekommunikation des kommenden Jahres in Deutschland.

 

Ihre Kommentare
Kopf

Drucker

10.12.2015
!

So gewaltig wird der Umbruch wohl nicht werden, denn den Routerzwang hat bisher ohnehin nur ein Teil der Provider praktiziert, und umgehen lässt er sich recht einfach. Den Nutzern, die das wollten, gehörte das WLAN also auch bisher schon.


Galder

14.12.2015
!

Auch mit Routerzwang war bisher niemand gezwungen, das WLAN des Providers zu nutzen. Das taten bisher nur diejenigen, die sich die Einrichtung eines eigenen WLAN-Netzes selbst nicht zutrauten. Und diese Klientel wird auch weiterhin auf vorkonfigurierte Mietrouter der Provider zurückgreifen


X

Kommentar als bedenklich melden

 
×

Bestätigung

Dieser Kommentar wurde erfolgreich gepetzt.

×

Oooooooooops

Beim Petzen trat ein Fehler auf. Versuchen Sie es bitte noch einmal.

Weitere Beiträge zu diesem Thema
Inhalt konnte nicht geladen werden.