Der Neue in Darmstadt - Wie Lars Hennemann die Echo Zeitungen umbaut

 

Lars Hennemann verantwortet seit dem 18. August als Chefredakteur die Echo Zeitungen mit Sitz in Darmstadt. Ein Zeitungsmann, der sagt was er denkt, und der angetreten ist, um einiges zu verändern.

Lars Hennemann ist ein Mann mit vielen Plänen. Der erste war es, einige der Konzepte, die seine Vorgänger in den letzten Monaten entwickelt hatten, schnellstmöglich wieder rückgängig zu machen. Dass er damit dem einen oder anderen auf den Schlips treten könnte, ist für den 47-Jährigen dabei zweitrangig.

Seit dem 18. August ist Lars Hennemann neuer Chefredakteur der Echo Zeitungen. Herzstück der Echo Zeitungen ist das "Darmstädter Echo", zu den weiteren Bezirksausgaben des Verlages gehören das "Gross-Gerauer Echo", "Odenwälder Echo", "Starkenburger Echo" und "Ried Echo".

Hennemann ist Mann, dessen Herz für den Lokaljournalismus schlägt, seit er als Schüler im nordrhein-westfälischem Siegen seine ersten Artikel schrieb. Es folgten ein Publizistik-Studium in Mainz und ein Volontariat, das ihn zur Verlagsgruppe Rhein Main - die das Echo im August übernommen hat - führte und der er seitdem in wechselnden Funktionen treu geblieben ist.

Glaube an die Wächterfunktion

Warum er schon als Jugendlicher Journalist werden wollte, weiß Hennemann noch genau: "Ich drehe gerne Steine um und gucke, was darunter liegt. Ich mag die Vorstellung, Leute auf Ideen gebracht zu haben, die sie ohne meine Artikel vielleicht nicht gehabt hätten, und ich nehme - auch wenn es altmodisch klingt - die Wächterfunktion ernst, die eine Zeitung für die Gesellschaft hat."

Genau hinsehen, schauen was falsch läuft, das will Lars Hennemann auch im eigenen Hause und scheut sich dabei nicht zu sagen, was er denkt: "Ich habe mit dem Darmstädter Echo eine Zeitung vorgefunden, der es wirtschaftlich nicht gut ging. Auch in den Redaktionen hat das Sanierungsverfahren Spuren hinterlassen, das Konzept Wunden verursacht."

Die abgebauten Redakteure wird Lars Hennemann nicht zurückholen, aber er ging gegen den Personalabbau in den Sekretariaten der Außenredaktionen vor, der dafür gesorgt hätte, dass die Redakteure kaum noch zum Schreiben gekommen wären, weil sie immer mehr Verwaltungsaufgaben hätten übernehmen müssten. Hennemann schaltete den Rückwärtsgang ein, ließ Befristungen aufheben und Stundenkontingente wieder aufstocken.

"Falsche Akzente bei der Sanierung"

Doch Personalfragen sind nicht das einzige, das Hennemann in seiner neuen Position umtreibt. Auch inhaltlich will er am Echo einiges ändern, Pläne hat er vor allem für die Lokalteile Darmstadt und Darmstadt-Dieburg, denn dort hat die 75.000 Stück starke Zeitung die meisten Leser.

"Gerade hier wurden bei der Sanierung falsche Akzente gesetzt. Dazu gehört die geplante Verschmelzung der beiden Redaktionen ebenso, wie das Fehlen einer täglichen Stadtteilseite. Das kann ich bei einer 150.000-Einwohner-Stadt mit Stadtteilen, die zum Teil mehr als 20.000 Einwohnern haben, nicht akzeptieren, und auch das Thema Wissenschaft ist in einer Stadt mit drei Hochschulen noch ausbaufähig", so Hennemann beim Besuch von kress.de in Darmstadt.

Augenmerk aufs Community-Building

Auch die Antwort auf die Frage, wie das Echo sich in Zukunft digital präsentieren will, treibt Lars Hennemann um. Zwar habe er, wie er offen zugibt, keine Universallösung parat, doch fest steht, dass er auf diesem Gebiet in den nächsten Jahren viel bewegen will: "Wer heute Zeitung nur auf Papier denkt, macht etwas falsch. Klar ist auch, dass es auf Dauer nicht reicht, eine Homepage zu haben, die den Printinhalt mehr oder weniger eins zu eins abbildet und höchstens noch mit einem Video oder einer Bildergalerie aufgepeppt wird. Ich möchte mit Unterstützung meiner VRM-Kollegen mein Augenmerk auf das Thema Mobile und Community-Building legen, etwa über Facebook oder Instagram, und auf das Pflegen der Kommentare. Nur so kann man Leute an sich binden, die normalerweise beim Stichwort Zeitung anfangen zu gähnen."

Lars Hennemann, so scheint es, hat viel vor. Auch nach mehr als 30 Jahren im Journalismus ist er nicht müde geworden, er glaubt an die Zukunft der Branche: "Wir haben mittlerweile eine Routine darin entwickelt, uns selbst schlecht zu reden. Das nervt mich, denn so schlecht stehen die Zeitungen gar nicht da. Am Ende ist es doch so wie überall: Es werden die übrig bleiben, die ihre Hausaufgaben machen, die mit der Zeit gehen und sich weiterentwickeln.

Und wenn es nach Lars Hennemann geht, soll auch das "Darmstädter Echo" dazu gehören.

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