Wo Stars im Mittelpunkt stehen - Was Tobias Lobe mit "spot on news" vorhat

 

Mit Nachrichten über Promis und Stars erreicht die Nachrichtenagentur "spot on news" inzwischen täglich Millionen von Nutzer. Wie Tobias Lobe, Chefredakteur, Vorstand und Gründer von "spot on news", seine Nachrichtenagentur zum führenden Dienst bei Promi-News gemacht hat und warum er - trotz Medienkrise - sein Angebot weiter ausbaut.

kress.de: Herr Lobe, wenn Stars heute etwas mitteilen möchten, posten sie Fotos auf Instagram, Botschaften auf Twitter oder Filme auf Facebook. Wozu brauchen wir 2015 eine Nachrichtenagentur, die sich ganz dem bunten Leben von Stars und Sternchen widmet?

Tobias Lobe: Stars nutzen die sozialen Netzwerke in erster Linie, um sich selbst zu vermarkten und genau das preiszugeben, was sie wollen. Als Nachrichtenagentur nutzen wir diese Quellen natürlich auch. Aber das journalistische Handwerk ist in Zeiten von Social Media wichtiger denn je: Deshalb diskutieren wir in der Redaktion, haken nach, ordnen ein, schreiben Analysen, Film-Kritiken und Listicles. Für uns ist die schnelle Meldung über einen amüsanten Tweet genau so wichtig wie das monatelang vorbereitete Interview. Die Mischung macht's.

"Stars kommen zu uns"

kress.de: Und wie überzeugen Sie Stars, mit Ihnen zuerst zu sprechen und nicht erst die eigenen Sozialen Netzwerke zu nutzen?

Tobias Lobe: Wir müssen die Stars nicht überzeugen, sie kommen zu uns. Denn wenn Promis mit uns sprechen, ist ihnen Aufmerksamkeit garantiert. Wir beliefern Kunden mit einer Gesamtreichweite von mittlerweile über 180 Millionen Unique Usern. Jeden Tag im Jahr, fast rund um die Uhr. Mit Texten, Bildern, Bildergalerien und seit Sommer 2015 auch mit Videos. Weitere Produkte folgen.

kress.de: Verraten Sie uns welche?

Tobias Lobe: Leider erst, sobald es soweit ist. Wir testen ständig neue Produkte und sind richtig hungrig nach digitaler Innovation. Wir haben uns der spannenden Herausforderung gestellt, mit gutem Journalismus auch im Web profitabel zu sein - mit Erfolg.

kress.de: "spot on news" gibt es seit Ende 2012. Wie hat sich das Nachrichtengeschäft für Sie entwickelt?

Tobias Lobe: Sehr gut! Wir haben unseren Markt gefunden, obwohl viele meinen, der Newsmarkt sei völlig kaputt. Sicherlich, es ist ein hartes Geschäft, aber wir machen aus den teilweise widrigen Marktbedingungen das Beste, weil wir unseren Kunden funktionierende Geschäftsmodelle gleich mitliefern.

kress.de: Wie funktioniert das?

Tobias Lobe: Ganz einfach: Wir freuen uns, wenn unsere Kunden uns für unseren Content bezahlen. Wenn sie das aber nicht können oder wollen, beliefern wir sie trotzdem und refinanzieren uns über Vermarktungsmodelle, die zusätzliche Erlöse schaffen und die - ganz wichtig - die User nicht nerven. Wir haben Kunden, die erhalten nicht nur monatlich weit über 1000 Artikel und Videos, sondern auch noch am Monatsende Revenue Shares. Wir setzen mit Erfolg auf kontextrelevante Vermarktungsmodelle, wie Advertorials, Native Advertising oder Affiliate-Links. Wir haben bereits zahlreiche funktionierende Partnerschaften, mit denen unsere Publisher, Vermarkter und auch die User zufrieden sein können. Wir lösen parallel zwei Aufgaben: Gute Geschichten liefern und den Publishern zusätzliche Erlöse bescheren. Ein Herkules-Projekt, an dem wir täglich wachsen.

"News müssen Nutzer bewegen"

kress.de: Welche Kriterien muss eine Nachricht erfüllen, damit sie von Ihnen und Ihrem Team aufgegriffen wird?

Tobias Lobe: Sie muss die User bewegen. Um Trends zu erkennen, haben wir auch eigene technische Tools entwickelt, die die Redakteure unterstützen. In erster Linie vertrauen wir aber auf journalistischen Instinkt, Neugierde und unsere Wiedervorlagemappe. Ein Beispiel: Nachdem Til Schweiger den Bau eines Flüchtlingsheims angekündigt hatte, haben wir ein paar Monate später nachgefragt. Sein Sprecher nahm die Ankündigung de facto zurück. Das war eine harte News, die unseren Kunden viel Traffic beschert hat.

kress.de: Ist das ein Bekenntnis zu eigenen Recherchen?

Tobias Lobe: Auf jeden Fall! Allerdings können Sie im Entertainment- und Lifestylebereich nicht jeden Tag einen Theodor-Wolff-Preis gewinnen. Die Leute wollen schnelle Snack-News für die U-Bahn, aber sie interessieren sich auch im Web sehr für Einordnung. Wir sehen täglich, dass unsere Erklär- und Hintergrundstücke - neben dem täglichen Gossip - sehr viel gelesen werden. Darüber freuen wir uns, denn die Geschichte hinter den Kulissen ist ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal, an das wir vom Start weg unbeirrt glauben. Wir sind definitiv keine Content-Fabrik, sondern mit Herzblut dabei.

kress.de: Wie wichtig ist das Kuratieren von Nachrichten für spot on news?

Tobias Lobe: Das hängt stark von der Nachrichtenlage ab. Am Kuratieren kommt ja niemand vorbei, aber wir nehmen für uns in Anspruch, die Nachrichtenlage nicht zur begleiten, sondern sie auch zu bestimmen. Im Schnitt liefern wir drei exklusive Geschichten am Tag, neben den einordnenden Stücken und zahlreichen Rubriken. Mir kommt es so vor, als ob immer mehr Nachrichtenangebote auf Ihre News zugreifen.

kress.de: Wer sind eigentlich die Abonnenten von "spot on news"?

Tobias Lobe: Wir sind mit vielen deutschen Verlagen und Broadcastern sowie den großen Telekommunikations- und Mailprovidern und auch Suchmaschinen-Anbietern im Geschäft. Das ist eine bunte Mischung aus n-tv, Gala, Google, MSN, Yahoo, Focus und auch lokalen Domains Anbietern wie z.B. der "Abendzeitung" in München. Gemessen daran, dass es uns gerade mal gut drei Jahre gibt, sind wir mit der Entwicklung sehr zufrieden, haben aber noch große Pläne.

kress.de: Heißt das, dass Sie auch in Ihr Team investieren konnten?

Tobias Lobe: Ja. Wir beschäftigen jetzt 45 angestellte Mitarbeiter, überwiegend in der Redaktion. Aktuell suchen wir auch wieder Redakteure und Volontäre. Letztere können sich auf eine vielfältige Ausbildung freuen. Unsere Redakteure müssen ja nicht nur eine gute Schreibe und ein sicheres Themengespür haben, sondern auch fit in Social Media und Videoproduktion sein.

kress.de: Kurzer Blick nach vorne, wie wird sich die Arbeit von "spot on news" 2016 verändern?

Tobias Lobe: Sicher ist: Unsere Arbeit wird sich ständig verändern, weil es im Digitalen niemals Stillstand gibt. Alles andere wäre ja auch langweilig. Wir wollen in jedem Fall kräftig weiter wachsen und uns thematisch noch breiter aufstellen. Besonders bei Bewegtbild und interaktiven Formaten sehen wir noch viel Potential. In jedem Fall werden wir uns nicht an der weit verbreiteten Jammerkultur der Medienbranche beteiligen, sondern weiter neue Chancen, die sich durch den Medienwandel ergeben, suchen und ergreifen.

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