"National Enquirer" startet in Deutschland: "Unsere Reporter machen den Unterschied"

 

Zum Kampfpreis von einem Euro lanciert der US-Verlag American Media "National Enquirer" heute in Deutschland. Auf dem Cover - die US-Stars Angelina Jolie und Brad Pitt, Charlie Sheen und Kim Kardashian. "Unser Hauptkonkurrent auf dem deutschen Markt ist der Bauer-Verlag", sagt Chefredakteur Dylan Howard zu kress.de.

Es ist Mittwochabend in Deutschland, als kress.de Howard in New York erreicht. Vor zehn Minuten kam der Kurier, Howard hält die erste Ausgabe des deutschen "National Enquirer" in der Hand. Und ist glücklich. Der Australier, der fast im Alleingang bei der Promi-Berichterstattung harte Investigativ-Recherche in den USA eingeführt hat, sagt, dass der deutsche Leser einen gesunden Appetit auf Promi-News aus Hollywood habe: "Diesen Hunger werden wir stillen", so Howard. Bislang werde die "wahre Berichterstattung" über Hollywood in den deutschen Medien sträflich vernachlässigt: "Da ist bislang ein riesiges Loch in Deutschland."

"Wir bieten höchste Qualität"

Ob "Bunte" (Chefredakteurin: Patricia Riekel), "Gala" (Chefredakteurin: Anne Meyer-Minnemann), das "OK-Magazin" oder "IN-Magazin" (Chefredakteur: Oliver Opitz), "InTouch" und "Closer" (Chefredakteur: Tim Affeld) - sie alle und die vielen anderen Blätter, die sich Woche für Woche an Menschen richten, die gerne wissen, wie Stars so ihre Freizeit verbringen, reichen aus Sicht von Howard nicht aus: "Was wir in höchster Qualität Woche für Woche liefern werden, bietet kein anderes Magazin in Deutschland", verspricht Howard.

Beim "National Enquirer" ist es die Mischung, die die Käufer anziehen soll - aktuelle News, Hollywoodskandale, eigene Storys, die zuerst hier stehen. "Original Reporting", das nur möglich sei, weil über 100 Reporter im ganzen Land das "klassische Nachrichtengeschäft beherrschen": "Natürlich schreiben unsere Reporter nicht einfach Emails, sie gehen zu den Leuten nach Hause und klopfen an der Tür, um mit ihnen zu sprechen", so Howard. Die Arbeit, die er und sein Team machen, wird inzwischen auch von anderen Kollegen respektiert, für die Story über den ehemaligen US-Präsidentschaftskandidaten John Edwards, die dazu führte, dass er seine Bewerbung zurückzog, erhielt der "Enquirer" eine besondere Erwähnung beim Pulitzer-Preis.

Selbstverständlich gibt es aber auch "unglaubliche" Geschichten im Blatt, wenn angebliche Wahrsager erklären, was sich in diesem Jahr bei welchem Promi wie ändert, hat das nur noch wenig mit knallhartem Journalismus zu tun. Zudem redet Howard auch nicht über die immer wieder kolportierten Schecks, die Promis erhalten, weil eine Story im Blatt dann doch nicht so stimmte, wie ein Reporter sie gedreht hatte. Damit das nicht zu häufig passiert, beschäftigt der Verlag eine Schar von Juristen.

"Die hässliche Cousine"

Wenn "People", das in Deutschland von Tom Junkersdorf verantwortet wird, also die Freundin der Stars ist, die mehr weiß, als sie verrät, dann ist der "National Enquirer" die hässliche Cousine, die so lange Fragen stellt, bis sie auch wirklich weiß, was vor sich geht. Aber das reicht ihr nicht, sie erzählt über den Streit ihrer Yoga-Lehrerin, prahlt damit im Supermarkt und schleudert es ihrem übergewichtigen Freund in dem Moment entgegen, als der die Wohnung betritt. Wer ihr Interesse auf sich zieht, der wird genauestens beleuchtet, der bekommt Fragen gestellt, die ihm nicht passen, weil einfach nicht jeder die eigenen Probleme mit der Öffentlichkeit teilen möchte.

"Wir haben die besten Reporter"

Für Howard sind es die Reporter, seine Reporter, die den Unterschied machen im Wettstreit um die besten Storys. "Wir haben die besten Reporter, wir sind die größte Entertainment-Marke in den USA, wir sind die Leute, die die Agenda setzen, von denen alle anderen dann abschreiben. Wir sind erfolgreich, weil nur wir das können, was wir machen", sagt Howard. Seine Worte sind auch ein Bekenntnis zum Journalismus, Howard weiß, dass seine Geschichten nur dann reißenden Absatz finden, wenn er und sein Team auch wirklich die unglaublichsten Geschichten liefern. Dafür ist die Konkurrenz zu groß, die häufig mit deutlich kleinerem Team die Geschichten neu anrührt.

Charlie Sheen auf sechs Seiten

Die Geschichte über die HIV-Erkrankung des Schauspielers Charlie Sheen brachte zuerst der "National Enquirer". "Ich habe zwei Jahre an der Story gearbeitet", sagt Howard am kress.de-Telefon und macht deutlich, worauf es ihm ankommt - dranbleiben, jeden Stein umdrehen, nicht aufgeben. "Die Leser wollen die Wahrheit, nichts als die Wahrheit", so Howard.

Dass Sheen dann sich am Ende tatsächlich zum Interview mit dem "National Enquirer" hinsetzt (das Interview findet sich auf sechs Seiten in der deutschen Premieren-Ausgabe), hat auch mit der besonderen Gabe von Howard zu tun, der Menschen für sich gewinnt. Dem Mann, der den Stars einen mitgibt, wird trotz der brutalen Härte seines Blatts respektiert.

Entscheidung für Deutschland fiel beim Lunch in Manhattan

Sitz der Redaktion vom "National Enquirer" ist New York. Dort, bei einem leichtem Mittagessen in Manhattan mit dem Verleger David J. Pecker, fiel auch die Entscheidung, nach der kanadischen und der britischen "Enquirer"-Ausgabe auf den deutschen Markt zu gehen.Howard sagt, er habe den deutschen Markt genau analysiert. "Eine Zeitschrift für fünf Euro? Wer soll das bezahlen!", so der Chefredakteur und Vize-Präsident von American Media Inc. "National Enquirer" werde wie zum Start weiterhin 1 Euro kosten, es gebe keine Pläne, nach einer bestimmten Zeit den Preis zu erhöhen. Das Blatt werde auf Dauer 48 Seiten Redaktion bieten. Die gedruckte Auflage beträgt 200.000 Exemplare (das Blatt wird wie die UK-Ausgabe in Polen gedruckt). Werbung werde es nicht geben, ihm sei es wichtig, dass das Preis-Leistungsverhältnis für den Leser optimal bleibt: "Der Leser steht bei uns im Mittelpunkt, der will keine Werbung, der will tolle Storys", so Howard.

Alle vier Wochen werde es zudem 20 Seiten zusätzlich zum gleichen Preis geben. Die Redaktion werde von New York aus erledigt - eine Arbeitsweise, die bislang eigentlich vor allem von digitalen Medien bekannt ist, die nach Deutschland expandieren. Ein Verlag ohne eigene Redaktion im Land, die ein gedrucktes Massen-Magazin herausgibt, ist neu auf dem deutschen Markt. Damit alle Geschichten auch auf deutsch korrekt erscheinen, arbeitet in New York ein Team von zwölf Journalisten, die deutschsprachig sind.

"Mehrere Millionen US-Dollar" zur Markteinführung

Laut Howard werde sein Haus "mehrere Millionen Dollar" in Werbung, vor allem TV-Spots, investieren, um die Marke in Deutschland bekannt zu machen: "Wir sind gekommen, um zu bleiben", so Howard. Wettbewerber aus seiner Sicht seien alle Zeitschriften, die um die Aufmerksamkeit der Käufer am Kiosk buhlen. Als Hauptkonkurrenten hat Howard, der in Kürze wieder in Deutschland sein wird, den Hamburger Großverlag Bauer ausgemacht, der ja in den USA äußerst erfolgreich Zeitschriften herausgibt.

Hintergrund: American Media Inc.

American Media Inc. gehört zu den größten Promi- und Fitness-Verlagen in den USA. Zu den Zeitschriften gehören unter anderem "Star", "OK!", "National Enquirer", "Globe", "Country Weekly", "Soap Opera Digest", "Shape", "Men's Fitness", "Muscle & Fitness", "Flex", "Muscle & Fitness Hers", "Fit Pregnancy" und "Natural Health". Der "National Enquirer" erschien das erste Mal vor 90 Jahren. Der wohl berühmteste Mitarbeiter von American Media ist ein gebürtiger Grazer - Arnold Schwarzenegger ist seit 2013 "Executive Editor" der Bodybuilding-Zeitschriften "Muscle & Fitness" und "Flex" - ein Posten irgendwo zwischen Chefredakteur und Herausgeber.

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