Prominenter Neuzugang bei BurdaForward: Was Oliver Eckert mit The Weather Channel vorhat

 

"Wir freuen uns, eine weitere US-Top-Marke nach Deutschland zu bringen", sagt Oliver Eckert, Geschäftsführer von BurdaForward. Ab sofort ist Burdas Digitaltochter Lizenzpartner des Echtzeit-Wetterdienstes für den deutschsprachigen Raum. Mit einem forschen Werbe-Konzept und starken Reichweiten will Eckert nicht nur Springer die Zähne zeigen.

Hinter dem US-Unternehmen, das 200 Meteorologen beschäftigt und weltweit auf 75.000 Datenquellen - darunter viele private Wetterstationen etwa im Schrebergarten - zurückgreift, steht IBM. Deren "Watson Project", spezialisiert auf Anwendung für das vielbeschworene "Internet der Dinge", baut aktuell in München ein weltweites Entwicklungszentrum auf. Rund 1000 Arbeitsplätze entstehen dafür im Büroturm Mies-van-der-Rohe-Straße 4; IBM investiert dafür angeblich knapp drei Mrd. US-Dollar.

"Wir sind erfolgreich darin, Unternehmen Anschub zu geben"

Nun hat man sich mit Burda eng verbandelt - für das gemeinsame deutsche The Weather Channel-App- und Online-Angebot, das auch in Deutschland den starken US-Markennamen behalten soll. Ab sofort werden die entsprechenden Wetter-Daten auch auf den BurdaForward-Seiten von Focus Online, Huffington Post Deutschland und Chip.de redaktionell eingebunden. "Wir sind erfolgreich darin, Unternehmen Anschub zu geben", sagt Oliver Eckert und spielt damit auf die mediale Aufbauleistung nach dem HuffPo-Start an.

Stürmischer Angriff auf die etablierten Wetter-Seiten

Nun gibt er als erstes Ziel aus, die Nummer drei unter den deutschen Wetter-Seiten zu werden und damit mittelbar den Marktführer Wetter.com (laut AGOF-Zahlen für den Oktober bei 13,05 Mio Unique User) sowie Wetter Online (6,24 Mio UU) anzugreifen und Wetter.de (5,43 Mio UU) zu überholen. "Wir können die neue Nummer drei werden", so Eckert. "Das ist unser Ziel." Angeblich erreichte der deutsche Weather Channel mit einer Beta-Softwareversion im Januar bereits rund 6 Mio Unique User. 

Wichtig ist BurdaForward dabei der Blick auf die beeindruckenden Werbemöglichkeiten, die das reichweitenstarke US-Mutterhaus, dem laut eigenen Angaben weltweit bereits fast 200 Mio Menschen vertrauen und das täglich rund 26 Mrd. Vorhersagen trifft, vormacht. So ist man bei Eckerts neuem US-Partner TWC davon überzeugt, dass sich über das Wetter verlässliche Aussagen darüber treffen lassen, wie die Konsumenten jeweils an einem bestimmten Ort und zur bestimmten Zeit ticken - und wie man sie emotional erreichen kann (je nach Wetterlage).

US-Werber lieben die Regionalisierungsmöglichkeiten

Die US-Partner beim Launch-Event in München erzählten von Erfahrungen des Werbe-Kunden Campbell's, dass vor allem haushaltsführende Frauen auf drastische Temperaturstürze in US-Großstädten mit Suppen-Käufen reagieren. Männliche Konsument legen sich sicherheitshalber Bier-Vorräte an. Außerdem arbeitet TWC auch sehr eng mit Versicherungskunden zusammen - in deren eigenem Interesse. Sie empfehlen ihren Versicherten sehr nachdrücklich, doch bitte das Auto in die Garage zu fahren, sobald sich lokal Hagel ankündigt. 

"Werbung ist News, andernfalls wäre sie wertlos"

Oliver Eckert möchte diesen Ball natürlich aufgreifen - und in sein von Kritikern oft angegriffenes, von Mitbewerbern durchaus gefürchtete Gesamtkonzept von "Constructive News" und "Native Advertising"-Angeboten einbinden. "Wir sind davon überzeugt, dass Unternehmen gute Neuigkeiten publizieren können", sagt Eckert und spielt damit auf den Nutzwert- und Lebenshilfe-Gedanken an, den er bei seinen BurdaForwad-Seiten gerne vor sich herträgt. "Werbung ist News", spitzt er den Gedanken, über den man sicher streiten kann plakativ zu. "Wenn die Werbung nicht News bietet, wäre sie wertlos", sagte er in München.

Focus.de beansprucht die Führung vor Bild.de

Beim Armdrücken zwischen Bild.de und Focus Online freut man sich bei Burda weiterhin, dass man aktuell laut AGOF in der Unique-User-Zahl die Nase vorn hat - und zwar mit 19,5 Mio UU gegenüber 19,1 Mio bei Bild.de. Gleichwohl rechnet Eckert damit, dass Springer wieder aufholen wird und es immer wieder zu Führungswechseln im Ranking kommen kann. "Ich weiß, dass man das in Berlin ernst sieht und derzeit viel Geld in die Hand genommen wird", sagte Eckert zu kress.de über den Wettlauf Focus-Bild.de. Allerdings: "Unsere wahren Konkurrenten sind gar nicht Bild.de, sondern Google, Facebook, Amazon und Apple." Am Selbstbewusstsein mangelt's nicht.

Ihre Kommentare
Kopf
Weitere Beiträge zu diesem Thema
Inhalt konnte nicht geladen werden.