Die AfD und "Die Welt": "Welt"-Journalist soll AfD Unkoscheres angeboten haben - Springer dementiert

 

"Welt"-Chefredakteur Stefan Aust steht in seiner ersten Feuerprobe: Ausgerechnet ein für die AfD zuständiger "Welt"-Redakteur soll den Rechtspopulisten ein unkoscheres Angebot gemacht haben. Springer weist die Anschuldigungen der Alternative für Deutschland (AfD) zurück.

Schwere Vorwürfe gegen den "Welt"-Redakteur Günther Lachmann. Er soll AfD-Chefin Frauke Petry angeboten haben, sie insgeheim in Medienfragen zu beraten. Das behauptet jedenfalls der nordrhein-westfälische AfD-Landesvorsitzende Marcus Pretzell. Dafür habe der Journalist monatlich 4000 Euro kassieren wollen. Das Geld sollte Pretzell zufolge nicht direkt an den Journalisten fließen, weil der seinen Job bei der "Welt" nicht aufgeben und weiter für die Berichterstattung über die AfD verantwortlich sein wollte. Die 4000 Euro sollten entweder über das Online-Portal von Lachmanns Frau oder über einen Mittelsmann gezahlt werden, der offiziell den Auftrag als AfD-Berater erhalten sollte. "Das Modell stieß bei Frauke Petry auf wenig Begeisterung, weil sie entgegen der von Herrn Lachmann zuletzt heraufbeschworenen 'Skandale' hier einen echten erkannte", schrieb der mit der AfD-Chefin auch privat verbandelte Pretzell.

"Besonderes Geschmäckle"

Seit Petry das angebliche Angebot Lachmanns abgewiesen habe, kämen dessen Berichte nicht ohne "herabwürdigende Bemerkungen zu Frauke Petry aus", schrieb Pretzell. "Das ist nun nicht weiter besonders in der deutschen Presselandschaft, aber es bleibt in diesem Fall ein besonderes Geschmäckle."

Springer prüft rechtliche Schritte

Der Axel Springer Verlag stellte sich umgehend vor seinen Mitarbeiter. "Wir weisen die Vorwürfe zurück, prüfen rechtliche Schritte", erklärte Lachmanns Arbeitgeber. Die "Welt"-Redaktion begleite die AfD mit der gleichen journalistischen Sorgfalt wie andere Parteien auch.

Auf Pretzells Facebook-Seite ließen Leser ihrer Empörung über das angebliche Angebot des "Welt-Redakteurs freien Lauf. Mehrfach war von "Lügenpresse" die Rede. "Es reicht", hieß es in einer Zuschrift. Ein anderer Leser witterte einen "Abgrund an Ehrlosigkeit und Diskreditierung eines ganzen Berufsstandes". In einer weiteren Reaktion hieß es: "Nun wissen wir, warum Lügenpresse wahr ist!!" Und noch ein Leser äußerte die Hoffnung, dass Pretzell belastbare Beweise vorlegen könne. Dieser antwortete: "Herr Lachmann kann sehr gerne klagen, Kein Thema!"

Das frühere FDP-Mitglied Pretzell ist innerparteilich nicht unumstritten. 2014 trat er aus dem Bundesvorstand aus. Zuvor hatte ihn das Gremium Bundesvorstand gerügt, da er auf einer Veranstaltung der Jungen Alternative mit dem UKIP-Vorsitzenden Nigel Farage aufgetreten war. Pretzell ist seit 2014 Mitglied des Europaparlaments.

Der Sozialwissenschaftler David Bebnowski vom Göttinger Institut für Demokratieforschung wirft Pretzell das Bedienen "nationalkonservative Anliegen" vor. Der Politiker sei ein "Vertreter rechtspopulistischer Strömungen an der Parteibasis". Er vereine "liberale Standpunkte mit identitären nationalkonservativen Ideenwelten".

In der Flüchtlingskrise vertritt Pretzell einen harten Kurs und plädiert notfalls für den Einsatz von Schusswaffen. "Die Verteidigung der deutschen Grenze mit Waffengewalt als Ultima Ratio ist eine Selbstverständlichkeit", sagte er der dpa.

Hintergrund

Chefredakteur und Herausgeber von WeltN24 ist der frühere "Spiegel"-Chefredakteur Stefan Aust, die Chefredaktion komplettieren Ulf Poschardt, Arne Teetz, Oliver Michalsky und Beat Balzli. Verlagsgeschäftsführer sind Stephanie Caspar und Torsten Rossmann. Im Vorstand von Axel Springer verantwortet Jan Bayer die WeltN24-Gruppe. Die gemeinsam ausgewiesene, verkaufte Auflage von "Welt Kompakt" und "Die Welt" beträgt 187.866 Exemplare (laut IVW 4/2015). Der "Welt" liegen als regelmäßige Magazinbeilagen außerdem unter anderem das Wirtschaftsmagazin "Bilanz" (Chefredakteur: Klaus Boldt, Herausgeber: Arno Balzer), das Stilmagazin "Icon" (Chefredakteurin: Inga Griese) sowie das Kunstmagazin "Blau" (Chefredakteur: Cornelius Tittel) bei.

Ihre Kommentare
Kopf

David Leon

04.02.2016
!

Also es wird sich zeigen ob der Verlag klagt, Oder ob es sich tatsächlich um einen Fall von Erpressung handelt. Oder ist es nicht Erpressung wenn Politikern von Journalisten gegen Geld angeboten wird, auf negative Berichterstattung zu verzichten.


Chris Ska

13.02.2016
!

Ich finde es schlimm, dass es intriganten und indiskreten Strippenziehern bei der AfD gelingt einen Journalisten der WELT wegen mangelnder Loyalität zu ihnen abzusägen. Günther Lachmann hat immer recht wohlwollend zur AfD berichtet. Die AfD Kleinkrieger nehmen ihren fairsten AfD Korrespondenten der WELT aufs Korn. Für Vollstrecker Aust ein Geschenk, der den Lachmann-Klan sowieso rausmobben wollte. Zeigt was für eine Gesinnung die AfD Granden haben. Jeder AfD Sympathisant sollte auf Abstand gehen


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