Social-TV-Analyse zu "Ich bin ein Star - holt mich hier raus": Das Dschungelgezwitscher im Drei-Jahres-Vergleich

04.02.2016
 
 

Wie erfolgreich war die aktuelle Staffel des Dschungelcamps in den sozialen Medien? Im Vergleich zum Vorjahr wurde wieder mehr unter dem Hashtag #ibes getwittert, auch die Zahl der Autoren stieg. Warum Larissa Marolt aus der 2014er-Staffel dennoch die Dschungelkönigin auf Twitter bleibt, zeigen Daniel Possler, Christopher Buschow, Lena Hautzer und Sven-Uwe Janietz in ihrem Drei-Jahres-Vergleich. 

Bei Twitter startete RTLs Ekelformat dieses Jahr nur unterdurchschnittlich, gegenüber 2015 konnte die Pilotfolge 14 Prozent weniger Kommentare verbuchen. Ausschlaggebend aber war nicht die Sendung, sondern Twitter: Exakt zum Staffelstart fiel der Kurznachrichtendienst für rund 30 Minuten aus. Hätten die Nutzer in der Frequenz der ersten 15 Minuten weiterposten können, so wären rund 10.000 Tweets mehr zusammengekommen. Die Premierensendung 2016 hätte dann einen neuen Dschungelcamp-Rekord aufgestellt. Dass aber #ibes "Twitter in die Knie" zwang, wie manche vermuten - unwahrscheinlich.

Seit 2014 analysieren wir die Social-Media-Kommunikation deutschsprachiger User zum Dschungelcamp. Unsere Daten zeigen, dass die Twitter-Community in 2016 insgesamt intensiver über die Sendung sprach als noch im Vorjahr. Deutsche Nutzer verfassten mehr als 409.000 Kurznachrichten unter dem Hashtag #ibes - ein neuer Rekord. Auch die Anzahl der Autoren stieg im Vergleich zum Vorjahr um etwa 6 Prozent. Bereits von 2014 auf 2015 hatte sich die Zahl der aktiven Dschungel-Twitterer erhöht (+10 Prozent). Das ist ein kontinuierliches Wachstum - aber kein Boom von Social TV in Deutschland, der Twitter lahmlegen könnte. Wie auch in den vorangegangenen Jahren ist die Community mit rund 34.700 deutschsprachigen Nutzern recht überschaubar. Im Schnitt verfassen diese Nutzer über die gesamte Staffel rund 12 Beiträge - ein stabiler Wert seit 2014.

Buzz-Verläufe in allen Jahren sehr ähnlich

Auch wenn das Tweet-Aufkommen zu "Ich bin ein Star - holt mich hier raus" von Jahr zu Jahr ansteigt, beobachten wir bei jeder Staffel doch insgesamt sehr ähnliche Kommunikationsverläufe. Typisch ist die "rechtsschräge Badewanne": Der Staffelstart wird auf Twitter mit viel Kommunikation begleitet. Im weiteren Verlauf ebbt das Interesse an der Sendung etwas ab, zum Finale erfährt #ibes wieder verstärkt an Aufmerksamkeit.

Interessanterweise zeigt sich in allen Jahren ein Spitze am fünften Tag. Wir vermuten, dass die Kandidaten zu diesem Zeitpunkt eingeführt sind, die Fronten sich zunehmend verhärten und erste Schwächeerscheinungen auftreten: 2014 verließ etwa Michael Wendler das Camp an Tag vier, Gunter Gabriel tat es ihm dieses Jahr an Tag fünf gleich. Zu diesem Zeitpunkt ist die Dramaturgie der Sendung also voll entfaltet, der Spannungsbogen verdichtet sich und Fanlager entstehen. Die Hashtags #team[Kandidat], die wir in jeder Staffel finden, verweisen darauf. Ein staffelübergreifendes Hoch produziert auch der Beginn der zweiten Stufe des Telefonvotings an Tag acht, bei dem zum ersten Mal ein Kandidat aus dem Camp gewählt wird.

Kandidaten polarisieren mehr als 2015, aber Larissa bleibt die 'Dschungelkönigin'

Während die 2015er-Staffel von Fans für ihre vergleichsweise langweiligen Kandidaten als "Kuschelcamp" kritisiert wurde , scheint das Casting dieses Jahr besser gelungen. Unsere Daten zeigen: Die Kandidaten waren 2016 wieder verstärkt Treiber der Twitter-Kommunikation - oft hervorgehoben durch einen eigenen Hashtag. Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Anzahl der Tweets mit mindestens einem Kandidaten-Hashtag um ganze 65 Prozent.

Wo 2015 allein Walter Freiwald bei Twitter überzeugen konnte, sind dieses Jahr gleich mehrere Kandidaten vorne mit dabei: Helena Fürst, Thorsten Legat und natürlich Dschungelkönig Menderes Bağcı wurden in mehr als 33.000 Tweets mit einem eigenen Hashtag erwähnt.

2016 polarisierte vor allem Helena Fürst mit ihrer eigenwilligen Art. Weiterhin ungeschlagen bleibt aber die Dschungelkönigin auf Twitter, Larissa Marolt: Obwohl 2014 insgesamt noch weniger Nutzer zur Sendung posteten, konnte Larissa insgesamt doppelt so viele Tweets auf sich vereinen als in diesem Jahr Helena Fürst.

#ibes wird von Heavy Usern angetrieben

Der Blick auf drei Jahre Dschungelcamp zeigt: Social TV etabliert sich und wächst auf moderatem Niveau, auch wenn in Deutschland kaum der Sprung zum Massenphänomen gelingt. Im Vergleich zu den vergangenen Jahren haben die Tweets zur Sendung das Potenzial, mehr Reichweite zu generieren. Ein Post hatte 2016 die Chance im Schnitt 3.356 Follower zu erreichen - 2015 waren es 2.087 und im Jahr 2014 nur 860. Und das, obwohl Twitter selbst in Deutschland kaum wächst.

Für uns deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass sich die #ibes-Fans bei Twitter untereinander zunehmend stärker vernetzen. Auch aus unserer Forschung wissen wir, dass sich spezifische Social-TV-Communitys um einzelne Sendungen herausbilden.

Obwohl die Zuschauer sich anscheinend zunehmend stärker vernetzen, zeichnet eine kleine Gruppe aus Heavy Usern hauptverantwortlich für den Buzz: Über 50 Prozent der Tweets zur Sendung entfallen auf diese 850 #ibes-Fans, die gerade mal 2,5 Prozent aller Autoren ausmachen. Der Großteil der User beteiligt sich hingegen deutlich seltener: 90 Prozent aller Nutzer haben im Durchschnitt nur ca. 3 Tweets zur Staffel verfasst.

Wie auch bei anderen Online-Communities ist der Erfolg somit stark abhängig von einer kleinen Zahl an Heavy Usern. Gelingt es diese an die Sendung zu binden und langfristig für den Austausch zu begeistern, dürften auch die zukünftigen Staffeln des Dschungelcamps auf neue Rekorde zusteuern.

Autoren

Daniel Possler ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung der HMTM Hannover. Er beschäftigt sich unter anderem mit automatisierter Textanalyse und der Auswertung umfangreicher Datensätze.

Christopher Buschow ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung der HMTM Hannover. Zuletzt erschien von ihm die Herausgeberschaft "Social TV in Deutschland" (gemeinsam mit Beate Schneider).

Lena Hautzer arbeitet als Associate bei undconsorten, einer Managementberatung in Berlin. Sie beschäftigt sich mit digitalen Transformationsprozessen, strategischer Kommunikation und Big-Data-Analysen.

Sven-Uwe Janietz ist Gründer und Data Scientist bei der ferret go GmbH in Berlin. Er ist Experte für Datenaggregation und Text-Mining-Algorithmen.

Methodik: Für die Untersuchung wurden alle deutschsprachigen Tweets mit dem Hashtag #ibes zum Dschungelcamp 2014 (17.01.-02.02.14), 2015 (16.01.-01.02.15) und 2016 (15.01.-31.01.16) per Twitter-API gesammelt. Anschließend wurden die Tweets mit einer automatisierten Inhaltsanalyse computerlinguistisch ausgewertet. Da die Tweets in jedem Jahr auf selbe Weise erhoben wurden, ist ein reliabler Vergleich der Daten möglich. Die Studie ist ein längerfristiges Kooperationsprojekt des Instituts für Journalistik und Kommunikationsforschung der HMTM Hannover und der ferret go GmbH, einem Spezialisten für digital Media Aggregation und Research auf Basis von Text Mining und computerlinguistischer Analyse.

 

Ihre Kommentare
Kopf

Matthias

04.02.2016
!

Hmm?
1) wenn allein das Finale im TV von 8.6 Mio Zuschauer gesehen wurde und über die ganze Staffel nur knapp 35.000 Autoren auf Twitter daran teilgenommen haben, dann sind das 0,4% der TV Zuschauer !
2) Dazu dann: "50 Prozent der Tweets zur Sendung entfallen auf diese 850 #ibes-Fans!

--> Stellt sich für mich die Frage ob man hier wirklich von Buzz und Social TV sprechen kann und ob das für das Format in irgendeiner Form eine relevanz hat.


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