"Rhein-Zeitung" über AfD-Chefin Frauke Petry: "Gespaltenes Verhältnis zur Wahrheit"

 

Ein "gespaltenes Verhältnis zur Wahrheit" wirft die in Koblenz erscheinende "Rhein-Zeitung" der AfD-Chefin Frauke Petry vor. Eine Interviewposse in einem Land, das sich von seinen Radikalen gefangen nehmen lässt.

Die ostdeutsche Politikerin wollte bei der Autorisierung des Interviews von einem Waffeneinsatz an der deutschen Grenze plötzlich nichts mehr wissen. Dabei hatte sie genau das im Gespräch mit der "Rhein-Zeitung" gefordert.

Auf die Frage "Ihr Partner, Herr Pretzell, hat gefordert, dass notfalls Grenzen auch mit der Waffe gesichert werden müssen. Was sagen Sie dazu?" antwortete sie: "Das ist geltende deutsche Rechtslage." Nachfrage: "Also notfalls schießen?" Antwort: "Als Ultima Ratio ist der Einsatz der Waffe zulässig. Das haben wir gerade schon besprochen. Es ist nichts, was sich irgendjemand von uns wünscht. Es müssten alle anderen Maßnahmen davor ausgeschöpft werden."

Doch bei der Autorisierung des Interviews, das "RZ"-Chefredakteur Christian Lindner und Redakteur Hartmut Wagner geführt haben, wollte die Politikerin laut "Rhein-Zeitung" nichts mehr von ihrer Forderung wissen. Die "Rhein-Zeitung" schreibt dazu: "Als unsere Zeitung ihr das niedergeschriebene Interview zur Autorisierung zuschickt, schreibt sie ihre Antwort einfach um. Auf die Nachfrage "Also notfalls schießen?" antwortet sie nun: "Alle Beamten im Grenzdienst tragen eine große Verantwortung, kennen die Rechtslage und den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit."

Die entsprechende Audio-Passage hat die "Rhein-Zeitung" auf ihrem Onlineportal zusätzlich veröffentlicht.

Erst in dieser Woche hatte Petry deutlich gemacht, wie sie ihr politisches Überleben sichern möchte - einfach behaupten, die Presse sei schuld. Dem "Mannheimer Morgen" hatte Petry gesagt, Polizisten müssten illegale Grenzübertritte verhindern und "notfalls auch von der Schusswaffe Gebrauch machen" - die Aussage also, die sie jetzt bei der "Rhein-Zeitung" wieder einfangen wollte. Dem MDR hatte Petry dann gesagt: "Keiner will schießen - gerade jemand wie ich nicht, der hinter Mauern und Stacheldraht aufgewachsen ist". Und sie hatte hinzugefügt: "Wir erleben in den Medien das, was so häufig passiert: Dass der Kontext dessen, was gesagt wird, sträflich missachtet wird und dass sich dann die politische Konkurrenz auf verkürzte Zitate wirft."

"Der Mannheimer Morgen hat nach den professionellsten Regeln und fairsten Bedingungen ein Interview wie Tausende vorher geführt. Es ist lächerlich und widerwärtig zugleich, wenn AfD-Spitzen sich zum Volkssport machen, menschenverachtende und erniedrigende Thesen in die Welt zu setzen - und es hinterher doch nicht ganz so gemeint haben wollen. Damit zersetzt die AfD-Vorsitzende willkürlich Demokratie, Politik, Parlamente und die Verlässlichkeit des geschriebenen und gesprochenen Wortes", hatte Dirk Lübke, Chefredakteur vom "Mannheimer Morgen", auf die Vorwürfe hier auf kress.de geantwortet.

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