Serienprojekt von ARD & Sky kostet "unter 40 Mio Euro": "Babylon Berlin" soll Vorbild für neue Formen der Zusammenarbeit sein

 

Die erste gemeinsam von öffentlich-rechtlichen und privaten Anbietern geplante Fernsehserie nimmt Gestalt an. Bereits im April soll mit den Dreharbeiten zu "Babylon Berlin" begonnen werden. Mit Kosten "unter 40 Millionen Euro" ist es die bislang teuerste Produktion einer deutschen Fernsehserie. Eine Hauptrolle spielt Volker Bruch.

International rangieren Fernsehserien aus Deutschland von Ausnahmen abgesehen unter ferner liefen. Selbst kleinen Ländern wie Dänemark gelang mit "Borgen" ein großer Erfolg. Unübertroffen erscheinen US-Serien wie "House of Cards" oder "True Detectives". Deutschland will nun in die Champions League aufsteigen. Den Grundlage wollen die öffentlich-rechtliche ARD und der private Veranstalter Sky mit "Babylon Berlin" liefern. Damit "sind wir in der oberen Liga, und da wollen wir auch hin", gibt einer der Beteiligten das ehrgeizige Ziel für das internationale Geschäft vor.

TV-Premiere 2017 bei Sky - 2018 im Ersten 

Den Erfolg soll die Verfilmung der in den 1920 und 1930er Jahren spielenden Krimis um den von Autor Volker Kutscher geschaffenen Berliner Kriminalkommissar Gereon Rath liefern. Die Dreharbeiten beginnen im April, gezeigt werden sollen die zwei Staffeln mit je acht Folgen 2017 beim Bezahlsender Sky und im Jahr darauf im Ersten.

Kutscher hat bislang fünf Romane um den politisch ambivalenten Rath und dessen entschieden demokratische Lebenspartnerin Charlotte ("Charlie") Ritter geschrieben und dabei die zeitgeschichtlichen Hintergründe in der Endphase der Weimarer Republik und der aufziehenden Nazi-Diktatur akribisch ausgeleuchtet. Die jetzt beginnende Verfilmung seines ersten Romans "Der nasse Fisch" ist das teuerste Serienprojekt in der deutschen Fernsehgeschichte. Die Beteiligten - neben der ARD sowie ihrer Filmtochter Degeto und Sky sind es X Filme Creative Pool und Beta Film - rechnen mit Kosten unter 40 Millionen Euro. Der Stundenpreis liege um die 2,5 Millionen Euro und bewege sich auf internationalem Niveau, sagt Beta-Chef Jan Mojto.

Die von den Regisseuren Tom Tykwer, Achim von Borries und Hendrik Handloegten konzipierte Serie soll nach dem Willen der Beteiligten das Vorbild für weitere Kooperation öffentlich-rechtlicher und privater Fernsehanbieter sein. Ein Einziger könne ein so ehrgeiziges Projekt nicht leisten, räumte ARD-Programmdirektor Volker Herres ein: "Man muss sich an dieser Stelle klar sein, dass es nicht allein zu wuppen ist."

Sky will Investitionen in Serienproduktionen verdoppeln

Sky-Deutschland-Chef Carsten Schmidt kündigte für die nächsten Jahre weitere Serienproduktionen in der Bundesrepublik an. Der Bezahlsender, der unter anderem die Bundesligaspiele live überträgt, werde deshalb seine Investition verdoppeln. Dabei seien Projekte auch mit anderen Partnern denkbar. Auch Degeto-Geschäftsführerin Christine Strobl zeigte sich offen für weitere Gemeinschaftsvorhaben. Damit werde man auch der geänderten Realität der Fernsehwelt Rechnung tragen.

Liv Lisa Fries und Volker Bruch sind die Hauptdarsteller

Für die Rolle des Kommissar Rath gewannen die Produzenten den als Wehrmachtsoffizier aus dem ZDF-Dreiteiler "Unsere Mütter, unsere Väter" bekannt gewordenen Schauspieler Volker Bruch. Seine Partnerin spielt Liv Lisa Fries ("Und morgen Mittag bin ich tot", "Sie hat es verdient"). Weitere Darsteller wurden bei der Vorstellung des Vorhabens am Mittwoch in Berlin nicht genannt.

Verantwortliche Redakteure von "Babylon Berlin" sind Christine Strobl, Sascha Schwingel und Carolin Haasis (ARD Degeto), Gebhard Henke und Caren Toenissen (WDR), Marcus Ammon und Frank Jastfelder (Sky Deutschland). Produzenten für X Filme sind Stefan Arndt, Uwe Schott und Michael Polle.

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