AfD-Vorwürfe erhärten sich: "Welt" trennt sich von Redakteur

 

Wie immer, wenn seine Journalisten angegriffen werden, hat sich Axel Springer auch hinter den Redakteur gestellt, dem von der AfD vorgeworfen worden war, er habe sich der Partei als Medienberater angedient. Jetzt hat Springer auf kress.de-Anfrage bestätigt, dass sich die "Welt" von dem erfahrenen Journalisten getrennt hat.

Die Leute, die tagaus, tagein auf der Straße "Lügenpresse" schreien und im Internet ihre Verachtung für den Journalismus postulieren, bekommen neues Futter. Ausgerechnet Springers "WeltN24" unter Herausgeber und Chefredakteur Stefan Aust hat ein hausgemachtes Glaubwürdigkeitsproblem. Die Zeitung, die wie kein zweites überregionales Blatt den unterschiedlichsten Meinungen ein Forum bietet, steckt keine sechs Wochen nach dem Wechsel an der Spitze in ihrer schwersten Krise der jüngeren Geschichte.

Während "WeltN24" vor allem im Netz zu den erfolgreichsten Medienmarken in Deutschland gehört, muss es sich nun gefallen lassen, dass Krakeeler behaupten, ihre Journalisten würden sich kaufen lassen (wollen).

Anfang Februar hatte kress.de über die schweren Vorwürfe von Marcus Pretzell, dem Vorsitzenden der AfD in Nordrhein-Westfalen, berichtet. Der für die AfD zuständige "Welt"-Redakteur soll AfD-Chefin Frauke Petry angeboten haben, sie insgeheim in Medienfragen zu beraten. Dafür habe der Journalist monatlich 4000 Euro kassieren wollen. Das Geld sollte Pretzell zufolge nicht direkt an den Journalisten fließen, weil der seinen Job bei der "Welt" nicht aufgeben und weiter für die Berichterstattung über die AfD verantwortlich sein wollte. Die 4000 Euro sollten entweder über das Online-Portal von Lachmanns Frau oder über einen Mittelsmann gezahlt werden, der offiziell den Auftrag als AfD-Berater erhalten sollte.

Axel Springer hatte den Vorwürfen widersprochen, auf kress.de-Anfrage erklärt, dass das Haus sogar rechtliche Schritte prüfe. Nach unseren Informationen hatten der Journalist und seine Frau dem Verlag sogar Eidesstattliche Versicherungen vorgelegt, sie hatten die erhobenen Vorwürfe bestritten.

"Junge Freiheit" gibt Tempo vor

Erneut ist es die rechts-konservative "Junge Freiheit", die bei der Berichterstattung über diesen Skandal das Tempo vorgibt. In einem Bericht, in dem sie heute nachlegt, schreibt das Blatt, dass E-Mails an die AfD den "Welt"-Journalisten massiv belasten. Sie würden der Redaktion der "Jungen Freiheit" vorliegen.

Auszug "Junge Freiheit": "So schrieb Lachmann in einer Mail vom 14. Juli 2015, also unmittelbar nach dem Abwahl Bernd Luckes als Parteichef, an Gabrecht: "Wir sprachen gestern darüber, wie die AfD ihr national-konservatives Stigma los wird. Dazu kam mir eine Idee, die ich schnell mal aufgeschrieben habe. Lassen sie sich den Text mal einige Tage durch den Kopf gehen." In einem dazugehörigen stichpunktartigen Konzept empfiehlt der Autor dann, die AfD zu einer "Partei der verantwortungsbewußten Demokratie" zu entwickeln."

Und die Zeitung schreibt: "Vier Tage später legte Lachmann mit einem "Konzept für ein Manifest der Verantwortungsdemokratie" nach. "Die Partei braucht dringend einen ideologisch-weltanschaulichem Überbau", schrieb er in einer Mail an Gabrecht. "Ich habe mal ein Manifest der Verantwortungsdemokratie skizziert, aus dem sich die AfD und folglich auch ihr Programm ableiten kann." Und weiter: "Es ist die Versicherung gegen alle Versuche, die Partei rechts zu verordnen." Angefügt ist ein fünf Punkte umfassendes zweiseitiges Konzept."

Es liegt jetzt an der "Welt", in der Ausgabe am Sonntag Licht in diesen Skandal zu bringen. In den nächsten Tagen wird sich zeigen, wie schwer der Vertrauensbruch die Leserinnen und Leser tatsächlich wiegt. Auf Stefan Aust, auf das gesamte Team von "WeltN24", warten schwere Wochen und Monate. Aust hat die Trennung inzwischen auch auf Twitter bekanntgegeben.

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