"Cicero" und "Monopol": So lief der Deal von Schwennicke und Marguier mit Ringier

 

Warum "Cicero" und "Monopol" zu klein für Ringier waren, wie es zu dem Deal wirklich kam, wie die neuen Eigentümer aus den roten Zahlen wollen, was Axel Springer mit den Magazinen vorhatte - im Interview mit kress.de erklärt Alexander Marguier, stellvertretender Chefredakteur von "Cicero" und bald Neu-Verleger, die Ziele.

Christoph Schwennicke (49), Chefredakteur von "Cicero", und sein Stellvertreter Alexander Marguier (46) werden zum 1. Mai auch Eigentümer des Magazins sowie dessen Kunstmarktschwester "Monopol". Die monatlich erscheinenden Hefte haben verbreitete Auflagen von rund 88.000 ("Cicero") bzw. 38.000 Stück ("Monopol"). Über den Deal, der alle bis auf Leser von kresspro überraschte, sprach kress.de mit dem studierten Volkswirt und früheren "FAS"-Ressortleiter Alexander Marguier.

kress.de: Wann hat der Ringier-Verlag Ihnen mitgeteilt, dass er sich von "Cicero" und "Monopol" trennen möchte?

Alexander Marguier: Das hat er uns gar nicht mitgeteilt. Es war ein wenig anders: Im Sommer vergangenen Jahres sind Christoph Schwennicke und ich auf Michael Ringier zugegangen und haben ihn gefragt, ob er bereit wäre, uns auch kaufmännische Verantwortung zu übertragen. Denn wir hatten gute Ideen. Unser Ziel war es, ohne die Umwege über Zürich direkter auch auf die wirtschaftliche Entwicklung von "Cicero" Einfluss zu nehmen.

"Der Kauf entwickelte sich sehr organisch"

Was passierte dann?

Alexander Marguier: Irgendwann fragte er uns, ob wir uns sogar noch mehr vorstellen könnten. So sprachen wir über einen Management-Buyout, also über eine Situation, in der Leitende Angestellte ihr eigenes Unternehmen kaufen. Erst ging es dabei nur um "Cicero", später dann auch um "Monopol". Denn die beiden Magazine bilden eine Verlagseinheit, und es wäre nicht klug gewesen, diese aufzutrennen. Es war Ringiers Anliegen, dass wir beide Titel übernehmen.

Hat es Sie überrascht, dass Ringier Ihnen plötzlich sogar den Kauf anbot?

Alexander Marguier: Nein, das Ganze entwickelte sich sehr organisch, so dass es schließlich konsequent und logisch war.

Axel Springer wollte aus "Cicero" eine Beilage machen

Zwischenzeitlich hatte auch Axel Springer Interesse an einer Übernahme. Warum hat sich das zerschlagen?

Alexander Marguier: Ich war bei den Verhandlungen nicht dabei, aber gescheitert ist die Übernahme daran, dass Springer "Cicero" und "Monopol" zu Beilagen seiner Zeitungen machen wollte - vergleichbar dem Kunstmagazin "Blau" oder dem Lifestyleblatt "Icon". Mit einer solchen Zukunft für seine beiden Titel konnte sich Michael Ringier wohl nicht anfreunden.

Wäre es Ihnen lieber gewesen, Sie hätten einen finanzstarken Verlag wie Axel Springer im Rücken gehabt, als das Geschäft nun selbst zu übernehmen?

Alexander Marguier: Nein, wir sind mit der Situation sehr glücklich. Das können Sie auch daran erkennen, dass wir auf Michael Ringier zugegangen sind. Es ist optimal, wenn solche Liebhaber-Blätter kaufmännisch und redaktionell aus einer Hand gemacht werden.

Hand aufs Herz: Wenn Sie die beiden Titel nicht übernommen hätten, wäre das doch das Aus für "Cicero" und "Monopol" gewesen?

Alexander Marguier: Sagen wir mal so: Es war klar, dass sich Ringier von seinen Deutschland-Aktivitäten trennen wollte. Dafür gab es zwei Gründe: Die beiden Titel waren nicht rentabel und für seinen Verlag auch zu klein. Ob es noch andere Kaufinteressenten gegeben hat, weiß ich nicht. Es ist jetzt auch nicht mehr relevant.

"Ringier gibt uns eine finanzielle Starthilfe"

Wie hoch ist der Kaufpreis? Oder übernehmen Sie die Magazine vom Ringier-Verlag zu einem symbolischen Preis?

Alexander Marguier: Wir haben uns mit Michael Ringier darauf geeinigt, den Kaufpreis nicht zu nennen, aber wenn Sie von einem symbolischen Preis sprechen, liegen Sie nicht falsch. Wir verraten auch nicht zu viel, wenn wir sagen, dass er uns eine finanzielle Starthilfe mit auf den Weg gegeben hat.

Ringier sagt, in den kompletten zwölf Jahren seit der Gründung von "Cicero" sei es nie gelungen, das Heft profitabel zu machen. Ähnlich verhielt es sich mit "Monopol". Wie wollen Sie das nun schaffen?

Alexander Marguier: Der Charme des Management-Buyouts liegt auch darin, dass wir als nun Kleinverleger einen besseren Blick auf das Geschäft haben, als das aus dem fernen Zürich möglich war. Durch unsere Doppelfunktion entstehen auch viele Synergien.


Machen Sie das ganz allein?

Alexander Marguier: Nein, wir haben im Verlag Kollegen, die sich hauptamtlich ums Geschäft kümmern und uns unterstützen.

Was werden Sie ändern? Wie wollen Sie die Kosten senken und die Einnahmen erhöhen?

Alexander Marguier: Ein wichtiger Schritt ist, dass wir die Anzeigenabteilung outsourcen. Wir haben mit IQ-Media, einer "Handelsblatt"-Tochter, einen sehr starken Partner gefunden. Die vermarkten auch die "Wirtschaftswoche", "Die Zeit" und das "Handelsblatt". Wir sind überzeugt, dass sie uns glaubwürdig bei den Anzeigenkunden vertreten werden und dass wir diesen Geschäftszweig mit ihnen ausbauen können. Eine Ausnahme machen wir allerdings bei den "Monopol"-Kunstmarktanzeigen. Das bleibt inhouse. Denn dafür haben wir wirklich Experten.

Werden Sie sich auch von Mitarbeitern trennen?

Alexander Marguier: Natürlich müssen wir auch Personalkosten im Verlag einsparen. Einige, wenige Redakteure werden gehen müssen. Aber das wird die Qualität der Inhalte nicht berühren.

Wie viele Mitarbeiter haben Sie denn?

Alexander Marguier: "Cicero" und "Monopol" sind Autorenmagazine. Da wir nicht die ganzen Hefte selbst vollschreiben müssen, kommen wir mit jeweils kleinen Mannschaften aus. Bei "Cicero" sind es insgesamt - also in Redaktion, Grafik, beim CvD und für Online - zwölf; bei "Monopol" 13.

"Wir bleiben leidenschaftliche Journalisten"

Können Sie sich künftig redaktionell überhaupt noch einbringen oder wird die Geschäftsführung Ihrer neugegründeten Res Publica Verlags GmbH die meiste Zeit Ihrer Arbeit in Anspruch nehmen?

Alexander Marguier: Das ist eine gute Frage. Wenn wir uns in einigen Monaten noch einmal sprechen, kann ich das vielleicht besser beantworten. Eines ist aber klar: Wir sind leidenschaftliche Journalisten und wollen das auch bleiben. Unsere kaufmännische Arbeit wird nicht zulasten unseres journalistischen Engagements gehen, sondern auf Kosten unserer Freizeit. Ansonsten hätten wir auch ein Gartenbauunternehmen übernehmen können.

Mit Alexander Marguier, stellvertretender Chefredakteur von "Cicero", sprach Frank Hauke.

Ihre Kommentare
Kopf

Sven

19.02.2016
!

Da bleibt den neuen (und alten) Machern von Cicero nur viel Glück zu wünschen. Das Magazin ist eines der wenigen, die seriös und kritisch reflektieren.


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