Gefakte Aufreger-Werbung: Schweizer Restaurant mit Katzenfleisch bleibt geschlossen

 

Nachdem ein Koch angekündigt hat, "Mostbröckli vom Hund" und "Katzenrücken" zu servieren, flippten Tierschützer weltweit aus. Wie konnte es nur soweit kommen?

Das Werbevideo ist perfekt inszeniert. Moritz Brunner, ein nett wirkender Bursche mit Fahrrad, Hund und Hipster-Bart durchstreift seine Schweizer Heimat und erzählt von seiner Leidenschaft, dem Kochen, das für ihn Kunst sei. Alles riecht nach Natur, feiner Küche, frischer Kost, Öko-Anbau und Bodenständigkeit. Brunner schwelgt in Erinnerungen an seine Oma. Dazu wird eine ältere Frau in Schwarz-Weiß-Aufnahmen beim Katzenfüttern gezeigt. Der Koch verkündet, ihr nacheifern zu wollen. Der Schweizer halte gerne an Traditionen fest, wird suggeriert.

Bis dahin ist alles im grünen Bereich. Doch dann erläutert Brunner, was er konkret meint. Er will ein Restaurant mit Namen "La Table Suisse" eröffnet haben, das erste in Europa, das traditionelle Schweizer Gerichte mit Fleisch von Hunden und Katzen ("Büsi" in Mundart) feilbiete. "Ich möchte das Rezept meiner Großmutter neu erfinden: den Büsirücken, das zarteste Stück der Katze", erklärt er und fragt: "Warum sind so viele Menschen dagegen, Katzen und Hunde zu essen?" Er respektiere Vegetarier, aber wenn man Schweine und Hühner verspeise, mache es keinen Sinn, nicht auch andere Tiere zu futtern.



In der Schweiz ist es tatsächlich erlaubt, Katzen- und Hundefleisch zuzubereiten, allerdings nur privat und nicht als kommerzielles Geschäft. Moritz Brunner präsentiert auch dafür die Lösung. Seine Gäste müssten jenen Hund oder jene Katze, die sie zu verspeisen gedenken, vorher adoptieren. Zur Eröffnung gab es ​laut der Facebook-Seite von "La Table Suisse" "Mostbröckli vom Hund mit glasierter Birne" sowie "Katzenrücken mit Patatli und Kräuterseitlingen".

Prompt hagelte es erste Proteste. Das Restaurant beklagte auf seiner Facebook-Seite "Drohungen und Beleidigungen" und entschloss sich, seine "echte Adresse und Telefonnummer" von der ebenfalls professionell gestalteten Website zu entfernen und keine Reservierungen mehr anzunehmen, "um uns und unsere Gäste nicht in Gefahr zu bringen". Brunner ließ die Welt wissen: "Für uns ist es teilweise auch unverständlich, denn im Prinzip sind wir wie jedes andere Restaurant, das Fleisch serviert."

Die Kritik kam aus aller Welt. "La Table Suisse" erlebte einen Shitstorm ersten Ranges, auf Facebook-Seiten diverser Tierschutzorganisationen steppte der Bär. Die Schweiz wurde (und wird) aufgefordert, mit der hundsgemeinen Tradition Schluss zu machen, die armen Kreaturen zu verspeisen. Obwohl in Internetforen immer wieder die Frage nach der Echtheit von "La Table Suisse" gestellt wurde, folgte ein tierisch ernster Protest gegen das "unmenschliche Verhalten" Brunners. Ein Beispiel von der Facebook-Seite des Deutschen Tierschutzbüros: "​Was stimmt denn mit uns Menschen nicht mehr? Wieviel Leid wollen wir denn noch verantworten, und das nur für kurzzeitigen 'Gaumengenuss'? Mir ist einfach nur noch schlecht." ​​

Immerhin war sich die Organisation Schweizer Tierschutz von Anfang an sicher, dass das alles nicht wahr sein könne. "Das ist eine sehr gut gemachte Provokation, um auf das Problem aufmerksam zu machen", sagte Sprecherin Helen Sandmeier auf Anfrage. Ihr Verein fordere seit Jahren ein Verbot für den Verzehr von Hunde- und Katzenfleisch in der Schweiz im privaten Bereich. "Es ist gut, dass nun wieder darüber geredet wird." ​Wer dahinter stecke, wisse sie nicht. "Aber der Urheber der Kampagne wird sich schon noch outen", sagte sie.

So kam es denn auch. Anfang der Woche bekannte sich der Vegetarierbund Deutschland (VEBU) dazu, hinter dem Projekt zu stecken und die Werbeagentur Scholz & Friends damit beauftragt zu haben, die das bestätigte. VEBU-Geschäftsführer Sebastian Joy sagte, mit der Aktion sollten nicht die Schweiz und deren Einwohner angeprangert werden. Es sei darum gegangen, auf den Widerspruch aufmerksam zu machen, dass die einen Tiere als essbar, die anderen als nicht essbar betrachtet würden. Medien in mehr als 25 Ländern auf vier Kontinenten hätten über "La Table Suisse'" berichtet und viele Millionen Menschen erreicht.

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