Wenn Friede Springer alt und gebrechlich ist: "Karin Arnold wird für mich denken müssen"

 

Schon lange hat sich Friede Springer nicht mehr so selbstbewusst gezeigt wie in diesen Tagen. Aber warum muss ihre Biografin ausgerechnet Axel Springer herabsetzen, um Friede Springers Leistung zu erhöhen?

Es ist ein lesenswertes Buch, das Inge Kloepfer, Redakteurin der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung", mit und über Friede Springer verfasst hat. Erstmals erschienen 2005, aktualisiert 2012, schildert sie in dem Buch eine Frau, die in die Rolle der Verlegerin hinein- und längst über sich hinausgewachsen ist.

Seit am vergangenen Montag der Herausgeber der "FAZ", Holger Steltzner, gemeinsam mit Carsten Knop, Leiter der Unternehmens- und Wirtschaftsberichterstattung der Frankfurter Zeitung, über den Streit um das Erbe von Frau Springer geschrieben haben, befindet sich das Medienunternehmen Axel Springer in Unruhe. Wie hätte es auch anders sein sollen, in einem Haus mit selbstbewussten Managern, von denen viele den Wandel in der Medienlandschaft verstanden haben.

Eine Seite in der "FAS" über die "Frau hinter Friede Springer"

Eine Seite haben der Leiter der "FAS"-Wirtschaftsredaktion Rainer Hank und sein Stellvertreter Georg Meck ihrer Autorin freigeräumt, damit sie die Geschichte von der "Frau hinter Friede Springer" erzählen kann. Dabei handelt es sich um die Berliner Anwältin Karin Arnold, einer, wie man allseits hört, klugen Frau, die sich lieber in Detailfragen verbeißt, als sich auf jedem Ball zu präsentieren. Karin Arnold berät Friede Springer schon seit vielen Jahren, als stellvertretende Vorsitzende übernimmt sie bereits in der Friede Springer Stiftung, die philanthropische Ziele verfolgt, Verantwortung. Dem siebenköpfigen Kuratorium gehören außerdem an Marianne Birthler, Manfred Gahr von der TU Berlin, Alt-Bundespräsident Horst Köhler, Alba-Chef Eric Schweitzer, Christoph Markschies, Professor für Ältere Kirchengeschichte an der Humboldt-Universität sowie Chemie-Professor Joachim Sauer, ebenfalls Humboldt. 

"Preußisches Berufs- und Selbstverständnis"

Bei Kloepfer heißt es über Karin Arnold: "Mit einem nahezu preußischen Berufs- und Selbstverständnis steht sie auf der Seite ihrer Mandanten."

Ein einziges aktuelles Zitat scheint Arnold für den ganzseitigen Bericht freigegeben zu haben:

1. "Ich mache genau das, was mein Auftrag ist, und denke ausschließlich aus der Sicht meiner Mandanten."

Beim zweiten Zitat fügt Kloepfer hinzu, dass Arnold es "einmal" gesagt habe. Mit Bezug auf die Möglichkeit, eine Stiftung zu gründen, um Friede Springers Willen auch nach ihrem Tod zu verwalten, sagt Karin Arnold: "Und es will gut überdacht werden, weil nach dem Tod die Dinge, wenn sie sich als ungünstig erweisen, nur noch sehr schwer geändert werden können."

"Ich entscheide vieles mit ihr zusammen"

Viele Worte braucht auch Friede Springer nicht, um ihre Nähe zu Karin Arnold zu erklären: "Ich entscheide vieles mit ihr zusammen." Und wenn Friede Springer irgendwann die Gebrechen des hohen Alters einholen werden, "dann wird sie (Arnold) erst einmal für mich denken müssen. Das weiß sie, und sie wird es gut machen."

Um da nichts hineinzuinterpretieren, in diesem Stück steht nun wirklich nichts davon, dass Friede Springer nicht verstanden hätte, um was es hier wirklich geht. Arnold, wie in der vergangenen Woche teilweise behauptet wurde, habe sich das Vertrauen der Verlegerin erschlichen, um sich selbst in Position zu bringen, sie wolle den Konzern führen. Dem widerspricht Springer-Biografin Kloepfer: "Wer solche Gedanken hegt und kolportiert, setzt auf das klassische Mädchenschema, das Friede Springer seit ihrem Erscheinen als junge Frau an der Seite des Verlagsgründers begleitet. Es ist das der leicht zu bevormundenderen Verlegerin. An der haben sich allerdings nicht nur die versiertesten Anwälte, sondern auch gerissene Medienunternehmer und ausgekochte Politiker bisher immer die Zähne ausgebissen. Die Frau an Friede Springers Seite bedient sich dieses Schemas nicht", so Kloepfer in der "FAS".

Warum wird das Lebenswerk Axel Springers geschmälert? 

Was in dem Stück überrascht und verwirrt, ist die Tatsache, dass die Biografin ausgerechnet Axel Springers Lebenswerk schmälert, um das Licht intensiver auf Friede Springer scheinen zu lassen: "Axel Springer hatte, katastrophal schlecht beraten, ein Stückwerk hinterlassen, einen zerschlagenen Konzern, der heftige Übernahmebegehrlichkeiten anderer Medienriesen weckte. Friede Springer, die sich in weit mehr als zehn kräfte- und nervenzehrenden Jahren die Mehrheit zurückeroberte, will genau das vermeiden." Glauben Inge Kloepfer / Friede Springer wirklich, die Lebensleistung von Frau Springer ist höher einzuschätzen als die des Unternehmensgründers? Das wäre eine ungeheuerliche Wende im Leben von Friede Springer, die sich selbst ja immer wieder einzig als Verwalterin des Erbes von Axel Springer präsentiert hat.

Kloepfer erwähnt eine interessante Variante, wie Friede Springer am Ende entscheiden könnte - wer soll das unternehmerische Vermögen erben und wer die unternehmerische Leistung übernehmen? Das müsse nicht unbedingt ein- und dieselbe Person sein.

Friede Springer hat sich selbst nie negativ über die Leistung von Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner geäußert. Im Gegenteil, in einem ihrer seltenen Hörfunk-Interviews hatte sie im vergangenen Jahr im Deutschlandfunk Stephan Detjen gesagt: "Ich bin so froh, dass wir Mathias Döpfner an der Spitze haben, dass er CEO ist. Seitdem er da ist, ist Ruhe im Verlag, das Haus wächst, Mathias Döpfner ist wirklich ein Könner, auch in dieser neuen Medienwelt wird er anerkannt - in aller Welt. Und man sieht den Erfolg. Und das möchte ich, dass es so bleibt."

"Wer für Friede Springer arbeitet, muss erfolgreich sein"

Biografin Kloepfer sah das Verhältnis zu Döpfner 2012 in einem Interview mit Isabell Hülsen für den "Spiegel" dagegen noch angespannt: "Viele glauben, Friede Springer besonders nah zu sein. Aber sie ist eine reservierte Person, an die kaum jemand wirklich herankommt. Wer für sie arbeitet, muss erfolgreich sein, von zur Schau getragener Wertschätzung lässt sie sich nicht umgarnen. Sie sagt, sie denke immer mal wieder nach, ob jemand der Richtige ist." 

Laut Kloepfer hat Friede Springer die Entscheidung, was nach ihrem Tod mit ihrem Besitz geschieht, vertagt, "mindestens zwei Jahre". "Der richtige Sturm wird erst noch kommen", so die Biografin.

Ihre Kommentare
Kopf

Hartmut Müller-Gerbes

22.02.2016
!

Wie von Inge Kloepfer vorhergesagt, wird die Debatte um Springer durch die Decke gehen. Es ist halt das wichtigste Medienunternehmen in Europa. Allerdings sehe ich es nicht, dass sich Friede Springer auf Kosten Ihres Mannes besser machen will, wie Bülend Ürük schreibt. Das ist doch nur eine Tatsachenbeschreibung der damaligen unternehmerischen Situation. Im übrigen wird Friede Springer - darin auch vergleichbar mit Angela Merkel - stets kleingeredet und in ihrer Arbeit und Wirkung unterschätzt.


Ralf E. Hansen

Ralf E. Hansen

Medienconsulter
Consulter Medien & Entertainment

23.02.2016
!

und was ist wenn Karin Arnold alt wird und Vorboten von Verwirrtheit kommen ? Geht dann Springer vor die Hunde ?


Ralf E. Hansen

Ralf E. Hansen

Medienconsulter
Consulter Medien & Entertainment

23.02.2016
!

und was ist wenn Karin Arnold alt wird und Vorboten von Verwirrtheit kommen ? Geht dann Springer vor die Hunde ?


Ralf E. Hansen

Ralf E. Hansen

Medienconsulter
Consulter Medien & Entertainment

23.02.2016
!

sorry, ich hab nur einmal auf senden gedrückt !!


X

Kommentar als bedenklich melden

 
×

Bestätigung

Dieser Kommentar wurde erfolgreich gepetzt.

×

Oooooooooops

Beim Petzen trat ein Fehler auf. Versuchen Sie es bitte noch einmal.

Weitere Beiträge zu diesem Thema
Inhalt konnte nicht geladen werden.