Axel Springer Award für Mark Zuckerberg: Wohlgefühl im Birkenwäldchen

26.02.2016
 

Understatement ist Mark Zuckerbergs Markenzeichen - zumindest, wenn es um Äußerlichkeiten geht. Doch für die Verleihung des ersten Axel Springer Awards lässt er die Jeans und das obligatorische graue T-Shirt im Hotel und kommt im dunkelblauen Anzug zur Preisverleihung im Axel-Springer-Haus. Das weiße Hemd aufgeknöpft, keine Krawatte, so viel Rebellion muss sein.

Der Rote Teppich ist silbrig grau und wird von Grasstreifen gesäumt. Vereinzelte Birken stehen im Raum. Ein Corporate-Design-Konzept, das sich im Veranstaltungsraum im 19. Stockwerk fortsetzt. Den Dachgarten des Facebook-Hauptquartiers wollte man Zuckerberg zu Ehren nachahmen, dafür wurden 24 Birken gefällt und 135 Quadratmeter Rollrasen verlegt. Der Geruch nach feuchtem Gras weckt Assoziationen an Natürlichkeit und Unschuld. An den Birken vorbei kommt Facebook-Gründer und CEO Mark Zuckerberg, am Arm Gattin Priscilla Chan.

Wie für Zuckerberg gemacht: Der Axel Springer Award

Das Posing für die Fotografinnen und Fotografen bleibt kurz, links Springer CEO Mathias Döpfner, rechts Friede Springer, in der Mitte mit gewinnendem Lächeln: Zuckerberg und Chan. Blitzlichtgewitter, unbeantwortete Fragen, das Übliche. Der Auftritt ist das Ende eines langen Imagepflegetages, mit dem Zuckerberg die deutschen Gemüter, die sich an Datenschutz-Richtlinien und Hatespeech-Diskussionen rund um Facebook aufreiben, besänftigen will. Er traf Peter Altmeier (CDU) und joggte durch das Brandenburger Tor, spendete Server im Wert von über einer Million Euro und erhält nun den Axel Springer Award. Der ideelle Preis, der von nun an jährlich Unternehmerpersönlichkeiten aus dem In- und Ausland auszeichnet, scheint Zuckerberg auf den Leib geschneidert.

Rund hundert namhafte Gäste aus Medien und Wirtschaft wurden geladen, den Preisträger zu feiern. Das mehrheitlich weiße, männliche Publikum thront in einer Kulisse aus Spiegeln, Gras, Birkengrüppchen und Leinwänden auf sandgefüllten Hockern. Ohne Lehne, dafür schick. Über allem erinnert der leuchtende Schriftzug "Innovate" an den Grund der Zusammenkunft.

Neun Stockwerke tiefer scharen sich etwa 60 Journalistinnen und Journalisten um Bildschirme und Leinwände, die Finger auf den Tastaturen, an den Weingläsern oder beschmiert von Currywurst-Soße. Das Buffet ist überzeugend, das Ambiente - auch dank der Lammfelle auf den Stühlen - behaglich. Beste Arbeitsbedingungen, Springer weiß wie's geht.

Schulterschluss mit etablierten Medien

Oben beginnt die Verleihung mit dem Song "Space Oddity", gesungen von einem Astronauten der ISS. Das Video zeigt die ganze Welt und zwischen den Zeilen: Mark Zuckerberg.

Moderatorin Eva Verena Müller eröffnet den Abend. Mathias Döpfner erzählt von seiner langjährigen Verbindung zu Zuckerberg, von dessen Karaoke-Party, auf der er im vergangenen Jahr mit seinem Sohn zu Gast war, nennt Zuckerberg einen Philantrophen und guten Menschen. Unterstreicht die Tatsache, dass der Unternehmer 99 Prozent seines Vermögens spende, und hofft ausdrücklich darauf, dass Facebook und die etablierten Medien Hand in Hand in die Zukunft gehen können. Das Thema Datenschutz klammert er aus ("Zu komplex") und die Hatespeech-Debatte verkürzt er auf "Würden wir wirklich wollen, dass ein Unternehmen die Informationen kontrolliert, die nach außen gehen?" - ignorierend, dass Facebook genau dies in sehr vielen anderen Bereichen durchaus tut.

Kritisches Lobhudeln

Aber gut, es ist eine Laudatio - fänden die InitatorInnen des Awards Zuckerberg nicht rundum preiswürdig, gäbe es keinen Preis. Dass sich die beiden Männer zugeneigt sind, ist deutlich, das Verhältnis wirkt freundschaftlich und vertraut. Erst mit dem nächsten Sprecher, dem Präsident des europäischen Parlaments Martin Schulz, öffnet sich ein Raum für Kritik, sanfte. "Wir können voneinander profitieren", sagt Schulz. Die Europäer von Zuckerberg mitreißendem Optimismus und seiner inspirierenden Zukunftsvision und "in return we will share with you our long experience of cultural diversity and show you that a sensitive approach to the use of data and the protection of copyright are fundamental components of our society."

"Wir sind keine Verleger"

Zuckerberg checkt höflich lächelnd die Reaktionen des Publikums, bleibt aber stumm. Es wird wieder lustig. Bill Gates sendet eine Videomessage, das Publikum staunt über die virtuelle Realität hinter den Gläsern der Samsung-Brillen (ein 3-D-Blick vom Dach des Axel-Springer-Hauses und nicht zu empfehlen bei Höhenangst), dann kommt das Gespräch Zuckerberg-Döpfner. Die strittigen Punkte bleiben unkommentiert, Zuckerberg spricht lieber von seinem Steckenpferd, der Virtual Reality, und besänftigt die Ängste der Medien vor der Facebook-Konkurrenz. "Wir sind keine Verleger, wir sind ein Technikunternehmen", stellt er klar. "Wir geben den Menschen die Tools, um ihren eigenen Content zu zeigen. Und wir wollen auch den Verlegenden und Herausgebenden die besten Werkzeuge geben, um ihre Arbeit zu erleichtern."

Artificial Intelligenz und Babystrampler

Er schaut häufig ins Publikum, sucht Blickkontakt, stellt Nähe her. Das Bild des sympathischen, jungen Unternehmers wird von kurzen Einspielern unterstützt, die sein Leben zeigen. Zuckerberg ist Vegetarier, lernt Mandarin und liest alle zwei Wochen ein neues Buch. Sagen die Einspieler. Auf der Bühne verrät er außerdem, dass er in zwanzig Sekunden eine Windel wechseln kann: ein unschlagbarer Softskill. Windeln wechseln kann Roboter "Roboy", der gemeinsam mit Professor Alois Knoll, einem seiner Entwickler, den Abend abrundet, noch nicht. Dafür aber der Frau des "B.Z."-Chefredakteurs Peter Huth erklären, wie man der dreimonatigen Tochter den Strampler anzieht. Es gelingt.

Ein Abend ohne Antworten

Im Anschluss wird der Preis verliehen - in Form der, wie Döpfner sagt, einzigen jemals erscheinenden, gedruckten Ausgabe des digitalen Wirtschaftsportals "Business Insider". Vier Streicher der Berliner Philharmoniker spielen "California Dreaming" und Eva Verena Müller singt dazu. Zufriedene Gesichter allerorten. Dann macht sich die A-Prominenz zum gemeinsamen Abendessen auf, die Gäste feiern in der Journalistenlounge weiter. Fragen wurden an diesem Abend (naturgemäß) keine geklärt. Antworten gibt es möglicherweise bei Zuckerbergs letztem Termin, dem Townhall-Meeting Q&A in der Arena Berlin.

Die Gäste vom ersten Axel-Springer-Award

Auf fast einer ganzen Seite feiert "Bild" heute die Preisverleihung an Mark Zuckerberg. Unter den Gästen vom ersten Axel-Springer-Award weilten unter anderem: Jan Bayer (Vorstand "Bild"- und "Welt"-Gruppe), Springer-Finanzvorstand Julian Deutz, Gruner+Jahr-Chefin Julia Jäkel, Noah-Gründer Marco Rodzynek, ZDF-Intendant Thomas Bellut, Publizist Manfred Bissinger, "Stern"-Chefredakteur Christian Krug, Universal-Music-Chef Frank Briegmann, Kai Diekmann, dpa-Chefredakteur Sven Gösmann, "Bild-am-Sonntag"-Chefredakteurin Marion Horn, Serviceplan-Geschäftsführer Florian Haller, Star-Moderator Johannes B. Kerner, "Bild"-Chefredakteurin Tanit Koch, Soundcloud-Chef Alexander Ljung, NDR-Intendant Lutz Marmor, "FAZ.net"-Chefredakteur Mathias Müller von Blumencron, "Upday"-CPO Jan-Eric Peters, "Bild"-Digital-Chefredakteur Julian Reichelt, Oliver Samwer von Rocket Internet, auFeminin-Vorstandsvorsitzende Marie-Laure Sauty de Chalon, "Tagesspiegel"-Herausgeber Sebastian Turner, Upday-CEO Peter Würtenberger, Christiane zu Salm sowie Stefan Aust (Herausgeber und Chefredakteur der "Welt"-Gruppe). Ebenfalls Gast der Preisverleihung: die Rechtsanwältin Karin Arnold, Vertraute von Friede Springer. (B.Ü.)

kress.de-Tipp: Ein von Springer produziertes Video zum Axel Springer Award gibt es hier.

 

 

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