Carsten Knop zerlegt Friede Springers dpa-Interview: "Bei Springer ist nicht alles so, wie es scheint"

 

Eiszeit zwischen Frankfurt und Berlin: Nachdem Friede Springer in einem dpa-Interview die "FAZ" massiv angegriffen hat, schießt "FAZ"-Redakteur Carsten Knop zurück. "Was bei Friede Springer nicht wirklich oder fast gar nicht stimmt", schreibt Knop.

So etwas hat es lange nicht mehr gegeben - die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", die in dieser Woche eine glänzende Jahresbilanz vorlegen konnte, wehrt sich gegen Deutschlands berühmteste Zeitungsverlegerin. Die Rede ist von Friede Springer, die Berichte in der "FAZ" in einem aktuellen Interview mit dpa-Chefredakteur Sven Gösmann dementiert.

"FAZ"-Herausgeber Holger Steltzner hatte gemeinsam mit Carsten Knop, Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung und Unternehmen, zuerst den "Streit über Friede Springers Erbe" thematisiert. Am Sonntag darauf legte Friede-Springer-Biografin Inge Kloepfer in der "FAS" nach, schrieb unter anderem folgende Worte, die unter Freunden des Hauses für Entsetzen sorgten: "Axel Springer hatte, katastrophal schlecht beraten, ein Stückwerk hinterlassen, einen zerschlagenen Konzern, der heftige Übernahmebegehrlichkeiten anderer Medienriesen weckte. Friede Springer, die sich in weit mehr als zehn kräfte- und nervenzehrenden Jahren die Mehrheit zurückeroberte, will genau das vermeiden." Kloepfer notierte unter anderem auch, dass Friede Springer sich zwei Jahre Zeit lassen wolle, um eine finale Entscheidung über ihr Erbe zu treffen.

Waren Friede Springers Zitate nicht abgesprochen?

Waren die Zitate in dem Stück womöglich nicht mit Friede Springer abgesprochen? Wusste die Witwe von Verleger-Legende Axel Springer vielleicht überhaupt nichts von dem Porträt ihrer Biografin? Wer mit Verantwortlichen im Haus spricht, merkt schnell, wie irritiert viele sind, die sich eigentlich für gut informiert halten. Einer spekuliert sogar, dass Friede Springers Kritik an der "FAZ" vor allem die oberste Chefetage beruhigen soll - niemand wolle jetzt den Streit eskalieren lassen, am Ende womöglich sogar neues Spitzenpersonal suchen müssen. Im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur widerspricht Friede Springer daher den Meldungen vom Main: "In den Berichten, die ich vor allem in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" hierzu gelesen habe, hat nun wirklich fast gar nichts gestimmt. Streit oder auch nur Meinungsunterschiede im Aufsichtsrat hat es dazu nie gegeben. Das ist eine Erfindung. Und zum Entscheiden brauche ich keine zwei Jahre, denn für mich stand schon immer fest, dass ich zwei voneinander getrennte Welten möchte. Auf der einen Seite die Stiftungen, die wohltätige und medizinische Zwecke verfolgen, und auf der anderen Seite eine Gesellschaft, die sich um das Unternehmen Axel Springer kümmert. Beides ist auch heute voneinander getrennt, und so möchte ich es auch künftig beibehalten."

Carsten Knop mag die Vorwürfe der mächtigen Verlegerin allerdings nicht so stehen lassen: "Insbesondere war in dieser Zeitung nicht davon die Rede, es habe einen "Machtkampf" gegeben, schon gar nicht mit Blick auf die KGaA. Erwähnt wurde lediglich, dass neben Teilen des Aufsichtsrats auch der Springer-Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner den ursprünglichen Stiftungsplan abgelehnt habe", so Knop. Er legt nach: "Beides bleibt von Friede Springer unwidersprochen. Worte wie "Putschversuch" oder "Machtübernahme" fanden sich am Tag nach der Berichterstattung in dieser Zeitung lediglich im "Handelsblatt", wo freilich darauf verzichtet wurde, die Originalquelle für den wahren Kern der Springer-Stiftungsgeschichte zu nennen."

"Bei Springer ist nicht alles so, wie es scheint"

Für Carsten Knop steht fest: "Aber, Obacht, bei Springer ist nicht alles so, wie es scheint. Und manches Gesagte muss auch nicht wirklich oder "fast gar nicht" stimmen."

Der Streit um das Erbe von Friede Springer kommt zur Unzeit und lenkt von dem guten Jahresergebnis ab, dass das Springer-Management am Donnerstag in Berlin präsentieren konnte. Der Medienkonzern hat im vergangenen Jahr vor allem vom Ausbau des Internetgeschäfts profitiert. Umsatz und Gewinn zogen deutlich an. Mit einem Anteil von 62 Prozent kommt inzwischen deutlich mehr als die Hälfte der Einnahmen aus den Digitalgeschäften des Verlags ("Bild", "Welt"). Unter dem Strich verdiente Springer knapp 305 Millionen Euro und damit fast 30 Prozent mehr als 2014. Die Erlöse kletterten um 8,5 Prozent auf 3,29 Milliarden Euro. Die Dividende soll stabil bei 1,80 Euro je Aktie bleiben.

Hintergrund Axel Springer SE

Vorstandsvorsitzender von Axel Springer ist Mathias Döpfner, die Führung komplettieren Jan Bayer, Vorstand Bild- und Welt-Gruppe, Julian Deutz, Vorstand Finanzen und Personal, und Andreas Wiele, Vorstand Vermarktungs- und Rubrikenangebote. Zum Konzern gehören unter anderem "Bild" (Herausgeber: Kai Diekmann; Chefredakteurin Print: Tanit Koch, Chefredakteur Digital: Julian Reichelt), "Bild am Sonntag" (Chefredakteurin: Marion Horn), sowie die "WeltN24"-Gruppe (Herausgeber und Chefredakteur: Stefan Aust). 2015 beschäftigte das Medienhaus im Durchschnitt 15.023 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

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