"Jede Kritik hilft uns weiter": Wie Enissa Amani bei ProSieben ihren "Aschenputtel"-Traum träumt

 

Sie ist selbstbewusst, sexy, schlagfertig - und sehr stark geschminkt: Die neue Late-Night-Talkerin Enissa Amani könnte das neue Sendergesicht von ProSieben werden. Und eine würdige Stefan-Raab-Nachfolgerin. Im Interview mit kress.de zieht sie erste Schlüsse aus der Top-Quote ihrer Show - und stellt sich der teils herben Kritik.

Zumindest was die Zuschauerresonanz anging, kann die 32-jährige Deutsch-Perserin mit ihrer ersten "Studio Amani"-Ausgabe am 7. März, in der sie die Torten fliegen ließ, sehr zufrieden sein: zum Auftakt einen starken Marktanteil von 16,8%. Mittlerweile wurde der von der AGF sogar auf 17,3% hochgewichtet. Schon der ursprüngliche Wert lag deutlich höher als beim "Circus Halligalli" von Joko Winterscheidt und Klaas Heufer-Umlauf zuvor (11,2%).

Die Kritiker ließen wenig gute Haare an der Auftakt-Show

Doch bei den Kritikern hagelte es Verrisse und einiges an Häme für ein Show-Konzept, das noch nicht so richtig ausgeklügelt wird und das sich in den acht Test-Wochen, die für Enissa Amani bei ProSieben vorgesehen sind, erst noch einspielen muss. "Eine Tussi mehr im Fernsehen", ätzte eine Rezension bei Stern.de, "allenfalls Provokatiönchen" hatte Johanna Bruckner von Sueddeutsche.de in der Auftaktsendung gesehen. Doch die Zuschauerzahlen passten. 

"Verbessern, dazulernen, nicht übereuphorisch sein"

"Ich freue mich natürlich unglaublich über diese außerordentliche Quote", sagt Enissa Amani im Gespräch mit kress.de. "Dennoch bin ich von Grund auf ein sehr rationaler und vorsichtiger Mensch. Jetzt gilt es sich zu verbessern, dazuzulernen und nicht übereuphorisch zu sein. Ich möchte auch weiterhin viele Zuschauer für 'Studio Amani' begeistern."

Tatsächlich kann die Tochter eines Tochter eines persischen Literaturprofessors und einer Ärztin ihren Erfolg noch nicht recht glauben. Allein die Tatsache, dass sie es zu einer eigenen Montagsshow geschafft hatte, macht sie noch immer baff. "ProSieben hat gesagt: Enissa, du kannst machen, was du willst", sagte sie in ihrer ersten Sendung. Einladen könne sie "die krassesten Gäste", aber eben auch nur die "die für superkleines Geld kommen wollen", fügte sie mit kessem Wimpernklimpern hinzu. Antoine Monot Jr., auch bekannt als "Tech-Nick", saß mit ihrer zuerst auf dem cremefarbenen Sofa. Auch er will ein ProSieben-Gesicht werden. Und er blieb gnädig, obwohl er selbst das Zeug zum Spötter hat.

"Wir brauchen Zeit, die Show weiter wachsen zu lassen"

"Jede Kritik hilft uns weiter, und natürlich brauchen wir weiterhin Zeit, uns auszuprobieren und die Show wachsen zu lassen", sagt Enissa Amani nun zu kress.de nach der ersten Manovörkritik. "Ich bin glücklich, dass viele meine Authentizität erkannt haben und anscheinend Spaß an meiner unkonventionellen Art gefunden haben."

Dass sie überhaupt in die großen Stefan-Raab-Fußstapfen treten darf, bezeichnet sie selbst als eine Art Märchentraum. "Das ist die reinste Aschenputtel-Story", sagte sie in einem Interview. Tatsächlich hat sie Raab viel zu verdanken. Über einen Auftritt bei "TV total" stellte sie sich der ProSieben-Fangemeinde bereits vor. Nun bespielt sie selbst den spätabendlichen Sendeplatz - mit extra viel Charme, bewusst auch Tussi-Charme. "Ich will die Zuschauer mit einem Lächeln im Gesicht zu Bett schicken", lautet ihre Devise.

Von der Flugbegleiterin zur TV-Entertainerin

Dabei hatte Enissa Amani den Kickstart durch "TV total" gar nicht unbedingt nötig. Immerhin zog es die rede- und zeigefreudige Entertainerin, die in Deutschland kurz Jura studierte, schon früh ins Rampenlicht. Mittlerweile ist sie in der Stand-up-Szene der Republik bestens vernetzt und konnte sich so zum Auftakt mit Marek Fis, einem Freund und polnischstämmigen Krawall-Comedian, eine harte Klischee-Wortschlacht liefern. Erstmalig ans Mikro kam sie als Flugbegleitern, die sie zwischenzeitlich war - da aber nur für die üblichen Sicherheitshinweise.

"Ich bin noch immer jung und brauche noch immer Geld"

Allerdings stand sie schon bald für den Homeshopping-Sender QVC im Kameralicht. Mit Beauty-Themen kennt sich Enissa Amani eben aus. "Ich war jung und brauchte das Geld", erzählte sie in der Auftaktsendung verschämt, als sie sich mit QVC-Ausschnitten über ihre alte Kosmektikverkäuferinnen-Rolle lustig machte. "Ich bin immer noch jung und brauche noch immer Geld", setzte sie kess dazu.

Was ihren Stil auszeichnet, ist die Unbekümmertheit und eine gewisse Schärfe, die sie aber durch Wärme erträglich macht. "Wir wollen eine andere Show machen - nicht nur labern und lästern", lautet das Motto. Gut ist Enissa Amani, wenn sie locker bleibt. "Ich bin Stand-Upperin mit Herz und Blut", sagt sie über sich selbst. Mit oft umjubelten Auftritten nicht nur bei "TV total", sondern auch bei "Night Wash" (WDR), dem ARD-"Satire Gipfel" und bei den den "StandUpMigranten" (EinsPlus) konnte sie zeigen, was sie drauf hat.

Ausgezeichnet beim "Deutschen Comedypreis"

Und sie ließ sich auch adeln: 2015 wurde sie als erste Frau mit der Auszeichnung "Beste Newcomerin" beim "Deutschen Comedypreis" (ausgerichtet von RTL) prämiert. Ihre Teilnahme bei "Let's Dance" war dann für die Ex-"Miss NRW" vorgezeichnet.

"Auf die Tagesaktualität lege ich großen Wert"

Für die zweite (und die folgenden) "Studio Amani"-Ausgabe möchte Enissa Amani ihre Stärken noch besser ausspielen - auch durch mehr echte Bezugnahme auf Themen, die das Netz zum Glühen bringen. "Auf die Tagesaktualität lege ich großen Wert, dabei sollen politische Themen genauso vertreten sein wie allgemeiner Gossip oder Social Media - alles im unkonventionellen Ton", sagt sie im Gespräch mit kress.de.

Dabei räumt ihr ProSieben - unter dem neuen Senderchef und Show-Experten Daniel Rosemann - große Freiheiten ein. "Da wir die Sendung erst am Ausstrahlungstag aufzeichnen, können wir auch kurzfristig auf aktuelle Themen reagieren", sagt Enissa Amani. Diese Chance muss sie nutzen.

Die neueste Ausgabe von "Studio Amani" läuft am Montag, 14. März um 23.15 Uhr bei ProSieben.

Ihre Kommentare
Kopf
Siegfried Mann
15.03.2016
!

Leider ging es ja schon in der zweite Show mit den Einschaltquoten stark bergab. Es zeigt sich wieder einmal, ohne Substanz funktioniert kein Konzept. Es ist fraglich ob sich in Deutschland jemals eine Late-Night-Show wie in den USA etablieren kann. Wünschenswert wäre es!


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