Klagen über "Einheitsbrei": Heftige Politiker-Kritik an Spar-Plänen von Funke in Thüringen

 

Im Auspressen der Ressourcen sei der Funke-Konzern schon lange spitze, zitierte Thüringens Kultusminister Professor Benjamin-Immanuel Hoff einen "FAZ"-Redakteur und fügte an: "Schöner hätte man es nicht sagen können."

Anlass für die Kritik war eine Aktuelle Stunde im Thüringer Landtag zu den Umstrukturierungen der drei Thüringer Zeitungen mit Streichung von rund hundert Stellen in der Redaktion und Zusammenlegung von Redaktionen.

Beantragt hatte die Aktuelle Stunde die SPD-Fraktion, für die ihr Abgeordneter Matthias Hey begründete: "Unsere Skepsis ist, dass mit weniger Leuten eine bessere Arbeit und eine bessere Qualität gewährleistet werden soll. Wir fragen uns, ob das eigentlich geht. Wir sorgen uns also um die Qualität, auch um die Pressevielfalt in diesem Land."

Vor allem kritisierte Hey die Auflösung des Newsdesk, so dass sich die Lokalredakteure nicht mehr auf Recherche und Schreiben konzentrieren könnten. Da auch die Sekretärinnen in den Lokalredaktionen verschwänden, müssten die Redakteure auch noch zusätzlich Layout und Fragen der Organisation klären. Auch die oppositionelle CDU sorgt sich um "Vielfalt und Qualität", beklagt den "Import von Printinhalten aus Berlin und Nordrhein-Westfalen". Das bedeute auf jeden Fall nicht mehr "Made in Thuringia".

Abschließend fragte der CDU-Abgeordnete Gerold Wucherpfennig: "Werden wir in Thüringen eine Einheitszeitung haben?"

Vom " Einheitsbrei aus einem Topf" sprach auch der Linken-Abgeordnete Andre Blechschmidt und fürchtet "Schlagzeilenjournalismus ohne Hintergrund und Tiefenrecherche, Stichwort Boulevardpresse im schlechten Sinn". "Kahlschlag" vermutet der AfD-Abgeordnete Stephan Brandner, kritisierte die "Lückenpresse", wenn es um Berichte zur AfD geht, und sprach den Zeitungen schon heute ab, objektiv zu berichten: "Das Einzige, was man in diesen Zeitungen an Objektivem findet, sind die Todesanzeigen."

Er empfahl als Lektüre die "Junge Freiheit", die sich erfolgreich dem "bevormundenden Einheitsbreijournalismus" entziehe. Den Redakteuren, die ihre Kündigung erwarten, empfahl er sich als Pressesprecher in den AfD-Fraktionen von Magdeburg, Mainz und Stuttgart zu bewerben.

Die Grünen wollen alternative Finanzierungsansätze entwickeln und fördern, aber nicht über eine öffentlich-rechtliche Zeitung nachdenken. Bei einer Landtags-Debatte Mitte März in Schwerin über die "Zukunft der Medien in Mecklenburg-Vorpommern" hatte auch Unions-Fraktionschef Vincent Kokert das dänische Modell in die Debatte eingebracht: Aufbau von Redaktionen mit öffentlichem Geld; darüber entscheiden solle ein unabhängiger Ausschuss.Ungewöhnlich ist das starke Engagement von Ost-Landespolitikern für Redaktionen, von denen sie bisweilen heftig kritisiert werden. In Erfurt appellierte der SPD-Politiker Hey im Plenum sogar dafür, eine Zeitung zu abonnieren: "Leute, lest weiter Zeitung! Das ist wichtig."

kress.de-Terminhinweis: Am 7. April lädt die Ebert-Stiftung in Erfurt um 14 (!) Uhr zu einer Diskussion ein: Zukunft ohne Zeitung - Zeitung ohne Zukunft". Dabei prallen aufeinander Michael Tallai, Geschäftsführer für Funke in Thüringen, und Sergej Lochthofen, Ikone der thüringischen Presse und Ex- Chefredakteur der "Thüringer Allgemeine".

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