Springer-Chef Mathias Döpfner: "Die 'Welt' ist meine große Zeitungsliebe"

 

Ihr 70. Jubiläum feiert "Die Welt" an diesem Samstag mit einer Sonderausgabe. Lesenswert ist da das Essay von Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner. Er gesteht: "Als ich achtzehn Jahre alt war, hatte ich einen konkreten Plan: Ich wollte Chefredakteur der 'Welt' werden."

Von März 1998 bis Juli 2000 verantwortete Döpfner dann tatsächlich die "Welt", bevor er in den Vorstand von Axel Springer wechselte. In der Jubiläums-"Welt" schreibt Döpfner: "Die Jahre 1998 bis 2000 waren magische Jahre. Beruflich die Zeit meines Lebens. Im Verlag gab es Konsens, dass es so nicht weiter gehen könne. Der neue Mann sollte also freie Hand bei der Umgestaltung haben. Claus Larass, damals Zeitungsvorstand, gewährte größtmögliche Freiheiten, ein großzügiges Budget und steuerte selbst viele konkrete Ideen in der sogenannten 'Giftküche' bei. Die Giftküche war ein ziemlich kleiner Raum im Hamburger Verlagshaus, wo wir hochgeheim mit ein paar Layoutern an einer neuen Struktur, einem neuen Konzept und einer völlig neuen Typografie und Gestaltung arbeiteten."

Und warum wollte er unbedingt Chefredakteur bei der "Welt" werden? Döpfner erklärt es so: "Bei der 'FAZ' - wo ich gerade als freier Mitarbeiter der Musikredaktion angefangen hatte - hätte man sich diese Aufgabe mit vier Kollegen teilen müssen. Das hielt ich für unpraktisch. Im Übrigen hatte die 'Welt' den schönsten Zeitungsnamen, das beste Layout und sie war fast immer am aktuellsten. Nur mit der Textqualität haperte es etwas, da würde frischer Wind - mit anderen Worten: ich - gebraucht. Es dauerte dann noch siebzehn Jahre, genügend Zeit um Präpotenz in produktive Selbstzweifel zu verwandeln, bis mein großer Wunsch in Erfüllung ging. Aber auch heute - nochmal rund siebzehn Jahre und manche Ernüchterung später - ist die 'Welt' immer noch meine große Zeitungsliebe geblieben."

Die Jubiläums-Ausgabe wird gestaltet von Udo Lindenberg. Sie wird in einer Auflage von 400.000 Exemplaren gedruckt.

Hintergrund

Chefredakteur und Herausgeber von WeltN24 ist der frühere "Spiegel"-Chefredakteur Stefan Aust, die Chefredaktion komplettieren Ulf Poschardt, Arne Teetz, Oliver Michalsky und Beat Balzli. Verlagsgeschäftsführer sind Stephanie Caspar und Torsten Rossmann. Im Vorstand von Axel Springer verantwortet Jan Bayer die WeltN24-Gruppe. Die gemeinsam ausgewiesene, verkaufte Auflage von "Welt Kompakt" und "Die Welt" beträgt 187.866 Exemplare (laut IVW 4/2015). Der "Welt" liegen als regelmäßige Magazinbeilagen außerdem unter anderem das Wirtschaftsmagazin "Bilanz" (Chefredakteur: Klaus Boldt, Herausgeber: Arno Balzer), das Stilmagazin "Icon" (Chefredakteurin: Inga Griese) sowie das Kunstmagazin "Blau" (Chefredakteur: Cornelius Tittel) bei.

In der "Welt"-Redaktion herrscht derzeit weiterhin große Unruhe. Noch immer steht nicht fest, wie Stefan Aust die "WeltN24"-Gruppe tatsächlich neu aufstellen will. Dazu will sich Aust nach unseren Informationen in der Redaktion kommende Woche erklären.

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