Mitarbeiterversammlung bei "WeltN24"-Gruppe: Sechs Wochen Zeit für freiwilligen Abgang

 

Ernüchterung bei der "Welt"-Gruppe: Bei Mathias Döpfners "Zeitungsliebe" beginnt jetzt die Phase der Freiwilligen. Nur wenn genügend Mitarbeiter das Haus von sich aus verlassen, sollen keine Entlassungen ausgesprochen werden.

Das haben Geschäftsführerin Stephanie Caspar und der Chefredakteur und Herausgeber der "Welt", der frühere "Spiegel"-Chefredakteur Stefan Aust, heute bei einer Mitarbeiterversammlung in der Ernst-Cramer-Halle den Beschäftigten eröffnet. Nach sechs Wochen soll der Sozialplan greifen.

Der Abgang der Freiwilligen soll dabei so ablaufen - die Redakteurin / der Redakteur geht zur Chefredaktion, teilt mit, dass es das Angebot der Vertragsauflösung annimmt. Die Chefredaktion überlegt dann, ob die Person "Welt"-entscheidend ist und bleiben soll oder gehen darf. Nach unseren Informationen gelten die Abfindungsangebote, die Axel Springer den Mitarbeitern offeriert, als sehr fair. 

Bei der nüchternen Mitarbeiterversammlung blieb aber auch ein weiterer Aspekt im Ohr der komplett durchdigitalisierten "Welt" - Stefan Aust sprach erneut vom "Neuland Internet". Aust, der in seiner ganzen Zeit beim "Spiegel" nicht ansatzweise so viel geschrieben hat wie seit der Übernahme der "Welt"-Chefredaktion, erklärte, dass er eine klare Trennung von Print und Digital plane.

Eine Unternehmenssprecherin erklärt die Aussage so: Es gehe nicht um eine Trennung von Online und Print, sondern um eine Spezialisierung einerseits auf Recherche und Schreiben für alle Plattformen und andererseits auf digitale Aufbereitung. Für Aust stehe fest: "Unsere gesamte Redaktion ist und bleibt eine Online-Redaktion. Alle Journalisten, alle Ressorts arbeiten weiter voll für Online. Alles was wir journalistisch tun, muss dem Rhythmus des digitalen Zukunftsmarktes gerecht werden."

Geschäftsführerin Stephanie Caspar bestätigte indes einen früheren kress.de-Bericht, sagte vor der versammelten Redaktion, dass es Listen mit Namen und Anzahl der Personen gebe, deren Abgang man besonders begrüßen würde.

Springer betonte am Montagmittag in einer Stellungnahme gegenüber kress.de: "Bei der heutigen Mitarbeiterversammlung informierten Chefredaktion und Verlagsgeschäftsführung gemeinsam mit dem Betriebsrat über weitere Details des Redaktionskonzepts und den damit verbundenen Personalabbau. Die Themen waren: Sozialplan, Zeitplan und zusätzlich ein Programm, das Mitarbeitern, die von sich aus das Unternehmen verlassen möchten, ein attraktives Angebot macht. Die Mitarbeiter wurden darüber informiert, dass in den nächsten Wochen mit den einzelnen Mitarbeitern gesprochen und danach die neue Redaktionsstruktur erarbeitet wird. Der Plan ist, dass diese bis Mitte Mai umgesetzt wird."

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