Was der "Innovationsreport" vom "Spiegel" vorschlägt: Eine Idee pro Woche

 

"Selbst wenn wir das Heft weiter verbessern, wird es kaum gelingen, den Trend umzukehren und die Auflage zu erhöhen", ziehen die Autoren des "Innovationsreports" vom "Spiegel" ein nüchternes Fazit von ihrer "McKinsey"-Analyse. Wie die "Spiegel"-Gruppe auch in Zukunft Geld verdienen soll.

Den Umsatzverlust auf drei Prozent pro Jahr zu verringern, so die Autoren, "wäre bereits ein großer Erfolg": "Das entspricht jedoch einem Minus von fünf Millionen Euro. Pro Jahr wohlgemerkt. Weil wir aller Voraussicht nach nicht noch einmal eine Cash Cow, wie sie 'Der Spiegel' war und ist, erfinden werden, müssen wir diesen Rückgang stetig kompensieren", heißt es in dem "Innovationsreport".

Klar scheint dabei zu sein, dass die bisherigen Objekte nicht reichen werden, das Unternehmen auf Kurs zu halten. "Nur über die bestehenden Geschäftsfelder wird uns das kaum gelingen - allein 'Spiegel Online' müsste dafür um 15 Prozent pro Jahr wachsen." Die vor allem von Cordt Schnibben befeuerte, digitale "Abendzeitung" wird nach den Überlegungen der Autoren kein wirtschaftlicher Erfolg: "Fünf Millionen Euro kämen theoretisch auch zustande, wenn 100.000 Kunden für 50 Euro pro Jahr eine digitale Abendzeitung abonnierten - praktisch betrachtet ist das allerdings ebenfalls eine eher optimistische Annahme." Intern sehen mehrere "Spiegel"-Mitarbeiter wenig Erfolgsaussichten für dieses vermeintliche Leuchtturmprojekt. Im Gegenteil: die Skepsis scheint auch bei den führenden Entscheidungsträgern angekommen zu sein.

In Verlag und Redaktion müsse anders gedacht werden: "Realistischerweise sollten wir uns deshalb vom immer noch dominierenden 'Think Big'-Ansatz verabschieden und pro neuem Produkt mit einer Million Euro Umsatz pro Jahr kalkulieren. Das bedeutet: Wir müssen fünf neue Produkte pro Jahr auf den Markt bringen. Um fünf erfolgreiche Produkte zu lancieren, sind allerdings mindestens 50 gute Ideen pro Jahr notwendig, eher deutlich mehr. Mit anderen Worten: Wir brauchen mindestens eine gute Idee pro Woche, sei es intern oder extern", heißt es im "Innovationsreport". Lakonisch geht es darin weiter: wer Ideen ohne Begründung ablehne, müsse gleich zwei neue Ideen liefern. Man setzt an der Ericusspitze offenbar eher auf das Potential der Vielen und weniger auf die Genialität einzelner Ansager.

Die Lehren aus der Untersuchung

Welche Lehren empfehlen die Autoren den Mitarbeitern der "Spiegel"-Gruppe? kress.de dokumentiert die entsprechende Passage im Wortlaut.

"1. Weil es sich um ein optimistisches Szenario handelt, werden wir auch drastisch sparen müssen. Das haben wir in der Vergangenheit bereits getan, ohne dass es der Großteil der Mitarbeiter mitbekommen hätte. Nun hat eine erste große Runde begonnen, die alle spüren werden. Hier ein bisschen sparen und dort ein bisschen etwas Neues erfinden ist allerdings keine befriedigende Lösung - weder intellektuell noch betriebswirtschaftlich.

Zweitens: Deshalb ist es mindestens genauso wichtig, dass wir die nächsten Jahre nutzen, um unser Haus systematisch zu modernisieren und brachliegende Energien freizusetzen, sodass wir unser Portfolio durch interne und externe Ideen ausbauen und neue Geschäftsfelder erschließen können. Nur so können wir uns an das Ziel "Jede Woche eine neue Idee" heranrobben. Dabei sollten wir immer im Hinterkopf haben: Wenn wir es nicht selbst tun, werden andere die notwendigen Veränderungen durchsetzen - allerdings mit deutlich weniger Umsicht, Begeisterung und Geduld.

3. Wir müssen unsere Cash Cow 'Der Spiegel' stärken, um den Umsatzverlust möglichst zu begrenzen und gleichzeitig für ein dynamisches Wachstum bei 'Spiegel TV' und 'Spiegel Online' sorgen.

Wenn wir uns treu bleiben wollen, müssen wir uns verändern."

Themen und Konfliktzonen, die nicht spiegel-spezifisch sondern medien-typisch sind. Die unerschrockene Revision von Innen könnten andere Verlage ermutigen, die Kreativität und den Einfallsreichtum der Belegschaften konstruktiv zu nutzen.

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