Amazon-Video-Deutschland-Chef: "Michael Bully Herbig war unser absoluter Wunschpartner"

 

Amazon Video Deutschland ist ein Paukenschlag gelungen. Der Streaming-Dienst setzt bei Eigen- und Koproduktionen auf A-Prominenz wie "Bully" Herbig und Matthias Schweighöfer. Amazons Deutschland-Chef Christoph Schneider setzt aber im Gespräch mit kress.de auf die hohe Schule der Diplomatie.

kress.de: Herr Schneider, Amazon und Netflix mischen den deutschen Fernsehmarkt auf. Wie lange lässt sich die Rundfunkgebühr in der jetzigen Form noch durch Massenerfolg der Öffentlich-Rechtlichen rechtfertigen?

Christoph Schneider: Ich denke, es gibt genug Platz für alle Arten von Anbietern. Amazon Prime ist der in Deutschland mit Abstand beliebteste Streaming-Dienst. Den Zuspruch unserer Kunden verdienen wir mit einem hervorragenden Angebot, exklusiven Shows wie der weltweit erfolgreichen Serie "Fear the Walking Dead" oder "Mr Robot" und unseren hochklassigen Amazon-Originals "The Man in the High Castle", "Transparent" oder "Mozart in the Jungle". Wir wollen unseren Kunden ein unvergleichliches Streaming-Erlebnis ermöglichen, demnächst auch mit unserer ersten deutschen Serie "Wanted" mit Matthias Schweighöfer und Michael Bully Herbigs "Bullyparade - Der Film". 

"Ich glaube, dass für viele Anbieter Platz ist, linear und non-linear"

kress.de: Der deutschsprachige Fernsehmarkt wird vom Publikum her gesehen eher kleiner als größer. Wächst Amazon auf Kosten von Sky?

 

Christoph Schneider: Immer mehr Menschen entdecken die Vorteile non-linearen Fernsehens. Unsere Kundenzahl wächst kontinuierlich. Dabei haben die Zuschauer heute so viele Wahlmöglichkeiten wie nie zuvor. Die Menschen passen ihr Sehverhalten ihrer jeweiligen Lebenssituation an. Ich glaube, dass für viele Anbieter Platz ist, linear und non-linear.

kress.de: Sie sichern sich die Rechte, Bully Herbigs kommenden Kinofilm exklusiv zu streamen. Warum haben Sie einen Künstler verpflichtet, von dem böse Zungen sagen, er habe seine Zukunft hinter sich?

Christoph Schneider: Diese Einschätzung deckt sich absolut nicht mit unserer. Michael "Bully" Herbig war unser absoluter Wunschpartner für unseren ersten Schritt in Richtung deutsches Kino. Mit "Schuh des Manitu" und "(T)Raumschiff Surprise" hat er über 21 Millionen Kinobesucher begeistert, die Filme laufen noch immer im TV mit großem Erfolg. Mit "Bullyparade - Der Film" knüpft er genau dort an. Ein großartiges Projekt!

"Bully begeistert die Jungen und Älteren gleichzeitig"

kress.de: Im Ernst: Welche Zielgruppe haben Sie mit Bully Herbig im Blick?

Christoph Schneider: Bully hat das einzigartige Gespür, die ganze Familie im Kino oder vor dem Bildschirm zu versammeln. Der Humor der "Bullyparade" ist nicht nur jedem Kind der 90er ein Begriff. Nicht zuletzt durch verschiedenste Online-Plattformen und soziale Medien haben sich die "Bullyparade"-Sketche millionenfach verbreitet. Bully begeistert die Jungen und Älteren gleichzeitig. Das ist genau das, was wir gesucht haben. 

kress.de: Gibt es in der Streaming-Version der "Bullyparade" Bonus-Material – oder zumindest eine XXL-Version?

Christoph Schneider: Wir arbeiten derzeit mit Bully an vielen Ideen rund um den exklusiven Launch des Films sechs Monate nach Kinostart auf Amazon Prime. Näheres geben wir bekannt, wenn es so weit ist.

"Grundsätzlich sind wir für alle starken Ideen offen"

kress.de: Mit dem Bully-Film startet Amazon einen Testballon. Was ist das Minimal-Ziel?

Christoph Schneider: Es ist weniger ein Test als der nächste Schritt, unseren Kunden auf Amazon Prime mehr deutschsprachige Filme und Serien exklusiv anzubieten. Unsere deutsche Amazon-Original-Serie "Wanted" passt ebenfalls in dieses Bild. 

kress.de: Die Lizenzierung des Kinofilms von Bully Herbig eine Blaupause für weitere Koproduktionen für den deutschsprachigen Markt?

Christoph Schneider: Wir können uns vorstellen, uns an weiteren deutschsprachigen Kinoproduktionen zu beteiligen.

kress.de: Bully Herbig bespielt vor allem das Comedy-Genre. In den USA ist Jerry Seinfield im Netz erfolgreich mit der fernsehähnlich produzierten Reihe "Comedians In Cars Getting Coffee". Ist es denkbar, Ähnliches für den deutschen Markt zu produzieren?

Christoph Schneider: Grundsätzlich sind wir für alle starken Ideen offen. 

kress.de: Ein weiteres Amazon-Gesicht wird Matthias Schweighöfer. Der Kino-Mann produziert eine Serie. Wie sollen die Gewichte zwischen exklusiver Lizenzware aus dem Kino und fernsehähnlichen Streaming-Produktionen mittelfristig verteilt sein?

Christoph Schneider: Beides hat seinen Platz. Wir entscheiden über die Realisierung von Projekten immer nach dem Mehrwert, den sie unseren Kunden bringen, nicht nach Genre. Unsere Kunden lieben Serien genauso wie Filme.

kress.de: Die öffentlich-rechtlichen Sender wie die frei empfangbaren Privatkanäle treten ebenfalls als Koproduzenten von Kinofilmen auf. Welche Konsequenzen erwarten Sie durch Amazons Eintritt in den Markt: mehr Masse, mehr Klasse oder ein Wettbieten um einige, wenige Stars?

Christoph Schneider: Uns geht es darum, unseren Kunden ein unvergleichliches Streaming-Erlebnis zu ermöglichen. Dazu suchen wir außergewöhnliche Persönlichkeiten und Stoffe, nicht einfach große Namen. Letztlich profitieren alle davon, wenn mehrere Interessenten agieren. Die Produzenten von Filmen und Serien erhalten neue, potentielle Kunden. Es können tendenziell mehr Projekte realisiert werden, wovon die gesamte Branche profitiert, auch die Schauspieler. Wir lassen dabei der Kreativität den Spielraum, den sie bei anderen Auftraggebern nicht bekommen. Und am Ende hat der Kunde die bestmögliche Angebotsvielfalt, aus der er sein Lieblingsprogramm wählen kann.

"Beliebtester Streaming Service Deutschlands"

kress.de: Mitbewerber Netflix kann im Kampf um die Kunden schon Erfolge durch spektakuläre Produktionen aufweisen. Wie wichtig sind Film- und Fernsehpreise für Amazon?

Christoph Schneider: Amazon hat für seine Amazon Original Serie "Transparent" zwei Golden Globes und fünf Emmys erhalten, "Mozart in the Jungle" wurde ebenfalls mit zwei Golden Globes prämiert. Preise sind schön, eine Bestätigung für gute Arbeit und sorgen für Aufmerksamkeit. Am Ende liegt unsere Aufmerksamkeit aber auf unseren Kunden und dass sie das Programm von uns erhalten, das sie begeistert. Wenn sich beides zusammen haben lässt, umso besser. Das gelingt uns bei Amazon Prime hervorragend. Wir sind in Deutschland der mit Abstand beliebteste Streaming Service.

kress.de: Streaming ist die neue DVD. Wann werden wir die Silberscheibe zu Grabe tragen?

Christoph Schneider: Streaming ist ein neues Erlebnis, Filme, Serien und Shows zu genießen. Bei Amazon können sich unsere Kunden entscheiden, ob sie als Prime-Mitglied von den unvergleichlichen Prime-Vorteilen wie unbegrenztem Streamen von Videos und Musik profitieren möchten oder Filme und Serien im Einzelabruf kaufen oder leihen möchten. Wenn sie lieber eine physische DVD in Händen halten wollen, bieten wir diese selbstverständlich ebenfalls bei Amazon an. Alle Formen habe ihre Anhänger und Käufer.

Hintergrund:

Amazon Prime und Michael Bully Herbig arbeiten - wie von kress.de berichtet - zusammen bei "Bullyparade – Der Film": Prime-Mitglieder sehen den Film zur Kult-Comedyshow nach dem Kinostart 2017 zuerst.

"Bullyparade – Der Film" ist nach Angaben von Amazon Video Deutschland in München der erste deutschsprachige Kino-Blockbuster, der seine Bildschirm-Premiere bei einem Streaming-Service feiert.

Prime-Mitglieder sehen den Film schon sechs Monate nach Kinostart und noch bevor er auf DVD oder anderen Kanälen erhältlich sein wird.

Christoph Schneider ist Geschäftsführer von Amazon Video Deutschland.

Ihre Kommentare
Kopf
Weitere Beiträge zu diesem Thema
Inhalt konnte nicht geladen werden.